Martin Scorsese („Gangs of New York“, „Cape Fear“) und Robert de Niro („Heat“, „Ronin“) können auf eine beeindruckende, gemeinsame Filmografie, die immerhin Filme wie „Casino“ oder „Cape Fear“ beinhaltet, zurückblicken. „Taxi Driver“ war nach „Mean Streets“ ihre zweite Zusammenarbeit. Inzwischen zum Klassiker avanciert, hat der Film nichts von seiner Qualität eingebüßt.
Scorsese nimmt sich einmal mehr New York vor. Einmal mehr ist es negatives Portrait des „Big Apple“. In der Metropole kommt das Leben nie zur Ruhe. Besonders in den Slums nicht. Hier reagiert die Prostitution, das Drogengeschäft und Gewalt. Das Bild ist geprägt von bedrohlicher Dunkelheit, Schmutz und zwielichtigen Gestalten. Der aus dem Vietnamkrieg heimkehrende Ex-Soldat Travis Bickle (Robert de Niro) findet sich in der „normalen“ Gesellschaft nicht mehr zurecht. Er kann nicht schlafen und deshalb fährt er Nacht für Nacht Taxi, Schicht um Schicht. Er lernt die merkwürdigsten und widerwärtigsten Personen kennen und gerade deshalb ist sein Bild der dort Lebenden so durch und durch schlecht. Ziellos wandelt er durch das Leben. Wie in den im Stil eines Tagebuchs verfassten Monologen klar wird, ist er ein verlorener Charakter auf der Suche nach Liebe, Zuneigung... Beachtung. Seinen Kollegen ist er nicht ganz geheuer. Wenn Travis sie um Rat fragt, antworten sie mit Allerweltsrezepten. Kein Mensch da, der noch wirklich Mensch ist?
Die Lösung alles Übels scheint Betsy (Cybill Shepard) zu heißen. Der schüchterne Travis spricht sie an, tut alles für sie, glaubt in ihr alles zu finden, was er gesucht hat, wird aber letztlich, aufgrund seines fehlenden Feingefühls, enttäuscht. Wie die Kamera sich während des letzten Telefonats mit Betsy dem langen, leeren Flur nähert, ist wohl die wichtigste Einstellung des Films. Endgültig von den Menschen enttäuscht, brennt bei ihm eine Sicherung durch. Er beschließt sich zu rächen. Gibt es denn keine Seele mehr, die seine Liebe verdient? Die 12jährige Prostituierte Iris (die ganz junge Jodie Foster) scheint es wert zu sein...
Robert de Niro ist in seiner Rolle umwerfend. Wie üblich hat er sich intensiv mit seiner Rolle auseinander gesetzt und das spürt das Publikum. Wir wissen nicht was mit ihm in Vietnam passiert ist, aber er ist „anders“ zurück gekehrt und muss sich nun, auf sich allein, gestellt, zurecht finden. Bickle ist kein schlechter Mensch. Nein, er ist unsicher und naiv. Der direkte Weg führt nicht zum Ziel. Man will ihn nicht mehr und das tut weh. Er verliert damit jegliche Hoffnung, wird depressiv und schottet sich ab. Selbst seinen Eltern macht er etwas vor. Sein Problem ist, dass er nur diese von Egoismus angetriebene Gesellschaft kennen gelernt hat. Würde er andere Perspektiven sehen, würde er vielleicht den Ausbruch wagen. So bleibt er im Moloch stecken.
Scorsese Regie war, wohl auch aufgrund des Drehbuchs (Autor: Paul Schrader), für meinen Geschmack etwas zu behäbig. Seine kritische Anprangerung der lasterhaften Gesellschaft wird überdeutlich, aber ich hätte gern etwas mehr über Travis erfahren. Wie sah sein Leben vor dem Krieg aus? Sein Bildungsniveau scheint, höflich ausgedrückt, unterdurchschnittlich zu sein. Zu lange wird sich an New Yorks Nachtleben und seinen Antagonisten festgeklammert, bevor der schmierige Zuhälter Matthew (Genial: Harvey Keitel, „Reservoir Dogs“, „From Dusk Till Dawn“) nebst Iris auftaucht.
Bickles Entwicklung zeichnet sich ab. Spätestens während seines Monolog vor dem Spiegel, muss der Zuschauer erschreckt feststellen, dass er plötzlich in ein anderes, hässliches Gesicht blickt. Bis es zu diesen denkwürdigen Szenen kommt, muss der Film aber kleinere, zugegeben es sind nicht viele, Längen überwinden, in denen kaum etwas vermittelt wird. Insbesondere die Schilderungen zu Beginn sind für meinen Geschmack etwas zu ausführlich.
Fazit:
„Taxi Driver“ ist eine beängstigend realitätsnahe Auseinandersetzung mit der Zeitbombe Mensch. Begleitet von der melancholischen, unvergesslichen Musik Bernard Hermanns schickt uns Scorsese in „sein“ New York. Es ist nicht hübsch, nicht freundlich und schon lange nicht einladend, aber es ist da. Der genial aufspielende Robert de Niro verkörpert einen psychisch geschundenen Außenseiter, der sich nie in der Gesellschaft zurecht gefunden hat und schlussendlich ein Ventil findet. Kein böser Mensch, nur einer, der sich nicht ausdrücken konnte und dank seiner Naivität und fehlenden Menschenkenntnis ausgenutzt worden ist.