Review

Fasst man innerhalb einer Horror-Anthologie kleine Kapitel zu einem Ganzen zusammen, ist wie immer alles drin: Blut, Erotik, ein bisschen Mystery und zur Auflockerung ein wenig Trash. Da bildet dieser Streifen keine Ausnahme, auch wenn alles aus der Feder von Dennis Bartok stammt, so weisen die Beiträge von größtenteils namhaften Regisseuren wie Joe Dante, Sean S. Cunningham und Monte Hellman doch höchst unterschiedliche Qualitäten auf.
Je nachdem, worauf der Horror-Fan seine Gewichtung legt – und das ist, wie immer, der Vorteil von Episodenfilmen, - dürfte für jeden etwas dabei sein.

Die Rahmenhandlung, inszeniert von Joe Dante, schildert, wie eine Gruppe Besucher durch einen Filmpark geführt wird und aus einem „Haunted House“ nicht mehr herauskommt.
Ihr Führer (Henry Gibson) bittet die Eingeschlossenen, von ihrem persönlich schlimmsten Erlebnis zu berichten.

1. Girl with Golden Breasts
Eine Schauspielerin lässt sich aufgrund ausbleibenden Erfolges die Brüste vergrößern, doch nach dem Eingriff führen diese ein vampiristisches Eigenleben.

Mit diesem Einstieg wird die Partylaune deutlich angeheizt, nicht nur, was die groteske aber kreative Grundidee, sondern auch die herrlich trashige Umsetzung betrifft.
Mit deutlichem Augenzwinkern in Richtung Massenabfertigung bei Schönheitsoperationen raucht hier der behandelnde Chirurg während der OP Zigarre und schaut nervös auf die Uhr, weil der nächste Patient bereits in 20 Minuten dran ist. Auf die ironische Spitzte treibt dies die herrlich übertriebene Darstellung von Rachel Veltri als operierte Schauspielerin und der Showdown mit drei transsexuellen Ärzten.
Viel Blut mit einer glibberigen Operationsszene und der Thematik entsprechend, ein wenig nackte Haut.

2. Evil Spirit
Während eines Aufenthalts in Japan verfällt eine Frau dem Geist eines erhängten Mönches und wird in die Hölle gezogen, woraufhin ihr Mann sie nach Rat eines Tempeloberhauptes daraus befreien will.

Mit diesem Beitrag zeigt sich die inszenatorische Versiertheit eines Sean S. Cunningham, die in seinem „Freitag der 13.“ Klassiker noch nicht so deutlich ausgeprägt vorhanden ist.
Besonders die Gestaltung der Kulissen, ein japanischer Friedhof mit Tempel, aber auch die Idee, gegen Finale Real – und Comic-Sequenzen gleichermaßen die Geschichte erzählen zu lassen, formen sich zu einer surreal anmutenden Einheit, die die eigentlich schwach konstruierte Geschichte ein wenig in den Hintergrund rücken lässt. Hier punkten eher einige atmosphärische Momente als bluttriefender Trash, obgleich die Szene „Poppen mit einem Verwesenden“ innerhalb dieses Aspektes nicht unter den Tisch gekehrt werden sollte.

3. Stanley´s Girlfriend
Ein B-Movie Darsteller lernt den Regisseur Stanley (Kubrick?!) im Zuge gleicher Interessen wie Schachspielen kennen, bis eine dubiose Schönheit das Leben beider auf fatale Weise verändert.

Jeder Episodenfilm hat so seinen Schwachpunkt und an dieser Stelle ist er leider erreicht, da weder Story, noch die Umsetzung überzeugen können. Dass es bei einem Drei-Personen-Stück zu einer Dialoglast kommt, ist eventuell noch zu entschuldigen, doch auch der ansonsten sehr behäbige Erzählfluss kann nicht durch eine vermeidlich überraschende Pointe (Stichwort Succubus) ausgeglichen werden. Innerhalb dieser inhaltslosen Folge können weder die austauschbaren Gesichter, noch eine unerotisch eingefangene Liebesszene etwas herausholen.

4. My Twin, the worm
Ein französisches Paar zieht in die USA, um Wein anzubauen. Die Frau wird schwanger, doch bei der Untersuchung stellt der Arzt auch einen Bandwurm im Bauch der Frau fest, der nicht entfernt werden kann. Sie ist gezwungen, Kind und Wurm auszutragen, was eine unerwartete Wechselwirkung im Leib der Schwangeren mit sich bringt.

Hiermit kehrt man zum trashigen Grundton der ersten Episode zurück, wenn auch mit weniger Augenzwinkern, denn mit sprichwörtlich bissigem Zynismus.
Denn John Gaeta, der sich bisher eher als Visual Effects Supervisor für Filme wie „Matrix“ verantwortlich zeichnete, lässt es sich bei seinem Regiedebüt nicht nehmen, ein paar recht gelungene „Innenaufnahmen“ aus dem Bauch der Schwangeren zu präsentieren.
Dabei geht man storytechnisch über die Geburt hinaus und mündet in einer schaurig angemessenen Pointe, die grimmigen Genrefreaks durchaus entgegen kommt.

Abschließend kehrt man zur Rahmenhandlung der eingesperrten, etwas unfreiwilligen Geschichtenerzähler zurück und bietet schließlich noch den ein oder anderen Twist, der allerdings seit „Todeskarten des Dr. Schreck“ nicht mehr überrascht.
Stimmungsvoll und Interesse auf sich ziehend hat aber auch Joe Dante die so genannte „Wraparound Story“ eingefangen, mit wirkungsvollen Kulissen, solider Kamera und dem Gefühl, das sicherlich nicht unbeabsichtigt an die ursprünglichen „Tales from the Crypt“ erinnert.

Am Ende steht ein Episodenfilm zwischen Vampirbrüsten, erhängtem Mönch, Schach spielender Femme Fatale und geistig nahem Bandwurm, der in seiner Gesamtheit ordentlich unterhält.
Wer auf Horrorfilme in Episoden-Taktik steht, kann hiermit nicht viel falsch machen, das Drumherum wirkt zwar ein wenig altbacken, könnte dem einen oder anderen Geek jedoch durchaus nostalgisch anmutende Freude bereiten.
6,5 von 10

Details
Ähnliche Filme