"Captivity" ist eine weitere Schlachtplatte nach dem "Hostel -Konzept". Eigentlich wollte man daraus einen typischen Psychothriller kreieren, doch um mehr Zuschauer zu gewinnen, baute man nachträglich einige Folterszenen ein. Um Kosten zu sparen verlegte man die Dreharbeiten nach Russland. Doch gerade dieses karge Flair steht "Captivity" unheimlich gut. Auch konnte man mit Marco Beltrami einen Profi für den Score gewinnen. Dementsprechend machen die Sounds wirklich Gänsehaut und könnten solch einen Folterfilm nicht besser untermalen. Trotzdem hat Roland Joffés (Vatel, Der Scharlachrote Buchstabe) Horrorthriller keinen besonders guten Ruf in der Horrorszene. Auf jeden Fall ist der einfach konstruierte Plot mit schuldig, aber auch der Vermarkter Lions Gate Films. Man machte den Fans von "Hostel" zuviel Hoffnung mit "Captivity" noch mehr Tabus zu brechen, dabei kann er in Punkto Gore lange nicht mit dem Vorbild mithalten.
Das Model Jennifer Tree (Elisha Cuthbert) wacht in einem dunklen Raum auf. Sie wurde von einem Serienkiller (Pruitt Taylor Vince) gekidnappt und ist nun Gefangene in seinem Folterkeller. Doch sie ist nicht allein, auch Gary (Daniel Gillies) ist schon lange Opfer des Killers. Mit sadistischen Spielen quält er Jennifer und Gary, eine Flucht schlägt fehl. Jennifer weiss, dass dieses Spiel nur mit dem Tod endet.
Da hätten Larry Cohen (Ambulance, Maniac Cop 2") und Anfänger Joseph Tura ein wenig innovativer sein können. Nur gegen Filmende gibt es eine überraschende Wendung, die der Horrorkenner wohl schon erwartet hat. Ansonsten spult man einen zu gängigen Plot hinunter, immerhin mit hohem Tempo. Joffé gönnt dem Zuschauer kaum eine Atempause. Es dauert nicht mal zehn Minuten, schon befindet sich Jennifer im Folterkeller. Dort hat der Killer viele technische Gimmicks eingebaut und alle Räume mit Kameras versehen, eine Flucht ist unmöglich. Das Motiv des Psychopaten bleibt vorerst im Dunkeln und auch am Ende weiss man nicht so recht Bescheid. Wahrscheinlich aus purer Lust, quält er seine Opfer auf der Folterbank, lässt sie brutale Bilder auf der Leinwand sehen, auch wird Jennifer gezwungen ihren eigenen Hund zu erschießen und sie muss einen Cocktail aus zermanschten Eingeweiden trinken. Ständig denkt sich der Killer ein neues Spiel aus, eines ist perverser als das nächste. Hier hatten Cohen und Tura einige Ideen, was die Foltermethoden angeht. Richtig fies ist die Säuredusche, aber die Goreeffekte halten sich in Grenzen, sind dafür sehr gut gemacht. Bis zum harten Finale hält Joffé das hohe Tempo und kann das Geschehen stets spannend halten. Dafür sorgt auch die klaustrophobische Kellerkulisse.
Zusätzlich ist "Captivity" gut besetzt. Keine durchschnittlichen Teeniestars, sondern glaubwürdige Darsteller sind am Werk. Elisha Cuthbert machte schon im Horrorfilm "House of Wax" eine gute Figur, aber als hochnäsiges Model ist sie zu sympatisch. Daniel Gillies (Spiderman 2, Trespassing) verkörpert seinen undurchsichtigen Charakter auch sehr gut, Pruitt Taylor Vince (Identität) muss sein Können leider hinter einer Maske verbergen.
Spannender und temporeicher Horrorthriller mit einigen fiesen Szenen. Neben der gewollt kargen und dreckigen Kulisse, ist auch Beltramis Score gelungen. Zusammen mit den glaubwürdigen Darstellern kann man den 08/15 Plot einigermaßen übertünchen. Leider mangelt es zu sehr an Innovation, aber "Captivity" kristallisiert sich klar aus dem sonstigen Durchschnittshorror heraus.