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Der Krimi zählte schon immer zu den Königsdisziplinen der deutschen Filmemacher und so wurde "Der Rote Kreis" das erste Mal im Jahr 1929 als Stummfilm verfilmt. In der Reihe von Preben Philipsen (Rialto Film) und dem Constantin Verleih ist es nach "Der Frosch mit der Maske" die zweite Verfilmung eines Edgar Wallace Krimis. Die Produktionskosten beliefen sich auf circa 600.000 DM, doch aufgrund des horenten Erfolges an den Kinokassen sicherte man sich gleich die Rechte für weitere Wallace Verfilmungen.
Es ist jetzt acht Jahre her, seit der Dieb und Mörder Henry Charles Lightman der Guillotine in Toulouse entging, da der betrunkene Henker einen Nagel falsch eingeschlagen hatte. Und nun wird London von einer Mordserie heimgesucht, die Signatur des Mörders ist ein roter Kreis. Inspector Paar (Karl-Georg Saebisch) kommt mit seinen Ermittlungen nicht voran, weswegen ihn der erfolgreiche Privatdetektiv Derrick Yale (Klausjürgen Wussow) unterstützen soll. Doch das System des roten Kreises scheint narrensicher, denn erst erpresst er seine Opfer und wollen diese nicht zahlen werden sie ermordet. Und welche Rolle spielt dabei die Gaunerin Thalia Drummond (Renate Ewert)?

"Stahlnetz" Regisseur Jürgen Roland bringt die nötige Erfahrung mit und inszeniert "Der Rote Kreis" als klassischen Krimi. Die Einführung der vielen Charaktere ist zeitweise etwas verwirrend, trägt aber spätestens ab der zweiten Halbzeit zum munteren Rätselraten bei. Roland ist hier etwas gelungen, was viele Krimis einfach nicht gebacken kriegen, nämlich ist sein Film undurchsichtig bis zum Ende. Neben dem roten Kreis als Haupttäter, gibt es noch mehrere Charaktere die ihr eigenes Süppchen kochen. Was hat es beispielsweise mit der Gaunerin Thalia Drummond auf sich? Und auch die Entführung eines kleinen Mädchens scheint nicht der rote Kreis begangen zu haben. Das einzige, was man als Zuschauer mit ziemlicher Sicherheit sagen kann ist, dass Henry Charles Lightman der rote Kreis ist. Doch wie sieht er heute aus? Potentielle Verdächtige gibt es genug und jede Figur hat Dreck am Stecken.
Auch haben wir bei diesem kniffligen Fall drei Ermittler parat, einmal Inspector Paar, der bereits vierzig Jahre im Dienst von Scotland Yard ist und dessen Methoden den gewünschten Erfolg nicht bringen. Dann den ehrgeizigen Privatdetektiv Derrick Yale, der den Großteil der Informationen über den roten Kreis beschafft und einmal Sgt. Haggett (Eddi Arent) der mit seiner tapsigen Art immer wieder für Schmunzler sorgt.

Und um den Zuschauer bei Laune zu halten, wird wieder fleißig gemordet, bevorzugt bei Nacht. Denn selbst ein ganzes Polizeiaufgebot kann den roten Kreis nicht aufhalten. Schon mit HIlfe einiger Nebelmaschinen gelingt es Roland besonders bei Nacht angenehmen Grusel zu erzeugen, jedoch noch etwas betulich und der Zahn der Zeit hat an diesem Werk schon deutlich genagt. Jegliche Effekthascherei lässt Roland außen vor, dennoch gelingt ihm ein ordentlicher Spannungsbogen, der in einer verblüffenden Enthüllung der Identität des roten Kreises seinen Höhepunkt findet. Ansonsten hat "Der Rote Kreis" ein paar harmlose Morde und auch die typischen Verfolgungsjagden zu Fuß zu bieten. Das Finale könnte spektakulärer sein, vergleicht man mit anderen Verfilmungen, so laufen diese gerade gegen Ende zur Hochform auf.
Klausjürgen Wussow (Die Schwarzwaldklinik, Klinik unter Palmen) ist hier in einer seiner ersten Rollen als Privatdetektiv Derrick Yale zu sehen, neben Renate Ewert (Hotel der toten Gäste, Die Katze im Sacke), die sechs Jahre später tot in ihrer Wohnung gefunden wurde.

"Der Rote Kreis" ist ein klassicher Krimi, dem es bestens gelingt die Identität des Haupttäters bis ins Finale zu wahren. Jedoch bedarf es dazu vieler Figuren, deren Einführung manchmal etwas holprig ist. Gerade in der ersten Halbzeit kann es zu kleinen Verwirrungen kommen, aber trotzdem gelingt Roland ansonsten ein nostalgisches Krimivergnügen. Harmlos, verhalten spannend, aber einfach amüsant und sympathisch.

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