Nach dem Niedergang des Italowesterns mussten sich natürlich auch ihre Ikonen nach neuen Rollen umschauen und so ergab sich für Franco Nero („Django“, „Keoma“) 1977 die Gelegenheit mit Tonino Valerii („Sie verkaufen den Tod“, „Mein Name ist Nobody“), der vorher bekanntlich in einer späten Phase den Spaghettiwestern mit prägte, zusammenzuarbeiten.
Als Vermessungstechniker für den amerikanischen Ölkonzern IPC verschlägt des ihn zusammen mit drei Kollegen in die gefährliche Wüste Tunesiens, wo lokale Terroristen dem ausbeuterischen Treiben des Wirtschaftsimperiums, hier stets durch ein schwitzendes, übergewichtiges, planloses Dickerchen verkörpert, ein Ende bereiten wollen, indem sie die Ölbohrstätten sabotieren und in die Luft sprengen. Als bei einem Anschlag einer seiner Kollegen knusprig durchbrät und stirbt, fackelt Nero nicht lange, schnappt sich seine beiden Kollegen und nimmt die Verfolgung quer durch die Wüste auf...
Anders als die unzähligen Exploitation-Ausschüsse dieser Zeit, kann man sich „Sahara Cross“ auch ohne Galgenhumor anschauen, was sicherlich vor allem der Kompetenz Valeriis zu verdanken ist. Aus der Geschichte ist ohnehin nicht viel herauszuholen, aber er bettet sie immerhin in das effektiv eingesetzte Wüstenszenario, hält etwas Action bereit und trickst aufgrund der Geldknappheit meist geschickt einiges zurecht.
Der peinlich inszenierte Hubschrauberabsturz ist sein einziger wirklicher Ausfall. Ansonsten gibt es einige schicke Explosionen, einen abstürzenden Bus und den wohl unvergesslichen Kampf zwischen zwei Männern mit Bagger und Radlader!
Riz Ortolanis („Der Tod ritt dienstags“, „Sie verkaufen den Tod“)) stimmiges Titelthema passt zur staubigen Wüste, aber ich hatte ein wenig den Eindruck er hat wirklich nur dieses Stück für den Film geschrieben und dann immer wieder eingesetzt. Muss man ihm auch irgendwo nachsehen, denn komponiert wurde in Italien zu dieser Zeit genau wie gefilmt – am Fließband.
Klarer Pluspunkt des Films ist natürlich der sonnenbebrillte, enorm coole Franco Nero, der schelmisch die Poker-Tricks des Italo-Westerns wieder aufleben lässt, von dort auch seine fast schon manischen, ständigen Streichholz-Anreißszenen mitbringt (siehe u.a. „Mercenario – Der Gefürchtete“), eine scharfe Panzer-Mine aus dem Zweiten Weltkrieg durch die Gegend wirft, für ein Schäferstündchen auch schon mal der Frau eins vorlügt und in einer witzigen Sequenz in seinem Zimmer eine Fliege zur Strecke zu bringen versucht, während sein Partner nur trocken meint, dass man in der Wüste schon verrückt werden kann. „Sahara Cross“ nimmt sich also nicht so schrecklich ernst, obwohl noch mehr Selbstironie dem Film besser gestanden hätte.
Die Hatz durch die Wüste ergibt sich zwar nicht der Monotonie, wird während ihres Verlauf allerdings etwas einfältig heruntergespult. Die Probleme der Jäger und Gejagten werden meist unspektakulär und selten verlustreich gelöst, so dass der Spannungsbogen merklich verflacht. Selbst als sie fernab vom Schuss sich völlig verfransen, geht kein Muffensausen um. Enorm abgebrüht, bleiben sie alle, obwohl der Tod schon anklopft.
Der Sinneswandel von Nero und seinen Kumpanen nach einer Irrfahrt durch die Wüste letztlich doch die zwischenzeitlich eingefangenen Terroristen zu unterstützen, stößt dann auf Unverständnis, zog man doch los, um den Tod des Freundes zu rächen. Diese Entwicklung erklärt der Film nie wirklich, auch wenn die eigene Habsucht als Antrieb mit dahinter stecken könnte, was allerdings auch erst in den letzten Filmminuten deutlich wird.
Das sich an die durstige Rückkehr aus der Wüste anschließende und den Film damit auch abschließende Geiseldrama auf dem Flughafen wird flott und leider auch wieder viel zu schnörkellos ohne weiteren Probleme beendet, so dass der Zuschauer zumindest nicht ellenlang auf die Folter gespannt wird, warum das Trio letztlich so handelte.
Auch aufgrund der soweit glaubwürdigen Inszenierung, aus denen sich ausgerechnet die eigentlich am Rande stattfindenden, nächtlichen Anschläge auf die IPC-Institutionen einen guten Eindruck hinterlassen, kann man bei „Sahara Cross“ von einem soliden Beitrag jenseits von Gut und Böse schreiben. Da gibt es doch viel schlimmere Filme aus dieser Zeit.
Die Geschichte kümmert sich wenig um komplexe Verwicklungen und bleibt stets schön simpel bei Nero, seinen beiden Kumpanen und deren beiden Gefangenen, wobei die zwischenmenschlichen Beziehungen auf ein Minimum begrenzt werden, weswegen „Sahara Cross“ auch ohne Murren als oberflächliches Produkt durchgeht.
Auch mit Spannung schien es Valerii nicht so zu haben, bieten sich doch einige Szenen für Nervenkitzel und Dramatik dank der Extremsituationen doch geradezu an. Aber die Vorgabe dürfte ohnehin gelautet haben „So schnell wie möglich und so günstig wie möglich“. Deswegen fällt es auch nicht schwer nachzuvollziehen, dass niemand der Beteiligten hier sein gesamtes Herzblut reinpumpte.
Fazit:
„Sahara Cross“ ist summa summarum ein solider Vertreter des italienischen Kinos der Siebziger mit dezentem Flair, aber dafür ohne Ambitionen. Doch wer erwartet hier auch schon treffsichere Charakteranalysen und politische Statements?
Franco Nero ist wie fast immer eine Bank und das staubtrockene Szenario wurde optisch ordentlich umgesetzt. Die Einfallslosigkeit des linearen Verlaufs ohne nennenswerte Szenen (Mal abgesehen vom Baufahrzeug-Fight) und echte Spannung trüben den Spaß aber schon, wobei eine hoffnungslose Irrfahrt durch die Wüste sich doch eigentlich prima mit dicker Luft füllen ließe. Naja, immer noch passabel unterhaltend, mit soliden Actionszenen, die vorwiegend aus Explosionen und Schießereien mit Maschinengewehren bestehen, und einem überraschenden, wenn auch wenig glaubwürdigen Schluss.