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1978: Ein junger Filmstudent und eine Handvoll Freunde drehen in den amerikanischen Wäldern einen Kurzfilm, vorrangig als eine Art Werbeprojekt für mögliche Produzenten eines größeren Spielfilms. Die Story ist ebenso simpel wie die Umsetzung: Vier junge Leute erwecken versehentlich einen rachelüsternen Dämon und werden blutig massakriert. Ob Regisseur Sam Raimi und Darsteller Bruce Campbell da schon ahnten, dass „Within the Woods" der Vorläufer zum furiosen Start ihrer Karriere und zeitlosen Klassiker des Splatterfilms werden könnte - zum Vorläufer von „Tanz der Teufel"?

Man merkt „Within the Woods" in jeder seiner 31 Minuten Laufzeit seine Amateurproduktionsbedinungen an: Die Technik ist simpel und liefert aus heutiger Sicht kaum noch akzeptable Bilder, besonders in den eher dunklen Passagen; die Handlung wirkt abrupt und grobmotorisch, es gibt weder Einleitung, Abschluss noch eine echte dramaturgische Entwicklung; die Darstellerleistungen bleiben mehr als bescheiden, vor allem das panische Gekreische in der zweiten Hälfte kann recht schnell nerven.

Und doch erzeugt schon diese Fassung einen irrsinnigen Spannungssog, der die zweite Filmhälfte zum etwas plumpen, aber fesselnden Horrorstück macht. Das liegt zum einen an dem schon hier genialen Kameraeinsatz: Wie auch später in den „Tanz der Teufel"-Filmen nimmt die Kamera mehrmals die Perspektive der entfesselten Dämonen ein (ein Musterbeispiel dafür, wie man aus finanzieller Not eine künstlerische Tugend machen kann), rast wie von Sinnen durch den Wald, dreht sich, macht Zickzack und verfolgt die panisch fliehende Freundin durch dichtes Unterholz und sumpfiges Gebiet. Später erhebt sie sich aus dem Gras und kommt gnadenlos der panisch an die verschlossene Hüttentür hämmernden Freundin näher. Schon nach dieser grandiosen Sequenz dürfte der Puls des Zuschauers ein Stück weit höher sein.

Stichwort Tür: Im späteren Verlauf des Films spielt sich ein Großteil der Handlung im direkten Umfeld dieser Tür ins Haus ab - ein unerwartetes Auftauchen des dämonisch besessenen Freundes im Türrahmen, der verzweifelte Versuch, eine Leiche aus der Tür zu schieben, um diese vor dem anrückenden Angreifer schließen zu können. Selten, und das meine ich völlig unironisch, habe ich einen derart atemberaubend spannenden Kampf um eine Tür erlebt. Dass dabei einige Genre-Klischees bedient werden (der Angreifer braucht erstaunlich lange, um über die Veranda zur Tür zu kommen, welche wiederum trotz Glasscheibe ganz gut hält), geht durch die grandiose Inszenierung beinahe völlig unter.

Neben dem starken Einsatz der Kamera, die auch schon anfangs bedrückende Bilder des verlassenen Waldes liefert und mit der spärlichen Beleuchtung später eine extrem beklemmende, im wahrsten Sinne dunkle Atmosphäre erzeugt, wirkt vor allem auch die Tonspur nervenzerrend. Ein bizarr-psychedelischer Score und beunruhigend verzerrte Geräuschaufnahmen lassen sehr schnell ein Gefühl der unheimlichen Bedrohung aufkommen. Das mag alles noch nicht ganz rund sein, erreicht aber gerade in seiner Unausgereiftheit eine enorm eindrückliche Wirkung - ebenso wie die extrem grobkörnigen Bilder, die dem Geschehen etwas gruselig Authentisches verleihen.

Mit „Within the Woods" hat Sam Raimi bereits deutlich gezeigt, mit welchem Händchen für Atmosphäre, originelle Inszenierung und derbe Splattereffekte er einen Hardcore-Slasher zu realisieren vermag. Dass es trotzdem noch ein steiniger Weg bis zu seinem Klassiker „Tanz der Teufel" war, mag man angesichts dieser handwerklichen Stärke kaum glauben. Aber zum Glück gibt es diese Meisterwerke ja doch - und als deren Urquelle dürfte „Within the Woods" ein faszinierendes Stück Film für alle Fans sein.

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