„Verbrennt die Hexe!“
Das Spielfilmdebüt des britischen Regisseurs John Llewellyn Moxey („The Night Stalker“) datiert auf das Jahr 1960 und ist der noch komplett in Schwarzweiß gedrehte Hexen-Horrorfilm „Stadt der Toten“, den er für die Produktionsfirma „Vulcan“ drehte, aus der kurz darauf die berühmte „Amicus“-Filmschmiede hervorging.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wird die Hexe Elizabeth Selwyn in Whitewood auf dem Scheiterhaufen verbrannt, jedoch nicht, ohne dass sie die Dorfbewohner unter irrem Gelächter verfluchen würde. 250 Jahre später referiert Professor Alan Driscoll (Christopher Lee, „Das Dunkel der Nacht“) zum Thema Hexen und geht auf diesen Fall ein. Seiner interessierten Schülerin Nan Barlow (Venetia Stevenson, „Von Panzern überrollt“) empfiehlt er eine Reise nach Whitewood, die diese auch prompt antritt, dort jedoch auf die Reinkarnation der Hexe sowie einen ihr zu Ehren agierenden Kult trifft – und Professor Driscoll ist ein Teil dessen. Die Studentin gerät in akute Lebensgefahr…
„Das Böse hat über das Gute gesiegt!“
Moxeys Hexenhorror gehört noch der ganz alten Schule an, der Hexen als tatsächlich bösartige Frauen und nicht als zu Unrecht von der Kirche verfolgte Opfer darstellt. Dementsprechend fischt er viel im Okkulten und bemüht sich um das passende Gothic-Ambiente, ohne jedoch die Klasse doppelbödiger Genreklassiker zu erreichen – dafür ist er etwas zu einfältig. Der stimmige Prolog, die Rückblende zur Hexenverbrennung, lässt noch eine etwas originellere Handlung erhoffen, doch nach Einführung des prinzipiell immer charismatischen Christopher Lees wird die Marschrichtung relativ schnell deutlich. Ein besonderer Kniff jedoch ist das überraschende Ableben der mutmaßlichen Hauptrolle bereits zur Filmhälfte, wie es im selben Filmjahr auch Hitchcock seiner Protagonistin in „Psycho“ antat.
Kurz nach Nans Tod begeben sich ihr Bruder Richard (Denis Lotis, „Das Schwert des Robin Hood“) und ihr Freund Bill (Tom Naylor, „Ein Spatz in der Hand“) ebenfalls in den verhängnisvollen Ort, um nach ihr zu suchen – und bekommen es gleichermaßen mit dem Hexenkult zu tun. Spätestens hier ist die Spannung dann leider nahezu komplett raus und das „große Finale“, das Bill nach einem überdimensionalen Kruzifix greifen lässt, dessen Anblick die Hexen verbrennen lässt, ist dann B-Movie-Trash in Reinkultur. „Stadt der Toten“ ist somit für Genre-Fans durchaus von Interesse, verblasst aber neben großen Hexenklassikern wie z.B. „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ und wirkt leider etwas uninspiriert und profan.