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Ausgehend von dem mehrbändigen Historienroman "Ein Kampf um Rom", nach Felix Dahn, einem zur damaligen Zeit populären Mehrteiler, wurde getreu der Aufgliederung in der Belletristik auch die dazugehörige filmische Adaption geteilt, für zwei Filme hat es gereicht, der Text verkürzt, die Worte reduziert. Teil 1 beschreibt im Wesentlichen die Intrigen, die nach dem Zerfall des Römischen Reiches den eigentlich vertraglich zugesicherten Frieden ins Wanken bringen und erneut einen Kampf um die legendäre Stadt aufbranden lassen, erzählt in etwas über 90min, mehr Bühne als Spektakel, mehr Innen- als Massenszenen:

Das Weströmische Reich ist untergegangen, Italien ist durch die Ostgoten durch König Theoderich dem Großen von Ravenna aus regierend besetzt. Nach seinem Tod übernimmt widerrechtlich seine Tochter Amalaswintha [ Honor Blackman ] die Krone, teilweise unterstützt von den Gotenfürsten, aber sehr zu Unwillen ihrer älteren Schwester Mataswintha [ Harriet Andersson ]. Währenddessen strebt der derzeit amtierende Stadtpräfekt Cethegus [ Laurence Harvey ] ein unabhängiges Italien und damit die Auflösung des bereits über 30 Jahre dauernden Friedens und der Koexistenz der verschiedenen Völker an, wozu er sich in Byzanz über mehrere Wege wie den Minister Narses [ Michael Dunn ], der Kaiserin Theodora [ Sylvia Koscina ] und damit auch dem Kaiser Justinian [ Orson Welles ] Hilfe besorgt, sowohl in Form einer heimlich in Rom aufgebauten Armee von Prätorianern, als auch eine von Byzanz abgesandte Truppe unter Heermeister Belisar [ Lang Jeffries ]. Cethegus selber hat allerdings auch privat Sorgen, hat sich seine Tochter Julia [ Ingrid Brett ] doch in den gotischen Befehlshaber Totila [ Robert Hoffmann ] verliebt.

Teil 2 ist fast eine Viertelstunde kürzer, nur etwa 80min Laufzeit werden veranschlagt für die Fortsetzung und die Auflösung; zusätzlich kommt zu Beginn eine Zusammenfassung bisheriger Ereignisse, der Streit um den Thron, mancherlei Veränderung dieser oder jener Person, ein Dienen auf den Schlachtfeldern oder in den Straßen Roms. Liebe und Hass, Vorsorge und Verrat, die schwerste Stunde schlägt, die Handlung am Brodeln. "Der Verrat" lautet auch der Zusatztitel vom Sequel, knallrot in Großbuchstaben, fast gemalt wie in grellen Blut.

Die Soldaten sind unruhig, man will die Mauern brennen lassen, es wird über die Vergangenheit gesprochen und sie mit anderen Augen, aus der Weisheit der Gegenwart heraus betrachtet. Gespräche rekapitulieren die Lage, sie kommentieren sie, die Situation hat sich geändert, eine andauernde Belagerung steht bevor. Hunger oder Aufgeben und Sklaverei steht zur Option, auf der einen Seite, auf der anderen wird der Angriff beschlossen, nur kurz über Friedensangebote gesprochen. Erneut wird auch ein Krieg der Geschlechter geboten, trägt man das Herz nur selten und wenn überhaupt gespalten auf der Zunge. Ausgetragen wird der schwelende Konflikt und die anhaltende Missstimmung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, mit Pechfässern, mit Balken, mit Feuer, Pfeil und Bogen, mit Lug und Trug und Geiselnahmen, der "Wille Roms ist Befehl und Tod".

Der Beginn der Erzählung hier bleibt konsequenter an einem Ort, wiederholt sich aber öfters, variiert die Ereignisse in einem fort, ein mehrfaches Begehen eines Geheimganges zwischen zwei Stätten, mal zur Mitteilung, mal zur offenen Auseinandersetzung, mal zur heimlichen Überwältigung; zuweilen wirkt die Handlung gedrängt und verkürzt, ohne Rhythmus, dafür im Spurt. Einige Körperlichkeiten werden gezeigt, der Film ist offener in der Präsenz, Hundertschaften zu Fuß und hoch zu Pferde, das Hantieren Katapult, Steinschleuder und Sperr, nun sieht und fühlt man auch das hohe Budget, die Anforderungen von Team und Regisseur. Verschiedene Taktiken in der Schlacht wechseln sich ab mit massiver Stuntarbeit und ausgeprägter Manneskraft, die Wunden und Verluste zahlreich, der Horizont in Flammen.

Und nun begann entlang dem ganzen Lager eine ungeheure und verderbenschwangere Thätigkeit. Die Gotenwachen auf den Zinnen sahen herab, wie die schweren Kolosse, die Maschinen, mit zwanzig bis dreißig Rossen, Kamelen, Eseln, Rindern bespannt, längs den Mauern hingezogen und auf der ganzen Linie verteilt wurden. Besorgt eilten Totila und Uliaris auf die Wälle und suchten, Gegenmaßregeln zu treffen. Säcke mit Erde wurden an den von den Mauerbrechern bedrohten Stellen herabgelassen: Feuerbrände bereit gehalten, die Maschinen, wann sie nahten, in Brand zu stecken; siedendes Wasser, Pfeile und Steine gegen die Bespannung und die Bedienung gerichtet: und schon lachten die Goten der feigen Feinde, als sie bemerkten, wie die Maschinen, weit außer der gewohnten Schußweite und den Belagerten völlig unerreichbar, Halt machten. Aber Totila lachte nicht. Er erschrak, wie die Byzantiner ruhig die Bespannung abschirrten und ihre Maschinen spannten. Noch war kein Geschoß entsandt. »Nun?« spottete der junge Agila neben Totila, »wollen sie uns von da aus beschießen? Doch lieber gleich von Byzanz her übers Meer! Es wäre noch sicherer!« Er hatte noch nicht ausgeredet, als ein vierzigpfündiger Stein ihn und die ganze Zinne, auf der er stand, herunterschmetterte: Martinus hatte die Tragweite der Ballisten verdreifacht. Totila sah ein, daß sie völlig widerstandslos sich von den Feinden mit Geschossen überhageln lassen mußten. Entsetzt sprangen die Goten von den Wällen herab und suchten Schutz in den Straßen, den Häusern, den Kirchen. Vergebens! Tausende und Tausende von Pfeilen, Speeren, schweren Balken, Steinen, Steinkugeln sausten und pfiffen im sichern Bogenschuß auf ihre Köpfe: ganze Felstrümmer kamen geflogen und schlugen krachend durch Holzwerk und Getäfel der festesten Dächer, während im Norden gegen das Kastell unaufhörlich der Sturmbock mit seinen zermürbenden Stößen donnerte. Indes der dichte Hagel der Geschosse buchstäblich die Luft verfinsterte, betäubte das prasselnde Niederfallen der Steine, das brechende Gebälk, die zerschmetterten Zinnen und der Weheschrei der Getroffenen das Ohr mit furchtbarem Lärm. Erschrocken flüchtete die zitternde Bevölkerung in die Keller und Gewölbe ihrer Häuser, Belisar und die Goten um die Wette verfluchend. Aber noch hatte die bebende Stadt das Ärgste nicht erfahren.

Der Vorgänger im Vergleich hierzu als romantisches Geplänkel, zwischen Naivität und Trivialität, der zweite Teil als grobes Gemälde, zwischen Widerstreit und Verderben. Theoretisch hätte man das Werk auch zusammen in einem Rutsch in die Lichtspielhäuser bringen können, Cleopatra (1963) geht fast vier, Ben Hur (1959) seine dreieinhalb Stunden, geteilt in zwei Vorstellungen wirkt es hier niederer als man tatsächlich ist, eine zusätzliche Aufführung als Umschnitt und einteilige Fassung ("Das ganze gewaltige Abenteuer in zwei fesselnden Kinostunden!") um 1976 kürzt das Ganze zusätzlich und macht es fürderhin unrund. Als Projekt schon zur damaligen Zeit ein Nachzügler der einstmaligen, längst versandeten Welle an Monumentalfilmen, noch nach Reinls Zweiteiler Die Nibelungen (1966), mit wenig Einfluss in der Kinolandschaft und wenig Zuspruch beim veränderten Publikum.

Theatralik wurde der Produktion schon bei der ersten Veröffentlichung vorgeworfen, Kostüm, Make-up und Kulisse bemäkelt, heutzutage sind die Bilder auch veraltet wirkend, aber im Nachhinein wahrscheinlich unbefangener und besser zu genießen. Ein Zeitzeugnis, eine Zusammenarbeit verschiedener europäischer Länder, ein Drehbuch in Deutsch, in Englisch, in Italienisch, zusätzlich die Dreharbeiten in und um Bukarest, ein Aufwand, der nicht gescheut wird, aber nicht entgeltet und nicht belohnt. Heutzutage eine Art verlängerter Arm von Der Untergang des Römisches Reiches (1964), welcher schon kein Erfolg mehr war und trotz wesentlich aufsehenerregender Besetzung verspätet.

Interessant wäre eine Ausdehnung eher gewesen, werden rasch auch neue Figuren und ganze Parteien hier eingeführt, plötzlich andere Perspektiven, gerade auch die Problematiken um die Einführung bzw. Erhöhung der Steuer, die hier bloß in einem Satz und zwei Beispielen abgehandelt wird; "Ja, unser Spiel ist zu Ende. Viel früher, als ich angenommen habe." Kurz vor Ende wird noch eine komplizierte Dreiecksbeziehung installiert, zudem gibt es dann auch einige bessere Dialoge, die mancherlei Motivationen und manchmal auch visuelle Auslassversuche klären. Die 3000 Mann starke Statisterie wird zu Beginn und auch final genutzt, erst die Überwindung und Abwehr von Mauern, dann das freie ausgedehnte Feld mit steifen Kämpfen, aber viel Dramatik befüllt; aus Kostengründen die Schlacht in der Gotenschlucht nur aus dem Off erzählt.

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