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Überzeugender Film.

Paul Schrader hat sich die Geschichte um den Taxifahrer Travis Bickle (Robert de Niro) ausgedacht. Inspiriert wurde er dabei durch sein eigenes Leben. Zu der damaligen Zeit war er sehr einsam, hatte sich von seiner Frau geschieden und eine andere Freundin verlassen. Das Problem der Einsamkeit setzte er mit der Taximethaper um und beeindruckte damit Martin Scorsese, der daraus einen Film machen wollte, in welchem das Bild eines vereinsamten Vietnamveteranen auf recht ernüchternde Weise gezeichnet wird.

Travis Bickle kann kaum schlafen. Daher legt er sich den Job eines Taxifahrers zu und arbeitet 5 bis 6 Tage in der Woche von 18.00 Uhr bis 6.00 Uhr früh. Um sich auf seine Rolle vorzubereiten, hat sich de Niro tatsächlich einen Taxischein besorgt und ist in einem Taxi durch New York gedüst. Travis fühlt sich sehr einsam, egal wo er ist, er ist ein Außenseiter. Lediglich seine Kollegen scheinen ihn zu kennen. Man merkt ihm aber sogar beim Kontakt mit jenen an, dass er kein Sozialgenie ist. Er verguckt sich bald in Betsy (Cybill Sheperd), eine Wahlhelferin des Senators Palantine. Sie ist für Travis ein Engel unter dem widerlichen Abschaum, der die Stadt ansonsten bevölkert. Mit beeindruckendem Charme umwirbt er Betsy und kann sie zu einem Rendezvous überreden. Leider ist er bekloppt und hat die blödsinnige Idee, sie in ein Pornokino auszuführen, wo er sich normalerweise gerne die Zeit vertreibt. Daran sieht man wieder seine sozialen Probleme und Betsy gibt ihm folgerichtig den Laufpass. Das zieht ihn noch tiefer in seine unschöne Situation hinein und er beginnt, sich Dinge einzureden. (z.B. dass er beim secret service arbeitet) Eine finale Bestimmung findet er dann darin, die 12-jährige Prosituierte Iris (Jodie Foster) aus ihrem jämmerlichen Dasein zu befreien. Es kommt zum erschütternden Finale. Jodie Foster war zur damaligen Zeit tatsächlich erst 12. Deswegen musste sie in zu anrüchigen Szenen von ihrer volljährigen, gleichgroßen Schwester gedoubled werden.

Taxi Driver war zu seiner Zeit eine Billigproduktion. Scorsese, obwohl er mit seinem Werk sehr zufrieden war, rechnete nicht mit außergewöhnlichem Erfolg. Umso positiver wurde er überrascht, als er feststellte, auf was für eine Begeisterung der Film im Kino stoß. Scorsese hatte übrigens selbst eine kleine Rolle in dem Streifen: Er spielt den betrogenen Ehemann, der sich von Travis zum Apartment fahren lässt, in dem seine Frau ihre Untreue betreibt.

Um den Score rankt sich eine interessante Geschichte. Geschrieben wurde er - er ist wunderschön und passt perfekt zur Stimmung, die der Film vermitteln will - von Bernard Herrmann. Dieser starb einen Tag nach Beendigung seiner Komposition für den "Taxi driver".

Erwähnen will ich noch Harvey Keitel. Er sollte ursprünglich einen Wahlhelfer spielen. Er konnte sich jedoch besser mit dem Zuhälter Sport identifizieren und bat daher darum, diese Rolle spielen zu können. Daraufhin wurde diese Rolle erweitert, ursprünglich sollte der Zuhälter nämlich nur wenige Worte von sich geben.

Taxi driver ist ein guter Film, an dem das Meiste stimmt: Tolle Besetzung, tolle Schauspielerei. Es wird eine tolle Atmosphäre aufgebaut – man kann richtig mit Travis geschundener Seele mitleiden. Die Bilder sind entsprechend weitgehend kühl und lieblos. Die Dialoge sind teilweise recht amüsant, tendieren aber manchmal zu einer unangenehmen Behäbigkeit. Das angeschnittene Thema ist interessant und wird mit der nötigen Seriösität gezeichnet. Wie sich den Produzenten später bestätigte, fühlten sich viele Zuschauer persönlich von der Thematik betroffen und konnten sich so umso besser in die Hauptfigur hineinversetzen. Das einzige Problem des Films ist, dass er für meinen Geschmack zu wenige Elemente beinhaltet. Trotz seiner fast zwei Stunden Laufzeit. Stattdessen werden einige Sequenzen zu sehr gezogen. Dadurch kommt es zu Längen, die ich als sehr störend empfunden habe. Auch die Spannung litt darunter. Ein Beispiel ist das Gespräch mit Wizard, das im Vergleich zu seinem Inhalt eine unangebrachte Länge besitzt.

Gefallen hat mir dafür wieder das Ende. Es ist dramatisch, spart nicht an angebrachter Härte und will gleichzeitig anprangern, dass Verrückte durch Verrücktes auf Titelseiten kommen, was die meisten wahren Helden nie schaffen. Zu diesem Zwecke schnitt sich Travis einen Irokesen, der wieder auf die Veteranenthematik hindeutet, weil sich Soldaten zu bestimmten Einsätzen äußerst spezielle Haarschnitte zulegten. Übrigens hat sich de Niro nicht wirklich diese Frisur zugelegt, es handelt sich um eine Maske. Das musste so sein, da man seine normale Frisur für viel mehr Szenen brauchte.

Fazit: Taxi driver ist zweifellos ein überdurchschnittliches Drama mit guten Schauspielern, gutem Score, interessanter Thematik und furiosem Ende. Daher wären mehr Punkte nicht unbedingt unangebracht. Ich habe jedoch viele Szenen als deutlich zu lang empfunden, was der Spannung schadete und stellenweise Langeweile mit sich brachte. Mit 114 Minuten war der Film für mich zu lang für das, was er darstellt. Also "nur" 7 Punkte von mir. Euer

Don

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