Viele Köche verderben den Brei, heißt es so schön. Das musste zuletzt der durch die alten Universal-Klassiker inspirierte SFX-Grusler "Van Helsing" von Stephen Sommers erfahren. Hatte ich noch recht viel Spaß bei diesem Monster-Kuddelmuddel (natürlich habe ich meine grauen Zellen vorher in den Stand by-Modus geschaltet), lautete der Tenor der Zuschauer und Kritiker: unausgereifte Charaktere, schwachsinnige Story, seelenloses Durcheinander.
Dabei hat sich hier wie so oft einfach nur die Geschichte wiederholt. Denn die Monster-Cooperation aus "House of Dracula" krankt im Prinzip an genau denselben Stellen wie die fast 60 Jahre jüngere Hommage.
Während sich "Dracula`s Daughter" noch um eine intelligente Weiterführung des Mythos bemühte und auch "Son of Dracula" mit einer romantisch angehauchten, wenn auch leicht kitschigen Variation ("Alucard") glänzen konnte, trifft die Geschichte um den Vampirfürsten aus Universal-Sicht nun auf ein etwas wirres Ende.
Der Titel verrät schon, woran wir sind: "House", das ist ein Ort, an dem alles zusammentrifft. So wie der "Dunkle Turm" aus Stephen Kings Fantasy-Saga, nachdem sich zuvor jeder durch sein höchstpersönliches Abenteuer gekämpft hat. Nur ist hier nicht alles so metaphorisch und bedeutungsschwanger wie bei Roland, dem Revolvermann und seiner Crew. Nein, hier treffen sich lediglich die berühmten Universal-Monster im Haus des Wissenschaftlers Dr. Edelmann (das "...of Dracula" im Filmtitel kann daher auch nur Marketingstrategie sein, denn das Haus gehört dem Mad Scientist): Dracula, der Wolfsmensch, Frankenstein und zusätzlich die hübsche, aber bucklige Hilfsschwester des Dr. Edelmann. Getreu ihrer (Universal-)Herkunft ist der Grund ihres Besuchs folgender: sie alle wollen ihren schrecklichen Fluch loswerden. Hach ja, unter ihrer Monster-Fassade sind sie halt doch nur Menschen.
Wie es halt bei einem Double-, Triple- oder gar Quadriple-Crossover in der Natur zu liegen scheint, sind die größten Kritikpunkte erwartungsgemäß:
-die überaus kompliziert und verworren erscheinende, letztendlich aber unglaublich platte und auf einer Stelle tretende Story
-schwach ausgearbeitete Figuren mit unverhältnismäßig wenig Screentime
-Logiklöcher en masse
-unaufgeklärte Storyansätze.
Hinzu kommt, dass der Film nur gut 60 Minuten dauert. In der Konsequenz leiden gerade der Wolfsmensch und Frankensteins Monster an zu wenig Beachtung. Letzteres erscheint gerade mal sporadisch und ohne Motivation in den letzten zehn Minuten. Von gut ausgearbeiteten Rollen kann da gar keine Rede sein.
Dabei spielen Lon Chaney Jr. (Wolfsmensch) und Glenn Strange (Frankensteins Monster) ihre Rollen noch am besten. John Carradine spielt seinen Dracula hingegen so kitschig, dass es schon weh tut.
Wenn man dem Film einen Verdienst zusprechen will, dann sind das die Spezialeffekte und die vielen visuellen Einfälle. Als erstes sticht die verblüffend gute Verwandlung des Wolfsmenschen heraus. Diese schrittweise Überblendung ist zwar logischerweise aus heutiger Sicht altbacken, zeugt aber vom Einfallsreichtum und der Mühe der Effekteleute (da müssen recht viele Zwischenstufen der Verwandlung kreiert worden sein). Ähnlich verhält es sich bei dem Spiegelbild, das langsam, aber sicher verschwindet.
Der visuelle Höhepunkt ist aber die verschwommene Tagtraumsequenz, inklusive Nebelspirale, herumschwirrenden Instrumenten und Gesichtern. Das dürfte im Jahre 1945 ziemlich verblüfft haben.
Wie immer sichtbar unecht dagegen wirkt die fette Gummifledermaus. Auch bei der "Buckligen" kann man die Kissenform auf dem Rücken deutlich nachzeichnen.
Im Prinzip lohnt sich auch dieser Monstermix. Witzig ist`s allemal, was vor allem dem immensen Trashfaktor zuzuschreiben ist. Qualitativ darf man aber nicht erwarten, dass sich "House of Dracula" in irgendeiner Kategorie mit dem Original oder auch nur den ersten beiden Fortsetzungen mit Draculas Nachkommen messen könnte. Wer nichts gegen ein unübersichtliches Storykonstrukt hat und auch verkraften kann, dass die Monsterlieblinge nur sekundenweise vorkommen, der darf ruhig einen Blick wagen. Die absurden visuellen Einfälle machen jedenfalls einiges wieder wett.
4/10