Ein Review zu schreiben wird wohl in der nahen Zukunft immer komplizierter werden, vor allem, weil Genrefilme, speziell Horror, zunehmend in zwei bis fünf Varianten und Variationen auf den Markt kommen.
Da fängt man schon mal sicherheitshalber mit der Ankündigung über die DVD-Version an, die man gerade bespricht, wohl wissend, daß die Kritik für die Hälfte der Zuschauer überflüssig sein wird, weil sie eine anders geschnittene oder härtere (bzw. softere) Variante zu Gesicht bekommen.
"Captivity" macht es einen Hauch einfacher, indem die Unterschiede nicht nur marginal sind, sondern zwischen den verfügbaren Versionen signifikante Unterschiede in Bezug auf Einordnung und Härtegrad bestehen. Man greift entweder zu der Psychothrillerfassung oder zu einer wegen der aktuellen Mode angepaßten Tortureporn-Fassung, je nach Geschmack.
Da ich Letzteres sowieso für überflüssig und inzwischen totgetreten halte, da sogar die Möglichkeiten für Folterknechte so weit begrenzt sind, daß sich abgenützte Ekelreflexe etwas Neues suchen müssen, also ran an die eigentliche Filmfassung vor der Übertapezierung - schlichtweg ein Entführungsthriller mit einem, wie gern gesehen, angesagten Mäuschen, in diesem Fall das "24"-Schnittchen Elisha Cuthbert, die ihre hübsche Beliebigkeit natürlich auch gern beschäftigen würde, solange man sie noch kennt.
"Captivity" kaut ein gut abgehangenes Sujet erneut durch, die Entführung und Wegsperrung eines Modestars durch einen Unbekannten, der sie im Keller einer Reihe von Psychospielchen und Machtdemonstrationen aussetzt, während draußen ein Grüppchen von Polizisten pflichtgetreu nach dem Täter sucht.
Spannender Standard könnte man denken, nur ist Roland Joffé leider eher der Mann für packende Breitwanddramen (The Mission, The Scarlett Letter) und damit kaum die erste Wahl für ein krachendes Skript von B-Altmeister Larry Cohen. Der wiederum hatte hier auch nicht eben seinen besten Tag, anders kann man sich auch in der eher plotbetonten Softcoreversion die Erklärungsnotstände, Anschlußfehler und Sinnfragen gar nicht erst erklären.
Der Psychopath, der unsere "Jennifer" hier eingekastelt hat, spielt nämlich ein dolles Spiel mit Ängsten und Prüfungen, um sie durch spezielle Phasen der Angst und des Ausgeliefertseins zu führen, ganz nach Bauanleitung. Ich verrate hier nichts Dolles, denn was im Film erst am Schluß offenbart wird (da dann als Bombensache), ist im Film eigentlich überdeutlich, da das Vorgehen des Täters irritierenderweise keinen anderen Schluß zuläßt, weil es sonst noch weniger Sinn machen würde.
Wenn dann noch ein zweiter Gefangener, ein junger Mann dazu kommt und sich im nahezu perfekten Sicherheitssystem unerklärliche Lücken auftun, dann riecht der gewiefte DTV-Ausleiher schon relativ schnell den Braten und erfreut sich schlußendlich eigentlich nur am Motiv und dem damit verbundenen Showdown - nicht zuletzt deswegen wollte man wohl den etwas drögen Keks mit ein paar Foltersequenzen aufwerten, in denen man Menschen wie Tiere quält wie tötet. Die kleinen fiesen Gags, die auch in der Softversion noch enthalten sind, wirken dann auch seltsam inkonsequent, die ganze Idee wie notgedrungen von "Saw" entliehen, nur eben ohne den absichtsvollen Unterbau - was wiederum darin begründet liegt, daß man den Täter ja irre lange geheim halten muß - nur eben, daß die Polizei, als sie denn auf den langjährigen, einmal im Jahr tötenden Täter endlich mal aufmerksam wird, ihn auch recht schnell vor die Linse bekommt - Konsequenz ist nicht eben das stärkste Element in "Captivity".
Frau Cuthbert macht aus dieser Stereotypenrolle dann das Beste, was das löchrige Skript hergibt, die Schauspieler sind recht gut geführt, aber zusammenpassen wollen die Elemente trotzdem alle nicht richtig, das Flickwerkgefühl läßt sich nie ganz abstreifen und die Anstrengung, den Zuschauer unbedingt an der Nase herum führen zu wollen, ist in jeder Minute deutlich spürbar - da muß man schon recht ahnungslos und wenig filmerfahren an die Sache rangehen, um sich in Sachen Spannung noch überraschen zu lassen. Für Abende, an denen sonst gar nichts geht, sonst lieber den eigenen Keller aufräumen. (4/10)