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Die naive Lina verfällt dem charmanten Hochstapler Johnnie Aysgarth, der vom geliehenen Geld seiner Freunde lebt und sich von einer Hochzeit mit Lina ein sorgenfreies Leben verspricht. Linas Vater, ein vermögender General, begegnet Johnnie von Anbeginn mit Misstrauen und sieht in ihm einen Heiratsschwindler und Mitgiftjäger, dessen Interessen in Bezug auf eine Heirat rein pekuniärer Natur seien. Gegen den Willen ihres dominanten Vaters heiratet Lina Johnnie, wohl auch um Rebellion und Stärke zu demonstrieren aber vor allem, weil sie ehrliche Liebe für Johnnie empfindet.

Das eheliche Glück währt allerdings nur kurz, denn Johnnie erweist sich als verantwortungsloser Tagdieb, der in seinem Job Geld unterschlägt und – den ideellen Wert ignorierend – Linas Möbel gewinnbringend versetzt. Um sie zu beschwichtigen, gelobt er jedes Mal gebetsmühlenartig Besserung und lässt seinen Charme spielen.

Der Suspense, das hin und her zwischen Verdacht und Zweifel, der als Hitchcocks Markenzeichen gilt, wird hier deutlich wie in kaum einem anderen seiner frühen Filme. Denn Lina kann sich im Verlauf der Handlung des Verdachts nicht erwehren, Johnnie wolle sie umbringen, um die Erbschaft einzustreichen. Geblendet von ihrer Liebe, zweifelt sie an ihrem Misstrauen, das wiederum durch den Tod von Johnnies Geschäftspartner „Beaky“ und seinem Wissensdurst in Bezug auf Gifte bestärkt wird.

Cary Grant und Joan Fontaine, die für VERDACHT mit dem Oscar für die beste weibliche Hauptrolle geadelt wurde, bezaubern mit hervorragenden Vorstellungen in den Rollen des berechnenden und skrupellosen Antagonisten, der sich seiner Wirkung auf Frauen sehr wohl bewusst ist und demgegenüber der leichtgläubigen Protagonistin aus gutem Hause, die sich mit diesem menschlichen Elend konfrontiert sieht und endgültig den Glauben an das Gute im Menschen verlieren muss.

Auch wenn es oft anders gesehen und als flache Flickschusterei missverstanden wird: Das in Eile nach gedrehte Ende ist – gemessen an den Maßgaben - zweifellos genial und hebt den Film deutlich von einigen durchschnittlichen Filmen aus Hitchcocks Frühzeit ab, denn es lässt sich auf zwei Arten deuten. Nämlich derart als habe Hitchcock den von Hollywood oktroyierten Hays-Code beachtet, der u.a. vorschreibt, dass ein Mörder nicht entkommen darf. Damit hat er das Studio zufrieden gestellt und gleichzeitig Interpretationsspielraum für die von der Romanvorlage intendierte Lösung gelassen. Denn die erste Variante, die nur oberflächlich funktioniert und die Intelligenz des Zuschauers beleidigt (nichts läge Hitchcock ferner), lässt alles zuvor Geschehene Makulatur werden.
Hier ist es wirklich jedem selbst überlassen, ob er an das glaubt, was er sehen WILL oder an das, was er sehen SOLL.

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