„Das Komitee möchte ausdrücklich betonen, dass keine Beweise für eine Verschwörung vorliegen.“
US-Regisseur Alan J. Pakula war als guter Beobachter nah an den Befindlichkeiten der US-amerikanischen Gesellschaft, aber auch an der undurchsichtigen, sich von der Bevölkerung entfremdet habenden Politik dran. Auf dieser Grundlage drehte er die Filme „Klute“, „Zeuge einer Verschwörung“ und „Die Unbestechlichen“, denen gemein ist, politische Verschwörungen zu thematisieren und die deshalb als sog. Paranoia-Trilogie zusammengefasst werden. „Zeuge einer Verschwörung” aus dem Jahre 1974 entstand nach einem Roman Loren Singers, wobei das von David Giler und Lorenzo Semple Jr. verfasste und von Pakula unter Zeitdruck improvisiert vollendete Drehbuch lediglich dessen Grundidee aufgriff.
„Jemand versucht, mich umzubringen...“
Während eines politischen Empfangs wird die Reporterin Lee Carter (Paula Prentiss, „Testament in Blei“) Zeugin, wie ein für die Präsidentschaft kandidierender Senator auf dem Space-Needle-Bauwerk in Seattle erschossen wird. Drei Jahre später berichtet sie dem Journalisten Joe Frady (Warren Beatty, „Bonnie und Clyde“), dass mittlerweile sechs Zeugen jenes Ereignisses tot seien. Sie bezweifelt, dass es sich um natürliche oder Unfalltode handelte, und fürchtet, bald ebenfalls aus dem Weg geräumt zu werden. Frady hält seine mit ihm befreundete Kollegin für paranoid, muss sich nach ihrem baldigen Ableben jedoch eingestehen, dass sie vermutlich Recht hatte. Bei der Recherche nach den Hintergründen und der Suche nach den Tätern gerät er selbst mehrmals in Lebensgefahr und stößt schließlich auf die „Parallax Corporation“, die Bürger rekrutiert, um sie zu Attentätern zu machen. Da er nach einem Anschlag auf seine Person als tot gilt und somit eine gewisse Freiheit genießt, bewirbt er sich bei Parallax, um mehr über das Unternehmen und dessen Methoden in Erfahrung zu bringen…
„Finden Sie sich damit ab, manche Leute wollen eben sterben.“
Sowohl der Originaltitel „The Parallax View“ als auch der Name der Corporation verweisen auf die Verschiebung der eigenen Perspektive, die die Hauptrolle Joe Frady teils ereilt und die er teils selbst vornimmt. Als Zuschauerinnen und Zuschauer folgen wir ihm dabei in diesem Verschwörungs-Thriller, der mit dem Politempfang und dem Attentat auf der Space Needle beginnt, dieses mit einer spektakulären, aber kurzen Verfolgungsjagd des Attentäters aufs Dach des hohen Gebäudes verbindet und dabei noch nicht erahnen lässt, dass er im weiteren Verlauf den einen oder anderen ungewöhnlichen Weg der Präsentation einschlagen wird.
Drei Jahre nach dem Attentat lernen wir Joe als rebellischen Journalisten kennen, der auch schon mal mit der Polizei in Konflikt gerät, wie eine wüste Schlägerei, die er sich mit einem Redneck-Deputy in einer Bar liefert, veranschaulicht. Der Sheriff hingegen scheint zunächst in Ordnung und hilfsbereit zu sein, was sich jedoch bald als Trugschluss erweist: Er will Joe umbringen. Die Verschwörung zieht sich also bin in die Niederungen der Exekutive. Joe sucht und findet den letzten überlebenden Zeugen des Attentats, bis er selbst beinahe bei einem Anschlag sein Leben lässt und fortan als tot gilt. Bis hierhin ist Pakulas Film recht tempo- und actionreich, zudem sehr geradlinig erzählt. Nachdem sich Joe bei der aggressive Wutbürger instrumentalisierenden Parallax Corporation beworben hat, lässt er einen suggestiv-manipulativen Test über sich ergehen, den Pakula in voller, knapp fünfminütiger Länge und ohne jeden Filter 1:1 dem Filmpublikum zeigt. Das ist sehr interessant und provokativ gemacht.
Ungefähr ab diesem Zeitpunkt ändert sich der Stil des Films, indem er immer mehr an Tempo verliert. Die Szenen werden ausgedehnter und inhaltsärmer, die Kameraarbeit distanzierter. Pakulas Intention dürfte gewesen sein, ein Gefühl der Ohnmacht und des Kontrollverlusts des Protagonisten zu vermitteln. Das Finale findet gar in Echtzeit statt und ist wahrlich schwere Kost. Die Aussage des Films stellt zu einer Zeit, in der reihenweise reaktionären Kreisen missliebige Personen der politischen Öffentlichkeit ermordet wurden, die Einzeltätertheorie speziell hinsichtlich der tödlichen Attentats auf John F. Kennedy infrage, welche starken Zweifeln zum Trotz bis heute aufrechterhalten wird. Dazu, wer genau dahintersteckt, äußert sich der Film jedoch bewusst nicht.
Ein starker Film, der die in weiten Teilen der damaligen Bevölkerung schwelende Stimmung aufgreift, bestätigt und verstärkt wiedergibt. Und der einzige mir bekannte Film, in dem eine Pong-Partie gegen einen Schimpansen zu sehen ist!