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Der nächste Kinoanlauf der WWE, nach „The Marine“ erneut im Actionbereich, wobei „The Condemned“ doch von vorne bis hinten B-Actionware für die Videothek ist.
„The Condemned“ ist auch der Titel jener Show, die der Millionär Ian Breckel (Robert Mammone) ausstrahlen will. Das Konzept: 10 zum Tode verurteilte Häftlinge kauft er korrupten Gefängniswächtern rund um die Welt ab, danach sollen sich diese auf einer Insel gegenseitig töten – der Gewinner erhält die Freiheit. Soweit die Einleitung, die „The Condemned“ reichlich auswalzt und trotzdem eher Stereotypen als Charaktere präsentiert: Ein Mexikanerpärchen, ein Russe, ein Deutscher, ein Asiate usw., alle nach üblichen Klischeevorstellungen gestaltet.
Auch mit dabei: Jack Conrad (Steve Austin). Jener aufrechte Ex-Soldat ist mehr durch Zufall dabei und will das grausame Spiel beenden, doch viele der Verurteilten versuchen auf die von Conrad anvisierte Art zu gewinnen...

Hetzjagd auf einen Eiland, das gab es schon in „Insel der Verdammten“ und dem später entstandenen, aber populäreren „Battle Royale“, das Ganze als Fernsehshow gemahnt an „Running Man“ und wenn der Leiter dann zugunsten seiner Favoriten Pakete abwirft, fühlt man sich an „Flucht aus Absolom“ erinnert. Insofern ist „The Condemned“ alles andere als eine Neuerfindung des Actiongenres, aber Scott Wiper kocht hier bekanntes auf unterhaltsame Weise auf.
Leider ist „The Condemned“ mal wieder ein 90minüter, der seltsamerweise zwei Stunden dauert (ähnlich wie „Shooter“ und „Death Proof“ in diesem Kinojahr). Die Exposition ließe sich bequem verkürzen, ebenso die krampfhaften Versuche von Medienkritik, die das Vorbild „Running Man“ trotz einiger Schwierigkeiten doch besser hinbekam. Peinlich vor allem die Schlussminuten, in denen jeder Veranstalter der Show durch poetische Gerechtigkeit bekommt, was er verdient – wer sich gegen Breckel stellte, überlebt, alle anderen gehen über den Jordan.

Doch abseits von den Subplots um die Kommandozentrale und Conrads Background ist „The Condemned“ eine spannend gemachte Hatz über die Insel, bei der durch wachselnde Allianzen und hinterhältige Taktiken der Kontrahenten für einige Twists gesorgt ist. Vor allem der ehemaligen SAS-Mann und eiskalte Psychopath Ewan McStarley (Vinnie Jones) treibt das Spiel auf seine grausame Art immer weiter, ein Bilderbuchbösewicht, der ordentlich Antipathien erzeugt, wenngleich seine Eskapaden teilweise etwas zu ausgeschlachtet werden.
Der Actionanteil ist ordentlich, aber im Übermaß vorhanden ist sie nicht; ein weiterer Grund, warum eine Straffung „The Condemned“ gut getan hätte. Im Gegensatz zu den Filmen von Kollegen wie The Rock oder John Cena wird hier auf Wrestling-Moves verzichtet, selbst die Begegnung der Wrestler Steve Austin und Nathan Jones ist knüppelharter Nahkampf. Die Fights von „The Condemned“ sind roh und schnörkellos, nur die Einlagen des Asiaten Saiga (Masa Yamaguchi) etwas eleganter, doch die Choreographie, die von (B-)Actionprofi Richard Norton übernommen wurde, macht wirklich etwas her. Leider macht Scott Wiper den gleichen Fehler wie bei seinem vorherigen Film „Sterben – aber richtig“ und serviert einen Mini-Showdown, der als Höhepunkt kaum taugt, was „The Condemned“ etwas an Qualität kostet.

Ansonsten erweist sich Scott Wiper aber als fähiger Regisseur, vor allem die Location der Insel fängt er in stimmungsvollen Bildern ein, was die eine oder andere Storyschwäche vergessen macht. Schön auch die musikalische Untermalung, abgesehen von der etwas unpassenden Verwendung von „Firestarter“ von Prodigy gegen Ende. Ansonsten passt die Musik, zum obligatorischen Happy End spült Nickelback durch den Gehörgang, extrem klasse ist jedoch „Over and Under“ von Egypt Central, das in der Kommandozentrale gespielt wird, als dort ein Trailer mit dem Highlights der Show läuft.
John Cena mag mit „The Marine“ den unterhaltsameren Film gedreht haben, ’Stone Cold’ Steven Austin ist aber der bessere Darsteller wie er hier beweist. Kein Award-Kandidat, aber den toughen Helden mit den coolen Onelinern verkörpert er wirklich charismatisch. Robert Mammone als schurkischer Veranstalter ist OK, Rick Hoffman als dessen neurotische rechte Hand ziemlich gut. Vinnie Jones als Psychopath agiert mit viel Spielfreude, Masa Yamaguchi als Nahkampfexperte ist auch überzeugend, während der Rest vom Fest wenig einprägsam, aber auch nicht schlecht agiert.

Unterm Strich ist „The Condemned“ etwas zu lang geraten und der Versuch von Medienkritik wirkt aufgesetzt und daher leicht verunglückt, doch ein netter Actionstreifen mit guten, rohen Fights und stimmiger Regie ist Scott Wiper trotzdem gelungen. Im Kino allerdings definitiv fehl am Platze, eher ein B-Actioner für den Heimgebrauch.

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