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Robert de Niro spielt einen, unter Schlafstörungen leidenden Vietnam-Veteranen, der in New York eine Stelle als Taxi-Fahrer übernimmt und vorwiegend die Nachtfahrten fährt. Sein Hass richtet sich mehr und mehr gegen das Verbrechen und die Prostitution auf den New-Yorker Straßen und als er schließlich eine minderjährige Prostituierte, gespielt von Jodie Foster, kennen lernt, beschließt er dieser zu helfen, wobei ihm deren Zuhälter, gespielt von Harvey Keitel, im Weg steht.

Ohne Zweifel ist "Taxi Driver" neben "Wie ein wilder Stier" und "Goodfellas" eines der besten Werke von Regie-Legende Martin Scorsese und einer der besten Filme aller Zeiten. Dabei kann Scorseses Werk vor allem durch seine überragende Charakterkonstruktion beeindrucken. Die Hauptfigur lebt förmlich in Widersprüchen, einerseits hasst sie die Zustände und den Dreck in New York, andererseits arbeitet sie in der Metropole und besucht diverse Porno-Kinos, wenn sie nicht einschlafen kann. Sein Hass gegen diese Zustände nimmt über den Film immer weiter zu, bis es schließlich zur Eskalation kommt und auch diese Steigerung ist so vielschichtig und anschaulich verdeutlicht, dass man in der Hauptfigur wie in einem Buch lesen kann und jeden seiner Gedankengänge nachvollziehen kann. Auch die Nebenfiguren sind anschaulich und vielschichtig konstruiert. Neben der guten Charakterkonstruktion beinhaltet die Story aber auch eine gute und verstörende Milieustudie von New York und vor allem von dessen von Gewalt und Prostitution geprägten Nachtleben. Die Handlung als solche ist ebenfalls nicht schlecht. Es gibt einige unvorhersehbare Wendungen und keinen Ansatz Stereotypen, womit die Story von "Taxi Driver" bis heute einzigartig und unerreicht ist.

Nach "Hexenkessel" und "Alice lebt hier nicht mehr" zeigt Martin Scorsese auch bei seiner dritten größeren Regie-Arbeit sein Talent und liefert seinen bisher besten Film ab. Mit erschreckenden Bildern der Elendsviertel von New York und durch einige überaus brutale Szenen, erzielt er eine relativ verstörende Wirkung. Die Kulisse von New York fotografiert er hervorragend und spiegelt durch die Darstellung der wohl gesitteten Gegenden und der Unterwelt von New York die innere Zerrissenheit der Hauptfigur hervorragend wieder, der in keine der beiden Gegenden einzuordnen ist und eine Art Grenzgänger darstellt. Trotz der relativ hohen Brutalität, die 1976 noch großes Aufsehen erregte, wirkt der Film zu keinem Zeitpunkt geschmacklos. Außerdem lässt Scorsese die ganze Zeit über die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und lässt dem Zuschauer somit selbst die Entscheidung, ob er die Reaktion des Taxifahrers für angemessen hält, oder nicht. Allerdings verweilt Scorsese zu lang bei manchen Szenen und hält das Erzähltempo leider stellenweise zu niedrig, sodass der Film trotz seiner genialen Story stellenweise langweilt und neben der hohen Dramatik nur mäßig Spannung aufbaut. Die Atmosphäre ist damit leider auch nicht sonderlich gespannt, da der Film leider temporär ausgebremst wird. Vor allem dem Versuch des Taxifahrers sich an eine Wahlhelferin heranzumachen wird meiner Meinung nach zu viel Laufzeit des Films zugestanden. Scorseses Umsetzung ist zwar genial, er hätte jedoch ein bisschen mehr auf den Unterhaltungswert achten sollen.

Nach "Hexenkessel" spielt Robert de Niro bereits ein zweites Mal unter der Regie von Martin Scorsese und mit "Wie ein wilder Stier", "New York, New York", "Goodfellas" und "Casino" sollten einige, überaus erfolgreiche Zusammenarbeiten folgen. Nach seinem Oscar-Gewinn mit "Der Pate - Teil 2" präsentiert sich der Oscar-Preisträger einmal mehr in überaus stark und spielt seinen überaus komplexen Charakter mit der entsprechenden Hingabe. Er spielt zu jedem Zeitpunkt sehr eindringlich und kann sowohl in den gefühlvollen Szenen, als auch in den überaus brutalen Szenen überzeugen. Jodie Foster, zum Zeitpunkt des Drehs gerade einmal 14 Jahre alt, spielt ebenfalls überzeugend und stellt bereits hier ihr Talent unter Beweis. Bereits hier lässt sich erahnen, welche Karriere die zweifache Oscar-Preisträgerin noch vor sich haben wird. Beide Darsteller wurden für den Oscar nominiert und haben erheblichen Anteil an diesem überaus gelungenen Film. Harvey Keitel, der nach "Hexenkessel" erneut unter der Regie von Scorsese zu sehen ist, spielt in der Rolle des Zuhälters ebenfalls gut, genauso, wie der übrige Cast.

Fazit:
Mit einer hervorragenden Charakterkonstruktion, einer gelungenen Handlung und überragenden Darstellern avancierte "Taxi Driver" zu Recht zu einem der besten Filme aller Zeiten. Leider ist das Werk stellenweise etwas zu langatmig, da Scorsese bei manchen Szenen und Dialogen zu lang verweilt. "Taxi Driver" darf man sich dennoch nicht entgehen lassen.

74%

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