Spätestens seit dem gelungenen amerikanischen Remake der Ringsaga ist das japanische Horrorspektakel in aller Munde. Nicht ganz zu Unrecht, denn sowohl Original als auch Neuverfilmung können sich sehen lassen. Dass da ein zweiter Teil nicht lange auf sich warten ließ ist nur natürlich - und den Abschluss der Reihe macht nun das Prequel namens "Ring 0 - The Birthday", welches sich zur Aufgabe gemacht hat, die Entstehungsgeschichte des mysteriösen Videos zu erklären.
Sadako, eine schüchterne und äußerst ruhige junge Erwachsene zieht nach Tokio und schließt sich dort einer Dramagruppe an. Von nun an haben die Theaterleute alle den selben komischen Traum um ein altes Haus und einen Brunnen, an dem ein grausamer Mord geschieht. Sie haben Visionen von einem kleinen, gespenstischen Mädchen - und nur kurze Zeit später geschehen bei den Proben für das neuste Stück mysteriöse Dinge. Als parallel dazu eine Journalistin über Sadakos Mutter ermittelt und im Theater Nachforschungen anstellt, gibt es erste unerklärliche Todesfälle zu beklagen. Alle vermuten, dass irgendwie Sadako hinter all diesen Zwischenfällen steckt.
Der Anfang des Films ist stimmig. 30 Jahre nach der eigentlichen Geschichte angesiedelt, sieht man ein Teenagermädchen mit Handy telefonieren. Sie erzählt von dem Video und dem grauenvollen Traum, unter dem auch sämtliche Theaterleute leiden müssen. Dieser wird dem Zuschauer durch effektvolle und klaustrophobisch-düstere Bilder gezeigt. Dann setzt die eigentliche Handlung des Streifens ein. Auch die darauffolgende halbe Stunde des Films baut eine beklemmende und geheimnisvolle Atmosphäre auf. Immer wieder vermischt sich die Realität mit horrorartigen Traumsequenzen und absurden und verstörten Bildern. Der Zuschauer weiß noch nicht recht, was all das soll und verfolgt das Geschehen deshalb ziemlich gebannt. Aufgetischt werden Szenen, die aus den anderen Teilen so ähnlich vielleicht schon bekannt, aber dennoch originell sind.
Leider verpufft die beklemmend-psychotische Atmosphäre im Laufe der Zeit und gen Mitte fängt der Film das Bröckeln an. Die Geschichte bleibt zwar spannend und nimmt in Sachen Brutalität sogar noch zu, aber leider geht auch ordentlich Plausiblität verloren. Zum Schluss kommt dann alles viel zu schnell. Hastige Sprünge, zu schnelle Erzählzeit, manchmal recht skurriles Verhalten der Charaktere - schade eigentlich, denn dabei hat doch alles so gut begonnen. Die Schluß-Viertelstunde legt actionmäßig noch einmal richtig zu und kann dabei mehr durch Spannung und terrorartige Psychoattacken, als durch Logik überzeugen. Allgemein sollte man bei diesem Film ziemlich gut aufpassen, denn nur zu leicht verliert man sich in den komplexen Zusammenhängen. Schlecht oder unanschaubar wird der Streifen allerdings zum Glück nie, man muß sich einfach nur damit anfreunden, dass nicht alles, was passiert, auch wirklich erklärbar ist.
Die von vielen angemängelte Langatmigkeit konnte ich ehrlich gesagt nicht verspüren. Vielmehr begeistert der Film durch seine extraordinären Kamerafahrten, die manchmal ins Staunen versetzen. Das Regie- und Kamerawerk ist, wenn man einige schräge Cuts oder Szenen ausläßt, prima gelungen und sorgt für die richtige Stimmung. Am Drehbuch hätte man bei bestimmten Stellen noch feilen können, auch einige Dialoge wirken platt und künstlich. Die Darsteller geben ihr Bestes, doch leider wirkt eine Vielzahl jener etwas arg durchschnittlich und kann nicht immer überzeugen. Die Performance der Sadako-Darstellerin Yukie Nakama geht hingehen wieder voll in Ordnung.
"Ring 0" ist insgesamt gesehen ein ordentlicher Horrorfilm, der nahtlos in die Serie passt und für Fans auf jeden Fall ein Muß ist. Das Niveau des Originals wird leider nicht erreicht und kleine Mängel und Unplausiblitäten stören das positive Gesamtbild. Wer denkt, hier alle Antworten auf seine Ring-Fragen zu bekommen, liegt leider komplett falsch. Das Finale des Films überrennt sich förmlich, es wirkt überladen und hinterläßt somit mehr Fragen als Antworten. Trotzdem noch 7 Punkte für eine teilweise hervorragende und äußerst stimmige Atmosphäre und eine schaurig-gute erste halbe Stunde. Ordentlich und auf jeden Fall besser als Teil 2, aber kein Meisterwerk.