„Suspicion“ ist ein sehr gern besprochener und sehr angesehener früher US-Hitchcock, der stark unter seiner Produktionsgeschichte zu leiden hatte und dennoch heutzutage nicht zuletzt wegen seiner guten Besetzung viele Freunde besitzt.
Letztendlich ist der Film jedoch ein zwiespältiges Vergnügen, da die Realität den Ansprüchen hier leider nicht genügen kann – doch selbst die offensichtlichen Schwächen des Filmen mindern kaum seinen Unterhaltungswert.
Als „Pitch“, als reine Filmidee ist „Suspicion“ außerordentlich reizvoll: eine Frau heiratet einen windigen Jungmann, der ständig und überall auf geliehenes Geld angewiesen ist, auf ihres scheinbar spekuliert und wie alles aussieht, auch vor Mord nicht zurückschreckt, um an welches zu kommen.
Natürlich sieht alles danach aus, als wäre sie selbst sein probates Mordopfer, nachdem er sich schon eines Geschäftspartners und Freundes entledigt hat, doch wer weiß, wie die Wahrheit aussieht.
Das klingt außerordentlich spannend und das ist es streckenweise auch. Joan Fontaine, die schon in Hitchcocks „Rebecca“ kurz zuvor brillierte, kann hier einmal als aufgeweckte und intelligente junge Frau glänzen, die eigentlich von Männern nicht so viel hält, dem Charme des nicht sonderlich angesehenen Wettkönigs und Schürzenjägers Cary Grant erlegen ist, um ihn so spontan zu heiraten, daß die finanziellen Angelegenheiten erst nach den Flitterwochen ans Licht kommen.
Am stilsichersten ist „Verdacht“ in seinem geschickten und eher romantisch-komischen ersten Drittel, wenn die beiden gegensätzlichen Typen sich kennenlernen, wobei Grant auf den locker-leicht-selbstironischen Typus zurückgreift, der sein Erfolgsrezept war und die intellektuelle Fontaine sich erst langsam zur emotional heiratsfähigen Frau wandelt.
Nach der Hochzeit wird der Gesamteindruck jedoch zunehmend uneinheitlich. Zum einen stört etwas, wie die selbstbewußte Lina, sich nach und nach ständig von ihrem Johnnie unterbuttern läßt, indem er sie meistens totargumentiert und sich nicht gegen die offensichtliche Klammheit monetärer Natur wehrt. Er wettet, ist offensichtlich pleite und versetzt sogar kurzfristig Möbel, um den status quo aufrecht erhalten zu können. Dazu kommt noch der gute Kumpel Beaky („Dr.Watson“ Nigel Bruce in einer sehr jovialen Rolle), der sich bei dem Pärchen einnistet, komische Geschäftsideen ausbrütet und an seltsamen Anfällen leidet.
Spätestens ab dort sollen sich düstere Töne ist die Beschaulichkeit mischen, aber der Screwballfaktor bleibt einfach ständig einen Tick zu hoch, Grant spielt die Rolle zu komödienhaft runter und selbst als Beaky stirbt und andere Dinge besorgniserregende Dimensionen annehmen, greift die Stimmung nicht dauerhaft, um einen Thriller daraus zu generieren.
Natürlich hat auch dieser Film seine unbestreitbaren Vorteile, nicht zuletzt in der wunderbaren Set Decoration und Lichtgebung, die über den ganzen Film verteilt, spinnennetzähnliche Schatten über die Szenerie werfen, meistens wenn Joan Fontaine im Bild ist und sich die Bedrohung wieder zu manifestieren scheint. Die berühmteste Szene ist und bleibt natürlich das ominöse Glas Milch, das Grant gegen Ende seiner Frau bringt und von der nicht nur sie vermutet, daß es vergiftet sei. Hitchcock platzierte eine Lampe in dem Milchglas, so daß es von innen heraus glüht, wenn Grant die dunkle Treppe hinauf schreitet, ein genialer Moment der Filmgeschichte.
Wesentlich schwächer im Aufbau und in der technischen Ausführung (wieder mal recht durchsichtige Rückprojektionen) ist die auflösende Autofahrt über eine steile und halsbrecherische Küstenstraße, wobei erwähnt werden sollte, daß dieser Schluß und die ganze positive Auflösung ein Kompromiß waren, da ursprünglich Grant tatsächlich ein Mörder sein sollte, der sich durch den letzten Brief seiner Frau selbst ans Messer liefern sollte, nachdem sie an Gift gestorben wäre. Dieser Schluß war aber für die Zeit zu gewagt und so blieb es dann doch beim eher konventionell aufgelösten Suspenser.
Unbestreitbar in seinen Qualitäten, kann man die Schwächen aber nicht ganz unter den Teppich kehren, das Gleichgewicht zwischen ironisch-burlesken Szenen und intensivem Spannungskino hat Hitchcock sonst besser hinbekommen und auch Grant sollte unter seiner Regie erst später zu Höchstleistungen auflaufen. „Verdacht“ steht also stark unter dem Verdacht, in seine Einzelteile zu zerfallen – vergnüglich, aber uneben. (6,5/10)