Regisseur Brian Trenchard-Smith wusste nicht auf was er sich da Anfang der Achtziger Jahre eingelassen hatte. Von einem ambitionierten Actionfilm ging er aus - einem mit aufwendigen Stundszenen und vielen Special Effects. Die Produktionsfirma kappte jedoch kurz vor Drehbeginn massiv das Budget und kürzte die Drehzeit von 44 auf 30 Tage. Trenchard-Smith versuchte rauszuholen was er konnte. Das Ergebnis ist ein Trash-Spektakel, welches vor unfreiwilliger Komik geradezu überschäumt. Der Zuschauer hat dann auch fast den Eindruck es hier mit einer zeittypischen italienischen Billigproduktion zu tun zu haben. Diese Granate des schlechten Geschmacks jedoch, entspringt der Einöde des australischen Outbacks.
Der Originaltitel „Escape 2000" scheint zu suggerieren, dass der Film im Jahre 2000 spielt. Im Trailer ist von 1995 die Rede. Einigen wir uns darauf, dass der Film in einer unbekannten Zukunft, jenseits von 1981 spielt, die für uns schon wieder Vergangenheit ist. Zum Glück Eine, die nie eingetreten ist - oder vielleicht doch..?
Der Vorspan des Films erzählt Bildgewaltig vom Umsturz des Systems, wobei die Nationalität dieses Systems offen bleibt: Hochbewaffnete Polizeitruppen gehen gegen das Volk gewaltsam vor. Hier kommt ein diktatorisches Regime an die Macht und für Andersdenkende ist kein Platz mehr. Andersdenkende finden sich in so genannte Umerziehungslager ein. Hier sollen sie entweder gleichgemacht werden, oder ihr Leben lassen. Das sadistische Lagerpersonal hat allerdings wenig Interesse daran, Irgendjemanden lebendig die Sache hinter sich bringen zu lassen. Der aalglatte Lagerleiter Thatcher (Michael Craig) kann sich rühmen, eines der wenigen Lager dieser Art zu führen, die nicht hoffnungslos überbelegt sind, denn Thatcher bläst zur Menschenjagd. Zum Gaudium sadistisch veranlagter und zahlungswilliger Neureicher, werden Jagdveranstaltungen durchgeführt, in denen die Gefangenen normalerweise nicht den Hauch einer Chance haben. Nun - wer keine Chance hat, muss diese nutzen.... Bis es aber zum großen Showdown kommt, bleibt viel zeit für Grausamkeit und sadistische Spielchen, bei dem sich zu aller erst Lagerkommandant Ritter (Roger Ward) hervortut. Wer den baumlangen, schnurbärtigen Glatzkopf noch aus „Mad Max" in Erinnerung hat, wo er ja Max's Vorgesetzten bei der Polizei spielte, kann sich vielleicht vorstellen, was der Kerl für eine furchterregende Figur in einem Umerziehungslager mit Peitsche und Schlagstock abgibt. Das ist Niemand, den man gern im Dunkeln begegnen möchte. Als er dann zum Spaß, als eine Art Gewaltdemonstration, eine Gefangene, eine relativ kleine, schmächtige Person, totschlägt, ohne mit der Wimper zu zucken, wissen wir auch, dass wir hier keinen Film sehen, der jedermanns Sache ist.
Im Mittelpunkt der Story stehen aber Andere: Paul (Steve Railsback) ist Widerstandskämpfer und wird geschnappt. Mit ihm zusammen kommen die beiden Frauen Chris (Olivia Hussey) und Rita (Lynda Stoner) ins Lager. Während Rita als Hure denunziert wurde, ist Chris nur im Lager, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war. Für alle ist die Menschenjagd, auf die sie sich einlassen, zugleich Todesurteil und letzte Chance in Einem. Auf jeden Fall ist es die letzte Möglichkeit dem jahrelangen Dahinsiechen, einschließlich Demütigungen und Folterungen zu entgehen. So erfolgt dann das große Halali auf der Insel der Verdammten und die Gejagten wissen noch nicht einmal, dass sie auf eine Insel befinden. Die sich selbst überdrüssigen Neureichen preschen mit ihren Al-Terrain-Vehikeln quer durch die Walachei des australischen Buschs und haben die Qual der Wahl, mit welcher Waffe sie ihre nächste Trophäe einheimsen wollen. Mit unbändigen Überlebenswillen rechnet niemand der gehobenen Damen und Herren...
Was sich hier für Trash-, Splatter- und Actionfans verheißungsvoll anhört, ist es auch. Guter alter Schund der Achtziger, völlig sinnfrei, völlig billig und doch sooooo cool. Wer mich jetzt für diese Beurteilung des Films anklagt, sollte sich erstmal den Problembär ansehen - Nein es ist kein Bär, sieht nur so aus und stellte einen Freak dar - eine Missgeburt. Mit gewaltigen Kräften ausgestattet und einem echten Raubtiergebiss, wirkt er wie ein zobiefizierter Winnie Puuh. Dass er mit seinen Kräften gar Grässliches tun kann ist auch klar. Party ist aber, als Paul, den er gerne anknabbern wollte, ihn einen morschen Ast ins Auge jagt und ihn Sekunden später sein Herrchen mit einem kleinen Bagger aus versehen den Unterleib abtrennt - göttlich!
Eineinhalb Stunden Blödsinn - mehr ist „Insel der Verdammten" nicht. Trashkino für wenig Geld. Die Actionszenen wurden trotz des geringen Budgets aber toll arrangiert und die Splatterszenen sahen zuweilen recht eklig aus. Gewalt verherrlichend ist „Insel der Verdammten" auch, wenn man es gerne so sehen möchte. Die Indizierung wertet den Film auf - macht ihn für jugendliche interessanter.
Noch ein Wort zur DVD: Die mir vorliegende Fassung von Cine Club kann ich einfach nur empfehlen. Der Stereo-Ton ist etwas dumpf aber durchaus akzeptabel. Das Bild ist scharf und die Farben sind satt. Kleinere Filmverschmutzungen, Kratzer, etc. sind nicht weiter störend und eigentlich nur im Vorspann vorhanden. Bei den Extras erfährt man hier über diesen kleinen australischen B-Movie-Brüller mehr als man es sich träumen lassen kann. Hier kommen in ausgiebigen Interviews Regisseur und Darsteller zu Wort und dabei gibt es nicht nur Dankesreden, sondern auch erhebliche Kritik an den Begleitumständen des Drehs und der kurzfristigen zeitlichen sowie finanziellen Zurechtstutzung. Damit ist dieses Material weit authentischer und ehrlicher als das übliche Blabla heutiger Produktionen. Sehr gut, dass der Filmfreund die Wahl hat zwischen einer Originalsynchronisation, in der ehemals geschnittene Szenen im Originalton belassen wurden (sogar mit optionalen deutschen Untertiteln) und einer Synchronfassung, in der man diese Szenen deutsch nachsynchronisierte, was dann natürlich wie ein Fremdkörper wirkt.