„Die Duellisten“ ist Ridley Scotts erster Kinofilm, doch die Klasse vieler späterer Werke Scotts erreicht er leider nicht.
Die Geschichte spielt beginnt 1800 in Frankreich, wo man einen besonderen Begriff von Ehre hat und diesen notfalls im Duell verteidigt – obwohl diese offiziell verboten sind. Einer der streitsüchtigsten Offiziere in Napoleons Armee ist Feraud (Harvey Keitel), der für seine Ehre sogar den Sohn des Bürgermeisters im Duell niedersticht. Dieses fanatische Verständnis von Ehre wird dann auch der Motor für die Handlung sein, wie der weitere Filmverlauf beweist.
D'Hubert (Keith Carradine) wird in diesen Streit hineingezogen, als er Feraud für das Duell gegen den Sohn des Bürgermeisters verhaften soll. Die beiden streiten sich, Feraud fordert D'Hubert zum Duell und wird dabei von ihm verletzt. Von da an entspinnt sich eine Fehde zwischen den beiden Männern, die nahezu jedes Mal, wenn sie sich wieder über den Weg laufen, sich erneut duellieren…
Ridley Scotts Erstling ist ein ziemlich episodenhaft erzähltes Werk, was dem Film leider schon recht früh den Wind aus den Segeln nimmt. Da der Fokus auf der Fehde der beiden Ehrenmänner liegt verkommen alle anderen Informationen, die man über die beiden Betonköpfe bekommt, zur Nebensache: Frauenbeziehungen, Heirat usw. – all das wirkt nicht und wie Ballast. Es scheint fast so als habe man gemerkt, dass die Fehde der beiden keine 90 Minuten vollmacht und habe dann noch ein paar uninspirierte Subplots in den Film gestopft.
Das ist schade, denn als Parabel auf falsch verstandenen Ehrbegriff funktioniert „Die Duellisten“ meist ganz gut: Die beiden Kontrahenten gefährden ihren Rang in der Armee, ihre Gesundheit und ihre gesellschaftliche Stellung durch ihre andauernde Fehde, die an sich nur wegen einer Bagatelle begann. Dabei nehmen sie keine Rücksicht und stürzen auch andere ins Verderben wie z.B. D'Huberts Geliebte, die wegen der Fehde keine Zukunft mit ihm sieht, jemand anderen heiratet und durch diese Verbindung ins Unglück stürzt.
Die Höhepunkte der Jahre dauernden Fehde sind natürlich die Duelle und die sind wirklich gut inszeniert. Intensiv schildert Ridley Scott wie sich der Groll der beiden immer weiter aufschaukelt und auch die Duelle nicht nur immer aufwändiger werden, sondern auch immer mehr Zuschauer finden. Zudem sind die Kämpfe der beiden recht schick choreographiert, auch wenn man bei einem Film von 1977 noch keine wirklich spektakulären Fights erwarten darf.
Doch abseits der Duelle sackt der Film, wie bereits gesagt, ab und das liegt nicht nur daran, dass die Charaktere einen in den Subplots kalt lassen. Denn auch die optische Präsentation ist nicht wirklich ansprechend und das knappe Budget merkt man dem Film deutlich an: Selbst bei den Szenen, die im Krieg spielen, watschelt lediglich eine handvoll Statisten durch die Drehorte und oft wirkt der Film so als seiner auf irgendeiner Bauernwiese gedreht worden. Immerhin an Originalschauplätzen in Europa, aber Bauernwiese bleibt Bauernwiese und sieht in jedem Land gleich schlicht aus.
Immerhin kann Ridley Scott auf zwei talentierte Hauptdarsteller zurückgreifen, obwohl man bei beiden schon wesentlich bessere Leistungen gesehen hat. Schlecht sind sie trotzdem nicht, nur die Worte Höchstform kann man beim besten Willen auch nicht benutzen. Harvey Keitel probiert aus, auf wie viele verschiedene Weisen man angepisst gucken kann, während Keith Carradine als gewollt blasierter Gegenpart dasteht, der mehr auf Pflichtgefühl denn aus Rachsucht an der Fehde teilnimmt. Die Nebendarsteller sind ebenfalls ganz OK.
Bleibt unterm Strich eine passable Parabel über falsch verstandenen Ehrgeiz, doch irgendwie optisch zu schlicht und abseits der Duelle zu lahm, aber wirklich besser als passabel zu sein.