Travis Bickle ist ein Vietnam-Veteran, der nachts als Taxifahrer durch New York cruist. Er schläft kaum, ist sozial total awkward und lebt in seiner eigenen Welt, die immer mehr in Richtung Wahnsinn kippt. Die Stadt um ihn herum ist ein Sumpf aus Kriminalität, Prostitution und Korruption, und Travis hat’s satt. Er fixiert sich auf zwei Frauen: Betsy (Cybill Shepherd), eine elegante Wahlkampfhelferin, und Iris (Jodie Foster), eine minderjährige Prostituierte, die er retten will. Der Film ist kein Actionkracher, sondern ein langsames, aber gnadenlos intensives Psychodrama, das dich in Travis’ Kopf zieht – und glaub mir, das ist kein schöner Ort.
Eine der frühen Szenen, die den Ton setzt, ist Travis’ Versuch, Betsy zu daten. Er sieht sie in ihrem Wahlkampfbüro und ist sofort besessen. Im Café versucht er, charmant zu sein, aber es ist so unfassbar unbeholfen, dass du fast mitfühlst. De Niro spielt Travis wie einen Typen, der keine Ahnung hat, wie man mit Menschen redet, aber gleichzeitig diese verzweifelte Sehnsucht ausstrahlt. Die Szene ist cringy, aber auch tragisch – du merkst, dass Travis einfach nicht in diese Welt passt. Als er Betsy später in einen Porno-Kino mitnimmt (ja, echt), ist das der Moment, wo du dir denkst: „Oh Mann, Travis, das war’s.“ Scorsese filmt das alles mit einer Kamera, die dich nah rangehen lässt, ohne dass es aufdringlich wirkt.
Die ikonischste Szene des Films – und vielleicht des ganzen Kinos – ist Travis vor dem Spiegel, wie er mit seiner Knarre übt und „You talkin’ to me?“ in den Raum wirft. De Niro improvisierte diesen Moment, und es ist pure Magie. Du siehst, wie Travis sich in seine eigene Macho-Fantasie reinsteigert, während er innerlich immer weiter abrutscht. Die Kamera bleibt einfach auf ihn gerichtet, und du kannst die Mischung aus Wut, Einsamkeit und Wahnsinn in seinen Augen sehen. Es ist keine Action-Szene, sondern ein intimer Blick in Travis’ Kopf, der zeigt, wie er sich selbst in diesen Vigilanten verwandelt. Gänsehaut, jedes Mal.
Ohne zu viel zu spoilern (obwohl, wer hat den Film noch nicht gesehen?), das Finale ist ein Blutbad, das dich sprachlos zurücklässt. Travis stürmt in ein Bordell, um Iris zu „retten“, und es wird richtig heftig. Scorsese inszeniert die Szene wie einen Albtraum: Die Kamera bewegt sich langsam, die Farben sind grell, und die Gewalt ist roh, aber nicht glorifiziert. Es ist kein „Yeah, Held!“-Moment, sondern ein verzweifelter, chaotischer Ausbruch. De Niro spielt Travis hier wie einen Mann, der keinen Ausweg mehr sieht – und du bist genauso verwirrt und geschockt wie die Figuren um ihn herum. Die Szene bleibt dir im Kopf, weil sie so unangenehm real wirkt.
„Taxi Driver“ ist ein Meisterwerk, das dich packt und nicht mehr loslässt. Scorsese und De Niro schaffen es, dich in die Psyche eines zutiefst gestörten Mannes zu ziehen, ohne dass es jemals billig oder übertrieben wirkt. Szenen wie „You talkin’ to me?“ oder das brutale Finale sind in die Filmgeschichte eingegangen, aber es ist die Atmosphäre – diese Mischung aus Neon, Dreck und Verzweiflung – die den Film so besonders macht. Für mich ist es einer der besten Filme der 70er, wenn nicht aller Zeiten. Aber sei gewarnt: Das ist kein Feelgood-Movie, sondern ein Trip, der dich mitnimmt und danach noch lange beschäftigt.
Tipp: Schau dir den Film nachts allein an, mit Kopfhörern, um die volle Wirkung zu spüren.