Review

kurz angerissen*


Es stimmt wohl – das Kino ist der Quell grenzenloser Inspiration und somit oft auch Startpunkt für ambitionierte Filmemacher, die eine ausgeprägte Vorliebe für spezielle Genres, Filme, Regisseure oder auch Filmepochen pflegen und daher im Kino den idealen Ort für einen Dimensionssprung in die Meta-Ebene ausgemacht haben. Während auf der Leinwand lautes Getöse davon zeugt, dass einer kleinen Runde von Kinobesuchern soeben eine Geschichte erzählt wird, setzt Mariano Baino im Verdauungstrakt des Kinos seine eigene Geschichte auf die Gleise – zwischen den mit Graffiti beschmierten Toiletten, den mit rotem Samt verhangenen Gängen und den Kellerbereichen.

Und kaum baumeln blutige Ketten mit aufgespießten Innereien von der Decke, ist Clive Barker als wichtigste Inspiration abgehakt. Morbide Puppen werden in einer Collage wie bei den Credits der „Chucky“-Fortsetzung mit Seziermesser und Bunsenbrenner bearbeitet, es entsteht eine perverse Lesart von Outsiderkunst, die wohl nur von einem Psychopathen ausgeführt werden kann. Und tatsächlich, schnell finden Slasher- und Giallo-Elemente in die optische und akustische Ausschmückung. Antreibende Synthesizer fordern zur Eile auf, denn der Killer ist bereits unterwegs, angeführt durch eine Egoperspektive, die eine Hand mit einem Messer wie einen Fühler vor sich hält. Wes Cravens „Das Haus der Vergessenen“ kam erst ein Jahr später, sonst hätte man den großen Twist nach zwei Dritteln beinahe auf seine Invasion-Horror-Komödie zurückführen können. Hier bekommt „Caruncula“ dann auch endlich seine tiefere Ebene, wenn Baino plötzlich mit der Rollenverteilung von Wolf und Reh spielt und nach erfolgreicher Enthüllung stets auf der Suche ist nach der menschlichen Unvollkommenheit in der Bestie – nicht ganz ohne einen Hauch von ironischem Humor.


*weitere Informationen: siehe Profil

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