Review

Ungewöhnlicher, stellensweise wirklich brillanter Film

Den "Nachbar" halte ich für einen der besten österreichischen Spielfilme überhaupt. Sowohl ein Film über urbane Alienation im Alter und zwischenmenschlicher Fremdheit Tür an Tür, als auch zum Problem des sich-einmischens in Leben anderer - bei dem im Hintergrund des Generationenkonfliktes für mich stets jede Menge österreichischer Zeitgeschichte mitschwingt, wobei diese vor allem einen Wandel in den Umgangsformen betrifft.
Zwar lebt der Film größtenteils natürlich von der großartigen Performance Rudolf Wesselys, aber auch Dana Vávrová und Wolfgang Böck überzeugen: wahrscheinlich blieb der Film mir auch deshalb so sehr am Herzen liegend, weil er mich manchmal an das beste bei Kurosawa erinnerte.
Bestechend fand ich jedenfalls einen gewissen zurückhaltenden Realismus, der für österreichische Verhältnisse höchst ungewöhnlich kein reifes Wissen oder noch vorgebliche Fragen dem Publikum mittels verkappter Überlegenheitsdünkel und ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen, einbläuen will.

Leider hat "Der Nachbar" auch etliche Längen und wirkt in meiner Erinnerung nachhaltig wohl beeindruckender als er tatsächlich ist: unverständlich blieb mir ebenfalls, weshalb ich andere Arbeiten des damals noch jungen Machers weiterhin so eingebildet finde. Da war der Einfluss eines wiederum anderen österreichischen Kinos, das ich sonst eigentlich ablehne, wohl zu groß - wie zuletzt etwa in "Revanche" zu sehen...

Rating 8.5

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