Review
von Leimbacher-Mario
Kavalierskonflikte
Männer und ihre Schwanzvergleiche - das gibt’s heute, das gab es zu Napoleons Zeiten, das wird es wohl immer geben. Und manchmal entstehen daraus sogar jahrelange, fast lebenslange Feindschaften, wie in Ridley Scotts beeindruckendem Regiedebüt (!) „The Duellists“, in dem ein verbissener und rachsüchtiger Harvey Keitel einfach nicht locker lässt, sich mit einem fast etwas verzweifelnden Keith Carradine zu duellieren. Über Jahrzehnte und Epochen, durch Krieg und durch Frieden, mit abwechselnden Ergebnissen und ohne Reue oder Entschuldigungen. Wahrscheinlich bis einer weint. Oder hier: stirbt. Doch steckt hinter dem unkaputtbaren Hass am Ende nicht doch noch etwas Respekt oder gar eine seltsame Freundschaft?!
Wenn man als zweiten und dritten Film „Alien“ bzw. „Blade Runner“ abliefert, dann kann das Erstlingswerk schonmal etwas unter dem Radar verschwinden. Selbst ein so aufwendiges und exzellentes wie „Die Duellisten“. Dabei ist dieses Renaissance-Duell zweier Kämpfer und stolzer Männer mit Sicherheit nicht nur für Ridley Scott-Fans eine echte Entdeckung. Keitel und Carradine liefern sich einen Zweikampf auf Augenhöhe, vor allem charakterlich, da Keitel, obwohl er weniger Screentime bekommt, den Film mit jeder weiteren Szene schon dominiert und an sich heranzieht. Dennoch ist es bei beiden faszinierend, sie durch die Jahre zu begleiten und ihren Werdegang zu erleben. Körperlich wie psychisch. Immer mit der Möglichkeit, dass das ewige Duell nun doch noch ein blutiges Ende finden könnte. Für einen oder gar beide. Diese kleine, intime Betrachtung zweier Männer wird von einer audiovisuellen Pracht eingerahmt, die in der kompletten Kinogeschichte wohl nur wenig Konkurrenz fürchten muss. Wie der Beginn des 19. Jahrhunderts auf die Leinwand gebannt wird, von den Kostümen über die Sets bis zu den malerischen Ausblicken und dichten Schnäuzern, von Straßburg bis Russland, ist schlicht atemberaubend. Viele Bilder kann man stoppen und sofort an die Wand hängen. Inklusive der vorletzten, klasse Einstellung. Und so schafft es Scott mit Optik, Auge, Atmosphäre, aber vor allem zwei kernigen Soldaten und Typen, die Zeit Napoleons und Co. eindrucksvoll in ein zerbrechliches, zeitloses Gefäß zu füllen. Edel und elitär.
Fazit: wie eine bravuröse Mixtur aus „Barry Lyndon“ und „Duel“ - Ridley Scotts Regiedebüt ist ziemlich persönlich, ambitioniert, groß und wunderschön. Starker Auftakt einer starken Karriere. Intim und episch zugleich. Napoleon Bonaparty. Ein echter Qualitätsfilm.