Review

Astrid Lindgren sei mal wieder gedankt - einfach bezaubernd, was Regisseur Tage Danielsson mit diesem originalgetreuen Werke Mitte der Achtziger Jahre ablieferte. Eigentlich als Kindermärchen ausgelegt kann der zweistündige Fantasyfilm durchaus auch jeden Erwachsenen begeistern, der dem Thema zugeneigt ist. Zwar haben wir hier keine Herr der Ringe Special Mega-Edition, in dem fünf Milliarden CGI-Orks gleichzeitig auf dem Bildschirm herumzappeln, dafür aber weitaus mehr Charme – und mit dem schlägt die zuckersüße Hanna Zetterberg als „Ronja, die Räubertochter“ beinahe alles!

Ronja ist, wie es der Titel schon sagt, die Tochter eines Räuberhäuptlings. Schon bei der Geburt ging es tierisch ab in der Nacht, und die Burgfestung, in der Boss Mattis mit seinem Dutzend im selbsternannten „Mattiswald“ lebt, wird gleich mal durch einen tiefen Graben in zwei Hälften gespalten. In dem Wald hingegen strotzt es nur so vor Fantasyelementen: kleine Rumpelwichte wandern unter der Erde, Harpienähnliche Wilddruden fliegen auf Raubzug durch die Lüfte und Horden von kleinen Graugnomen macht die Nebligen Dickichte unsicher. Ideal für das kleine Mädchen, alles zu erkunden und mit der Welt klarzukommen, während die Räuber ihrem Handwerk nachgehen, um die reichen „Landsknechte“ auszuräumen oder sich mit den feindlichen „Borka-Räubern“ zu prügeln. Eines Tages jedoch wird die gute Stimmung je getrübt: heimlich zieht die Bande um Borka, der einen Sohn hat, der genauso alt wie Ronja ist, in die abgespaltene Hälfte der Festung ein – sehr zum Leidwesen von Mattis, der die Konkurrenz gleich wieder rausschmeißen möchte. Während ein erbitterter Kampf entbrennt, freundet sich Ronja jedoch mit dem Sohnemann Birk an, und die beiden beginnen, gegen die Eltern zu rebellieren. Schließlich verlassen sie die Feste und ziehen in den Wald ein...

Hach, einfach fantastisch, das Ding, damals wie heute. Wie schon gesagt setzt das Märchen weniger auf pralle Effekte (auch wenn die damals schon als Highlight galten), sondern auf unaufdringlichen und auch detailverliebten Fantasycharme, und es entsteht mehr eine elegante Mischung aus verschiedenen Elementen: Robin Hood trifft auf Herr der Ringe, die Gebrüder Grimm würzen die Soße und das Filmteam verpackt das Ganze als kindgerechte Räubersage, in der wahrlich alles stimmt. Bei den Schauspielern ist einer sympathischer als der andere, es wird viel gesungen und getanzt, und die Naturkulisse sowie die eingefangene Atmosphäre sind schlichtweg unvergesslich. Klar mögen die übernatürlichen Aspekte dem rüden Fantasyexperte mit dem Blind-Guardian-T-Shirt reichlich unspektakulär vorkommen, nachdem man sich gerade die SEE aller drei Lord of the Rings-Teile reingepfiffen hat, aber ich werde für diesen Film immer wieder eine Lanze brechen und sage euch, dass über die Ronja nix drüber geht! Auch Action und Kurzweil kommen hier nie zu kurz, wenn es auch selbstverständlich auf einer etwas milderen Ebene als vielleicht gewohnt zugeht. Umso besser ist das aber für die kleineren Zuschauer, die an diesem zeitlosen Epos absolut auf ihre Kosten kommen werden, Garantie!

Glücklicherweise ist dieses Fantasy-Mustsee mittlerweile schon längst auf DVD erschienen und für relativ wenig Geld hier und da aufzutreiben – also schnell zugreifen und sich die Geheimtipp-Perle sichern. Man kann wirklich nichts damit falsch machen!

Details
Ähnliche Filme