Review

Nach dem vielgerühmten Grusel- und Kassenerfolg und seiner Fortsetzung (sowie einer weiteren Fortsetzung, die komplett unter die Räder kam: The Spiral) nun also: The Prequel!
Betitelt ist diese Vorgeschichte rund um die unheimliche Figur des Mädchens Sadako mit "Ring 0 - Birthday" und gottseidank wird keine Teenagergeschichte daraus. Stattdessen orientiert sich der Plot, der eng mit den ersten beiden Ring-Filmen verbunden ist, vielmehr an Stephen Kings "Carrie", denn da sind einige Ähnlichkeiten auszumachen.

Die Story blendet 30 Jahre zurück und beleuchtet die Figur Sadako näher und zwar von ihrem Versuch, mittels einer Mitarbeit bei einer Theatergruppe in die Gesellschaft der Menschen hineinzuwachsen. Deswegen hat der Film auch seine Daseinsberechtigung, denn alles was man von dem Film vor Beginn weiß, ist sein Ende: nämlich daß das Mädchen in dem besagten Brunnen landen wird, von wo der Fluch seinen Ausgang nehmen wird.

Wer sich jetzt jedoch Antworten auf alle seine Fragen aus den Vorgängern erwartet, der steht auch weiterhin im Regen. Es hagelt mystische Andeutungen und Prophezeiungen, das Meer spielt eine unheimliche Rolle und wer der wahre Vater des Mädchens ist, wird auch hier wieder nicht geklärt.
Einblick erhält man aber in die tragische Figur des Mädchens und seiner geteilten Seele (die einzige wirkliche Erkenntnis aus "Ring 0"), die in der Lage ist, Geister zu sehen und von unheimlichen Wesen verfolgt und/oder beschützt wird, die nicht von dieser Welt sind.

Mißgunst, Neid oder Agressivität gegenüber dem medikamentös behandelten Mädchen führen unweigerlich zum Tod mittels der schon bekannten geheimnisvollen Figur mit den vor dem Gesicht hängenden Haaren, die bisher immer mit Sadako gleichgesetzt wurde, die hier aber eher eine autarke zweite Hälfte ihrer Existenz darstellt.
Die weiteren Zutaten sind deshalb wieder vorhanden: eine morbide Akustik, die nackten Füße des Geistermädchens, grotesk starrende Tote, der Fluch, visualisiert durch Fotoaufnahmen.

Durch den Tod einer Schauspielerin an die Hauptrolle geraten, gerät der Regisseur in den Strudel des Todes, der schon Sadakos Mutter kannte. Ein ihr zugetaner Toningenieur und seine angstvolle Kollegin bilden die menschelnden Gegenpole, ihr behandelnder Arzt gerät in den Strudel, der von einer Journalistin mitangerührt wird, die klären will, warum alle Beteiligten an der Entlarvung von Sadakos Mutter und Adoptivvater inzwischen verstorben sind.
Dabei kippen Sympathiefiguren baldigst vornüber, wenn es die Dringlichkeit erfordert, Unkenntnis und Mißverständnisse bringen die Katastrophe ins Rollen.

Von einigen atmosphärischen Gruselszenen zu Beginn (der Film atmet jedoch wieder diese endlose japanische Gelassenheit, die man fast mit Monotonie übersetzen könnte), driftet der Film schließlich zu einem dramatischen Höhepunkt bei der Theaterpremiere, der an Kings Klassiker erinnert.
Daraufhin folgt dann die für den Zuschauer äußerst anschauliche "Werdung" des Sadakowesens in der Wildnis mit dem Brunnen, bei der radikal Schluß gemacht wird mit der Theorie, daß ja irgendjemand einen Film überleben muß, nur weil er gute Absichten hat.

Stimmiger Grusel mischt sich so mit reichlich unwirklichem Horror, bisweilen in Terror überkippend und die finalen Szenen rund um Brunnen und Haus haben es wirklich in sich, wenn man sich darauf einläßt. Erstmals sieht man hier auch Beteiligte am Fluch sterben, wenn auch nicht geklärt wird, wie das geschieht.
"Ring 0" ist stimmig, kribblig und gnadenlos und deswegen folgerichtig zum ersten Teil passend (und größtenteils auch zum zweiten Teil). Bis dahin eine Filmserie ohne Aussetzer: 8/10

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