Review

Eines muss man Wrestling-Guru Vince McMahon lassen. Er ist verdammt hartnäckig und lässt sich nicht so leicht entmutigen, selbst wenn seine bisweilen kühnen Geschäftsideen als finanzielles Desaster enden. Obwohl die Versuche seine prominenten Wrestler (The Rock, John Cena, Kane) als neue Action- bzw. Horrorstars in den Kinos zu etablieren nun schon reihenweise gescheitert sind, gibt der erfolgreiche Geschäftsmann nicht klein bei und erlebte mit „The Condemned“ prompt die nächste Bruchlandung an den Kinokassen. Ganz ehrlich, im Kino hat dieser Streifen auch nie etwas zu suchen gehabt.
Regisseur Scott Wiper, der vor einigen Jahren mit „A Better Way to Die“ unter Genrefans als vielversprechender Filmemacher auf sich aufmerksam machte, dann aber über Jahre hinweg in der Versenkung verschwand, feiert nach langer Abstinenz nun sein Comeback mit einer banalisierten Version von „Battle Royale“.

Ein windiger TV-Produzent karrt hierfür aus den schmierigsten Gefängnissen aller Herren Länder 10 der unsympathischsten Todeskandidaten auf eine abgelegene Pazifikinsel, die an allen Ecken und Enden mit Kameras bestückt wird. Ihre Aufgabe ist denkbar simpel: Töte die anderen Neun innerhalb von 30 Stunden. Wer als Letzter noch steht, dem winkt die Freiheit und ein fürstliches Sümmchen als Aufwandsentschädigung. In Erwartung des großen Reibachs wird das illegale Spektakel derweil als kostenpflichtiger Livestream ins Internet übertragen. Es dauert gar nicht lange, bis der Counter zu explodieren droht.

Obwohl „The Condemned“ inklusive des furchtbar schlechten Drehbuchs und unzähliger Klischees erfreulicherweise eigentlich alle Ingredenzien eines reißerisches B-Movies mitbringt, will keine richtige Stimmung aufkommen. Das liegt zum einen daran, dass die Macher es sich in den Kopf gesetzt haben ihren Kokolores mit einem Hauch Anspruch zu lackieren, der für den hartgesottenen Zuschauer schließlich darin gipfelt einige ziemlich peinliche Dialoge zum Thema Gesellschafts- / Medienkritik ertragen zu müssen, und zum anderen daran, dass die Prämisse leider weitestgehend verschenkt wird. Wer darauf hofft, dass sich hier 90 Minuten lang in einer Tour Muskelprotze die Kanne blank hauen, mit groben Kalibern den Urwald roden und vor haushohen Explosionen in Zeitlupe gemütlich hinter die nächste Palme stiefeln, wird ziemlich enttäuscht sein.

Dabei hat Scott Wiper die Angelegenheit weitestgehend in Griff und weist sich durchaus als fähiger Regisseur aus, der weiß, worauf es letztlich ankommt. Mal sind seine Bilder dreckig und grobkörnig, dann wieder auf Hochglanz poliert, die Insel könnte mit ihrem traumhaften Strand und dem undurchdringlichen Dschungel als Kulisse für die perverse Reality-Show auch kaum besser gewählt sein, nur an der Action hapert es irgendwie qualitativ als auch quantitiv.
Denn anstatt den Hünen möglichst viel Spielraum zu gewähren, wenn sie sich kurz und klein schlagen, werden solche Konfrontationen meist nur kurz in leider ziemlich unübersichtlichen Schnittfolgen abgehandelt. Viel mehr Spaß scheint Wiper an Vergewaltigungen, Gewalt an Frauen, Qual und Foltereinlagen zu haben. Diesen Szenen widmet er leider viel mehr Aufmerksamkeit als dem Film gut tut. Ich persönlich brauche so etwas in auf Unterhaltung getrimmten Filmen nicht, es ließ sich hier aber kaum vermeiden, weil Vinnie Jones („Gone in Sixty Seconds“, „X-Men: The Last Stand“) als britischer Psychopath mit Inselkoller mal wieder kurz vor dem Überkochen steht und seiner sadistischen Ader freien Lauf lassen muss, bevor er vollends austickt.
Sicherlich gibt es zwischendurch auch „normale“ Action, aber weder ist sie in der ersten Hälfte besonders häufig, noch ist sie besonders gut inszeniert. Erst zum Ende hin, wenn Sympathieträger Steve Austin aktiver ins Geschehen eingreift, werden die Kämpfe besser und dauern auch länger. Sein Fight mit Koloss Nathan Jones („Revenge of the Warrior“, „Fearless“) hält übrigens nicht, was man sich als Zuschauer von so einem Zusammentreffen eigentlich verspricht.

Dabei kann Austin einem angesichts der ungenutzten Möglichkeiten wirklich Leid tun, weil er so ziemlich alle Attribute für einen altmodischen Action-Recken mitbringt und bereits früh in einer saucoolen Szene vorgestellt wird, insgesamt aber mehr zu tun haben könnte. Mit ein paar Onelinern, seinem stoischen Blick und einer beängstigenden Ruhe stapft er über die Insel, ohne den nächstbesten Mitspieler gleich zu massakrieren. Wer ihm nicht aus dem Weg geht, erhält allerdings prompt die tödliche Quittung. Natürlich wurde er zu Unrecht verurteilt, von einigen Schreibtischtätern im Stich gelassen und vergessen und hat zu Hause Frau & Kind, die auf ihn warten. Gerade bei seiner Figur stapeln sich die Klischees bis in die Palmenspitzen, ich mag sowas aber. In einer ultrakitschigen Sequenz ruft er später von der Insel aus bei seiner Familien an, die ihn schon für Tod hält und weist sie an seine finanziellen Rücklagen abzuheben. Auch wenn schauspielerisch nicht viel rüberkommt, wäre der Mann als besonnener Action-Star prädestiniert.

Immerhin sein R-Rating trägt der Film zurecht, weil die blutigen Actionsequenzen hübsch kompromisslos gefilmt worden sind, das Blut ordentlich suppt und sich wie erwähnt bisweilen unangenehm sadistische Tendenzen entwickeln, die nicht jedem Zuschauer schmecken werden.
Viel zu lang ist der Film mit 105 Minuten netto dann trotzdem, weil man diesen Stoff auch locker in anderthalb Stunden erzählen könnte, wenn man auf die enervierende Einleitung von fast 30 Minuten verzichten würde. Ein paar coole Tracks wie „Black Betty“, „Smack my Bitch up“ oder Nickelbacks „Savin' Me“ sorgen immer wieder für musikalische Unterstützung, reißen aber auch keine Szenen an sich.

Hat man die zu lange Einleitung aber überstanden, kann man sich immerhin an hübsch klischeereichen Figuren (ein deutschsprechender Nazi gehört auch zu den Auserwählten), schwarzem Humor und regelmäßiger, wenn auch nicht übermäßig gut inszenierter Action erfreuen, während die lächerlichen Stippvisiten ins Kommando-Lager beziehungsweise nach Amerika den Film ständig runterziehen, bis das Unterhaltungskonzept final komplett aus dem Ruder läuft und das große Chaos ausbricht.


Fazit:
B-Action-Fans werden auf ihre Kosten kommen, alle anderen wird das große Grausen packen. „The Condemned“ bringt inklusive der unabdingbaren Klischees eigentlich alle Fähigkeiten für einen unterhaltsamen, unfreiwillig komischen No-Brainer mit sich, verzettelt sich nur leider öfters. Es bleibt unverständlich, warum man aus der Prämisse keinen straighten Actionfilm von 90 Minuten ohne lange Einleitung und überflüssige Schauplätze gemacht hat. Dann hätte der Film sicherlich sein Publikum gefunden.
Ich finde „The Condemned“ letztlich trotz allem noch recht sympathisch, weine allerdings genauso der verpassten Möglichkeiten hinterher. Solch einen Nonsens bekommt man immerhin nicht alle Tage geboten.
Steve Austin empfiehlt sich im Gegensatz zu Kollege John Cena („The Marine“) für weitere Rollen dieser Art und erhält mit Vinnie Jones einen ebenbürtigen Gegenspieler, der ihm rücksichtslos an die Gurgel geht.
Obwohl Scott Wiper am schwachen, weil sich einfach nicht konsequent auf das Wesentliche konzentrierende Drehbuch mitgeschrieben hat, möchte man ihm nicht böse sein. Seine Inszenierung geht klar, er hätte allerdings gut daran getan sich einen erfahrenen Action- oder Fight-Choreograph an seine Seite zu holen. Audiovisuell liegt letztlich auch alles im grünen Bereich und wenn „The Condemned“ seine Finger von den frauenfeindlichen Elementen gelassen hätte, wäre ein bessere Bewertung durchaus verdient.

Details
Ähnliche Filme