"Darum geht es doch, es voraus zu sehen."
Tja, das war in diesem Fall auch nicht sonderlich schwer, Herr Joffé. Ihre strikte Veröffentlichung zur Folterfilmwelle macht es hier wirklich einfach alles voraus zu sehen.
Das Supermodel Jennifer (Elisha Cuthbert) wird in einer Disco betäubt und entführt. Als sie wieder aufwacht findet sie sich in einem Kellerverlies wieder. Ihr unbekannter Peiniger gibt sich allerdings nicht damit zufrieden alles über sie zu wissen und ihr in Form von Videos vorzuspielen, sondern bestraft sie auf verschiedene Arten wenn sie seine Wünsche nicht erfüllt. Nach kurzer Zeit stellt sie fest, dass neben ihrer Zelle der Gefangene Gary (Daniel Gillies) ebenso auf seine Torturen wartet. Beide finden recht schnell zueinander und planen ihre Flucht. Doch Gary hat andere Pläne...
Die Auswürfe der Hostel und SAW Reihe nehmen kein Ende. Auch in "Captivity" wird ordentlich gefoltert und gequält.
Die minimalistische Story kann man nur als Alibi abtun. Noch nicht mal die Charaktere werden eingeführt. Nach bereits 7 Minuten befindet sich die Hauptperson bereits in ihrem Gefängnis und wartet auf ihre Torturen.
Spannung will keine aufkommen, denn die Sympathie zu den Charakteren wird nicht aufgebaut und der Ablauf ist immer wieder der gleiche. Die Personen werden betäubt, durch den unbekannten Entführer gefoltert oder gequält, wieder zurück in ihre Behausung gebracht, diese versuchen zu fliehen, werden betäubt, gefoltert, Flucht, ...
Zumindest bei den Folterungen wird nicht mit Effekten gegeizt. Auf dem Programm steht das verätzen eines Gesichtes, ziehen eines Zahns (selbstverständlich ohne Betäubung) und das äußerst blutige zerschießen eines Hundes. Die Krönung der Ekeleffekte ist ein blutiger Cocktail aus Ohren, Augen und anderen menschlichen Kleinteilen.
Zugute halten kann man die Soundeffekte. Diese sind wirklich gelungen, lassen einen Schauer über den Rücken laufen oder durch Schockeffekte aufschrecken.
Die schmutzige Umgebung unterstreicht die bedrückende, klaustrophobische Atmosphäre.
Leider strotzt der Streifen nur so von Logikfehlern. Egal was den Personen angetan wird, sie sehen immer gut aus. Bei einem Fluchtversuch mit einem Wagen kracht dieser ordentlich gegen einige Tonnen, aber nicht mal ein Kratzer ist zu sehen. Der oben erwähnte Blutcocktail wird zwar nicht mit Genuss verzehrt, schlecht wird es der Gepeinigten aber auch nicht, was bei dieser Menge der Fall sein müsste. Und Geschosse aus einer Schrotflinte auf eine Stahltür hinterlassen zwar sicherlich Dellen aber werden keine Löcher verursachen.
Ganz übel ist die eingebettete Romanze zwischen den beiden gefangenen Hauptpersonen Jennifer und Gary inclusiver Turnübungen auf dem Bett. Ich habe zwar schon vom Stockholm Syndrom gehört, bei welchem eine entführte Person ein positives emotionales Verhältnis zu ihrem Peiniger aufbaut was dazu führen kann, dass sich Täter und Opfer ineinander verlieben. Die im Laufe des Films versuchte Erklärung durch menschliche Abgründe und Mißbrauch im Kindesalter ist für diese Sitaution aber mehr als herangezogen und unglaubwürdig.
Die Schauspieler dienen nur als Hingucker. Eye-Candy Elisha Cuthbert hat zwar visuell einiges zu bieten hängt schauspielerisch aber voll durch. Ebenso Daniel Gillies. Vom später auftretenden Pruitt Taylor Vince, der bereits in Filmen wie "Monster" und "Identität" Erfahrung gesammelt hat, habe ich ebenso mehr erwartet.
Schade eigentlich, vom Thema zwar nichts Neues hätte eine ordentliche Umsetzung, eine längere Laufzeit, bessere Schauspieler, überaschende Wendungen die auch zünden und Charaktere mit denen man mitfiebert wahre Wunder vollbringen können. So passt aber nur sehr wenig in das Gesamtkonzept.
3 / 10