Mario Bava hat in meiner Cineastenlaufbahn bisher eher eine Nebenrolle gespielt, die durchaus gemischte Gefühle in mir weckte: während ich seine Western als öde und einfallslos empfand und mir der schicke, aber doch etwas zähe "Drei Gesichter der Furcht" nur halb zu überzeugen wusste hat mich "Im Blutrausch des Satans" wiederrum total aus den Latschen gehauen. Und trotz der Schandflecken, die auch durchaus an seinem Oevre kleben war Bava schon ein großer Künstler, als man Argento und Fulci noch fleißig als Schundfilmer bespuckte. Höchste Zeit also, das Werk dieses Mannes so gut wie möglich nachzuholen. Begonnen habe ich mit "Planet der Vampire", weil mir gerade weder nach Giallo noch nach klassischem Grusel war.
In welcher verkehrten Welt bin ich denn jetzt gelandet? Ich bin es ja gewohnt, dass italienische Genreregisseure auf Inspirationssuche eine äußerst ähem... liberale Haltung gegenüber fremden Drehbüchern nachgesagt wird. Dass scheinbar von Kritikerseite im Bezug auf "Planet der Vampire" das Pferd mal anders aufgesattelt und diese Mario Bava-Weltraumoper von einigen Quellen zu einer Art Proto-"Alien" erklärt wurde ist vielleicht nicht neu, aber immer noch eine erfrischende Anekdote im Einerlei vermeidliche Diebstahlgeruchte, die durch oft massive Skriptunterschiede dann doch meist mühelos entkräftbar sind.
So auch hier: ja, auch in Bavas Film stößt die Mannschaft um Kapitän Markary auf außerirdische Lebens - und Sterbensformen, aber recht spät im Film, während bis dahin erst mal die Crew des Nachbarschiffes versterben und wieder dem Grab entschleichen und entsprechend Zores machen darf. Und selbst davor haut sich die Mann- und Frauschaft der Argos erst mal gegenseitig halb die Schädel ein, um nachher erschrocken des Einflusses der körperlosen Planeteninhabitanten und - onkel gewahr zu werden. Deren einziges Ziel: dem sterbenden Planeten Aura entkommen, koste es, was es wolle.
Als Betrachter ist mir schon klar, worauf der Alien-Rückschluss basiert: das Handlungsgerüst des Filmes ähnelt den von Ridley Scotts und Dan O'Bannons Meisterwerk frappierend, vor allem in jener Sequenz, in der Markary und Assistentin Sanya die Ruinen eines Gestrandeten Schiffes untersuchen und dabei auf riesige Skellete mit verdächtig großen Schädel und im Hintergrund sogar auf fagehuggerahnliche Knochenreste stoßen. Ansonsten hat man es hier aber tatsächlich mit Gegenspielern zu tun, die sich durchaus zu artikulieren wissen statt gegen nahezu perfekte, aber unkommunikativeKillermaschinen auszudrücken.
Über den Film mag ich eigentlich nicht so recht rumflapsen, denn alles, was bei minderwertigen Sci - Fi-Produktionen jener Zeit albern wirkt kommt hier edel rüber: verdammt, hier sind ja sogar die Spinnweben optisch ansprechend plaziert! Gut, das ist vielleicht doch übertrieben formuliert aber mal ehrlich: Raumschiff, Uniformen, Planetenoberfläche und Wrackteile mögen in manchen Zuschauern die Assoziation an Volkstheater wecken und den Drang auslösen, mit spackigen Bewegungen und "Beep boop!" - Rufen vor dem Fernseher auf - und abzustapfen, ich hingegen kann trotz dieses Dranges die Arbeit von Setdesigner Giorgio Giovanninni durchaus schätzen, was ebenfalls für die Kamerafuhrung Antonio Rinaldis gilt, der dafür sorgt, dass man jedes zweite Standbild des Filmes einrahmen und damit die Wand jeder Cineastenwohnung oder zumindest drittklassigen Hipsterbude optisch massiv aufwerten kann. Die Story selbst, die auf einer Geschichte eines Herren namens Renate Pestriniero basiert ist dagegen relativ schmucklos und unoriginell, aber bis in dem dünnen Skript wieder irgendwas interessantes passiert kann unsereins sich an den Kulissen sattsehen und in poppigen 69er- Nostalgie schwelgen. Zumindest, wer die 60er selbst erlebte. Was ich leider nicht tat. Und dennoch erweckten das Blinken und Schrillen, der knall unter Nebel des sterbenden Planeten und die retrofuturistischen Formen der Raumschiffgerätschaften in mir eine Art Sense of Wonder, die die Alien - Filme eher zu vermeiden zu versuchen. Aber gut, der Film soll ja auch bewusst das Genre demystifizieren.
"Planet der Vampire" ist ein durchaus interessanter Film, der manchmal etwas lang im Zahn ist. Der größte Fehler, den man machen kann ist offensichtlich den weitaus flotteren deutschen Kinotrailer vor dem Film zu schauen, da der weitaus ereignisreiche wirkt, als der Film es ist. Unter dem Motto "Mürbe im Weltall" spielt er mit den Geistern seiner ProtagonistInnen, die schon bald eine beinahe philosophische Sehnsucht nach etwas im wahrsten Sinne des Wortes greifbares auf der Einöde Auras anzutreffen. Meine Neugier auf Bava hat er geweckt und für ein Relikt aus der Zeit, als Science Fiction noch weit weniger kritische Anerkennungnerfuhr als dieser Tage ist er durchaus ansehnlich: Bava hat das Feeling alter Gothicgrusler 1 zu 1 in den Weltraum übertragen. Daher bin ich nun umso gespannter, was mich in Sachen Mario Bava noch in den unendlichen Weiten der Italogalaxis erwartet.