Filme mit Folterthematik erfreuen sich ja seit dem Erfolg von „Hostel“ größer Beliebtheit. In diesem Fahrwasser schwimmt auch der neuste Streich von Lionsgate: Captivity. Doch nach vernichtenden Kritiken versagte der Streifen vollkommen an den Kinokassen. Da mich so was bekanntlich nicht abschreckt, ich generell auf diese Art von Filmen stehe und „Captivity“ mit Elisha Cuthbert noch mit meiner Lieblingsschauspielerin besetzt ist, sollte eigentlich einem unterhaltsamen Filmabend nichts mehr im Wege stehen.
Story: Jennifer Tree ist ein berühmtes Mädchen und hat alles was man sich nur wünschen kann. Während eines Besuches in einer Disko betäubt und entführt wird. Als Jennifer wieder zu sich kommt denkt sie, sie wäre wieder in ihrer Wohnung. Doch der Schein trügt wie sie schnell merken muss. Denn Jennifer befindet sich in einem Keller eines Psychopathen und der will nur eines: Sie in einem perfiden Spiel leiden sehen. Doch sie muss das Spiel nicht alleine spielen. Denn sie ist nicht die einzige, welche sich im Keller befindet…
Das ist grob die Story vom neusten Folterstreifen aus Hollywood, der ursprünglich gar keiner war. „Captivity“ war erst ein reiner Thriller, mit einigen Schockeffekten über eine entführte Frau in den Händen eines Psychos. Doch nach Fertigstellung des Streifens und den ersten Vorführungen inkl. miserabler Kritiken entschied sich das Studio Lionsgate den Film in eine komplett andere Richtung zu lenken. Angespornt von den Erfolgen von „Hostel“ und Co. ließ man mehrere Folterszenen nachdrehen, entfernte einige Nebenplots, schnitt einige Sachen um und kürzte den Film somit von 90 auf gut 85 Minuten. So ließ man beispielsweise die komplette Ermittlungsarbeit der Polizei auf dem Boden des Schneideraums bis auf die Szenen im Finale als die ermittelnden Polizisten plötzlich vor der Tür der Entführer stehen.
Gelungen sind auf jedenfalls die harten und zum Teil auch innovativen Folter- und Terrorszenen. Während Jennifer eher psychisch fertig gemacht wird indem sie z.B. einen Cocktail aus Ohren, Augen und anderen Körperteilen trinken muss oder entscheiden muss ob sie erschossen werden soll oder ob sie selbst ihren Hund erschießen soll, wird ihr Mitgefangener Gary körperlich in Mitleidenschaft gezogen und verliert im Laufe der Tortur nicht nur einen Zahn. Auch die kurzen, an Snuffclips erinnernden, Videos von vorherigen Opfern verfehlen nicht ihre Wirkung. Als Fan von Elisha Cuthbert tun mir selbstverständlich ihre Folterungen am meisten weh, was „Captivity“ für mich persönlich noch etwas härter macht. Was aber alles nichts daran ändert, dass die Gewaltszenen zum reinen Selbstzweck verkommen, was nicht zuletzt auf die Nachdrehs zurückzuführen ist.
Die größten Schwächen des Filmes sind der Twist und das ellenlange Finale. Den schon für solch einen Film obligatorischen Storytwist erahnt man schon in den ersten 20 – 30 Minuten und man wartet nur darauf die Bestätigung für den sicherlich richtigen Verdacht zu bekommen. Als der endlich eintritt krankt der Film an dem schon erwähnten Finale. Das letzte Drittel zieht sich wie Kaugummi und wirklich Spannung und Atmosphäre will einfach nicht aufkommen. Man wartet schlicht einfach nur noch darauf, dass der Film endlich zu Ende ist. Da kann auch sexy Elisha mit der Wumme in der Hand nichts mehr retten. Mehr gelungen ist dagegen das Ende der Unrated Fassung, in welcher man Elisha später als Racheengel sieht, welche sich an Serienkiller und sonstigen Psychos rächt.
Sowieso ist Elisha Cuthbert das absolute Highlight hier. Auch wenn ihr schauspielerisch nicht viel abverlangt wird, schafft sie es dennoch den Film zu tragen und beweist, dass sie schon mehr kann als einfach nur hübsch auszusehen. Den Part von Gary wird mit Daniel Gillies bestückt, welcher seine Rolle zweckmäßig solide ausfüllt.
Alles in allen ist „Captivty“ nichts mehr als ein netter, aber knapp überdurchschnittlicher B-Film, der seinen großen Vorbildern „Hostel“ und „Saw“ nacheifern will, es aber leider nicht schafft deren Klasse zu erreichen. So bleiben ein paar gute und harte Folterszenen und eine heiße Elisha Cuthbert, der es dem Film zu verdanken hat, dass er einen Punkt nach oben gestuft wird. Somit stehen am Ende knappe 8 Punkte auf der Endabrechnung, was auch das höchste der Gefühle darstellt. Ja, nennt mich einen Fanboy.