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„Taxi Driver“ Robert De Niro versinkt immer mehr im Schmutz von New York während seiner nächtlichen Arbeit.
Travis Bickle (Robert De Niro) ist absolut ausgebrannt: Er ist Vietnamveteran, arbeitslos und leidet unter absoluter Schlaflosigkeit. Ein neuer Job soll ihm ein Einkommen sichern und seine schlaflosen Phasen überbrücken: Taxi fahren. Regisseur Martin Scorcese und Drehbuchautor Paul Schrader zeigen einen Mann, der vollkommen am Boden ist, dem es an Halt fehlt und der eher vegetiert als lebt.
Für kurze Zeit scheint es mit Travis aufwärts zu gehen: Er kann durch seine Schlaflosigkeit extrem viel arbeiten und traut sich auch in jede Gegend, was ihm viele Kunden und verhältnismäßig viel Geld bringt. Er traut sich zudem die Wahlhelferin Betsy (Cybill Shepherd) anzusprechen und mit ihr auszugehen. Doch so pessimistisch wie „Taxi Driver“ ist, kann dies natürlich nicht gut gehen und so kommt es dann auch.

Die intellektuellen Unterschiede zwischen Travis und Betsy treten bald zu Tage und als er sie in ein Pornokino einlädt, weil er dieses für ein normales Date hält, bricht sie entsetzt jeglichen Kontakt zu ihm ab. Von da an versinkt Travis immer mehr im Schmutz der Stadt, obwohl er selbst möchte, dass die Stadt davon gereinigt wird…
„Taxi Driver“ ist ein vielschichtiger Film, aber auch ein sehr langsamer. Man muss sich wirklich auf Scorceses Bildsprache einlassen, aber dann kann man wirklich sehr gut in die faszinierenden Aufnahmen des nächtlichen New York und dessen Schattenseiten eintauchen – auch wenn der Film stellenweise etwas zu sehr darin schwelgt und auf diese Weise ein paar kleinere Längen hat. Doch dies ist an sich der einzige Kritikpunkt an dem sonst sehr guten Großstadtdramas.
Langsam wird dem Zuschauer gezeigt, wie Travis immer mehr absteigt. Bei der Fahrt kümmert er sich selten um seine Fahrgäste, lebt nur noch für die Arbeit, hat keine Freunde und geht bestenfalls in Gesellschaft anderer Fahrer auf, aber auch dies nur für kurze Zeit und ohne sich zu integrieren. Doch gleichzeitig wird auch gezeigt, dass Travis trotz seiner Verschrobenheit eine der wenigen guten Seelen in dem Film ist, wenn auch sehr fehlgeleitet. Ihm ist das Wohl seiner Mitmenschen nicht vollkommen egal und er kann aufgrund seiner mangelnden Bildung nur keine intelligenten Schritte unternehmen um etwas zu ändern.

So kommt es dann auch zum sehr verstörenden Finale, in dem Travis seine Vision von Unternehmergeist beweisen will und mit Gewalt für Gerechtigkeit sorgen. Es kommt zu einem Blutbad, das Filmgeschichte schrieb und auch heutzutage noch sehr verstörend wirkt. Hinzu kommt noch ein zynischer Abschluss, der aus dem Amokläufer einen Medienhelden macht, was an sich auch nur zustande kam, weil Travis erster Plan (ein Attentat auf einen Politiker) fehlschlug. Doch das Szenario erscheint erschreckend plausibel und man erkennt klar die Gesellschaftskritik, welche „Taxi Driver“ anschlägt.
Robert De Niro ist einfach einer der größten Schauspieler unserer Zeit und demonstriert dies auch hier sehr eindrucksvoll. Den simplen Travis verkörpert er schlicht und einfach genial und lässt den Zuschauer an dessen seelischen Abgründen teilhaben. Jodie Foster, damals erst 13, ist auch hervorragend, während Cybill Shepherd „nur“ gut ist – so wie an sich alle anderen Nebendarsteller.

So bleibt ein faszinierendes Personenportrait, eindrucksvoll gemacht und sehr kritisch, nur teilweise etwas zu lahm erzählt.

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