Ich glaub', ich bin im falschen Film...
Ich habe mir "Insel der Verdammten" nur zugelegt, weil hier einige wirklich vielversprechende Kritiken zu diesem Machwerk des Jahres 1981 zu finden waren, die dem Streifen durchweg Noten im 7er/8er-Bereich zugestehen. Jetzt habe ich ihn mir angesehen und muss sagen... Leute, habe ich den falschen Film gekauft?
Zum Inhalt:
Ein fiktives Regime unterdrückt seine Bürger. Freie Meinungsäußerung, eigenständiges Denken - alles unerwünscht. Warum? Keine Ahnung, wird nicht weiter erläutert, spielt auch keine Rolle. In den ersten Minuten sehen wir, wie zwei der späteren Hauptakteure verhaftet und in ein Umerziehungscamp verfrachtet werden, das berüchtigte "Bloodcamp Thatcher". Hier treffen wir sofort die üblichen stereotypen Sadisten: Den kastrierten (und dennoch notgeilen) Aufseher mit der Peitsche, den glatzköpfigen (sadistischen) Hühnen (Lageraufseher), den rothaarigen Irren mit der Flaschenbodenbrille (Insasse), den coolen, unbeugsamen Blonden (Insasse und Hauptakteur), die dunkelhaarige Schönheit mit den dicken Möpsen (Hauptakteuse), die zu jedwedem Körpereinsatz bereite Blondine (Insassin und Kanonenfutter), den fiesen aber eloquenten Thatcher (Lagerkommandant), den kleinen, fiesen, dickbäuchigen, hässlichen Vorgesetzten (Chef von Thatcher), ein paar sinnlos durch die Gegend laufende weitere Insassen, eine dunkelhaarige, fiese, sadistische Schönheit (schon etwas betagter), sowie einen billigst behaarten und Kontaktlinsen und Melone tragenden Werwolf. So weit, so schlecht.
Die Handlung besteht ansonsten aus den üblichen sadistischen Spielchen der Wärter mit den armen Insassen, einigen nackten Möpsen unter der Dusche, einigen zu Tode Gefolterten und den über TV-Monitore zuguckenden, sadistischen Gästen des Lagerchefs (Zitat: "Ist doch viel besser als Fernsehen"). Einen Grund für irgendwas suchen wir vergebens, es geht hier einfach nur darum, Menschen zu brechen, um sie irgendwann (also nie) wieder in die Gesellschaft eingliedern zu können.
Dann gibt es eine Jagd, dolle Sache das. Jeder Gast Thatchers inklusive ihm selbst, darf einen Gefangenen jagen und töten. Die fünf Gefangenen erhalten einen Vorsprung von 3 Stunden, dann jagt ihm einer seiner Jäger hinterher. Hier lässt der Film jede Menge Einfallsreichtum erkennen: Die fiese ältere Schönheit jagt hoch zu Ross, bewaffnet mit einer Armbrust, der Werwolf und sein Herrchen knattern in einer Mischung aus motorisiertem Rasenmäher, mobilem Flakgeschütz und Schaufelbagger durch die Wildnis, Thatcher persönlich in einem seltsam anmutenden Propellerpritschenwagen... und der Rest zu Fuß.
Nun sollte man annehmen, mit 3 Stunden Vorsprung habe man eine reelle Chance, Weg hinter sich zu bringen bzw. ein Versteck zu finden. Blöd, wenn ein einziger Kameraschwenk regelmäßig ausreicht, um die Verfolger direkt auf den Fersen der Gejagten auftauchen zu lassen. So ist ein Entkommen naturgemäß unmöglich. Man kann als Zuschauer stets sicher sein: Auch wenn den Gejagten eben noch 30 Meilen, ein dicker Fluss und zwei Bergketten von seinen Häschern trennten, eine Minute später rennt er einem von ihnen genau in die Arme. Dieses als Spannung zu bezeichnen fehlt mir einfach der Mut.
Zudem ist es hochinteressant zu beobachten, dass beispielsweise ein in der Hand gehaltener Pfeil der Armbrust ausreicht, das Opfer dermaßen zu bedrohen, dass es sich erst ganz doll foltern und hinterher umbringen lässt. Ohne Gegenwehr versteht sich, denn der Pfeil könnte ja auf wundersame losgehen und einen in die Hand pieksen. Da dann doch lieber freiwillig qualvoll sterben.
Apropos qualvoll: Natürlich bietet uns "Insel der Verdammten" gerade zum Ende eine Menge Splatterei auf höchstem Gummienten-Niveau. Abgehackte Hände, ein in der Mitte durchtrennter Körper, ein ausgestochenes Auge - das kann man Zuhause mit etwas Knete und einer halben Flasche Ketchup kaum schlechter nachbasteln.
Was an diesem Film wirklich Spaß machen kann (nachdem man sich dem Film an sich als Spaßmacher abgeschminkt hat), ist das Verfolgen der Continuity-Fehler. Eben noch einem heftigen Kampf in einem Wasserloch entronnen, lächelt uns der Held einige Sekunden später schon wieder frisch gefönt mit furztrockenem Overall entgegen. Ein Scharfschütze, der sein Opfer eben noch über ein Tal hinweg anvisiert hatte, steht in der nächsten Kameraeinstellung nur noch zweihundert Meter entfernt auf einem Waldweg (kein Wunder, dass diesen Jägern niemand zu entkommen vermag). Auch nett: Der Held läuft auf einem Hügel mitten durch die WIldnis, ist aber zu taub um mitzubekommen, dass nur wenige Meter vor ihm ein Raupenfahrzeug durch das Unterholz bricht. Dieses sieht er natürlich erst, als sich dessen Beifahrer auch schon aus voller Fahrt schwungvoll auf ihn draufplumpsen lässt.
Was ist nun mein Fazit?
Schwachsinnige Story, schlechte Special Effects, miese Schauspieler, erbärmliches Skript, null Spannung, eine Handvoll nackter Möpse... Selten, etwas derartig Schlechtes gesehen. Wie dieser Film von anderen Rezensenten 7 oder 8 Punkte bekommen kann, will mir beim besten Willen nicht einleuchten. Deshalb von mir gegengewichtige 1/10 (weil die lausige Filmmusik immerhin von Brian May stammen soll).
P.S. Nur um mich nicht als völlig humorlos missverstanden zu sehen: Ich bin eigentlich ein Fan von B-Movies und unfreiwilliger Komik, auch miese Special FX schrecken mich normalerweise nicht ab. Aber an diesem Streifen stimmt für mich einfach gar nichts. Sorry, aber selbst unter dem Label Trash kann ich "Insel der Verdammten" absolut nichts abgewinnen. Dafür versucht dieser Film viel zu ernst rüber zu kommen.