Review

The Good, The Bad & The Ugly(s)

Ich war noch nie Fan einer Wrestling Federation – Fake-Kämpfe und grenzdebile Catcher haben mir immer ein Unwohlsein bereitet. Das Geld soll aber auch außerhalb des Rings in Strömen fließen weswegen WWE schon seit "The Scorpion King" in den Filmsumpf herabgestiegen ist und bis dato viel Geld vernichtet hat. Eigentlich ist es in der heutigen Zeit recht einfach einen billig produzierten Actionfilm in die internationalen DVD-Regale zu schießen – Ex-Action-Stars wie Seagal, Van Damme und Lundgren sichern schon seit Jahren mit dieser Methodik ihren Wohlstand.

Haupt-Manko des Films liegt in dem Willen der Produzenten in der B-Actionkino-Liga mitzuspielen, herausgekommen ist jedoch nur die C-Sparte. Warum?

Mit erschließt sich nach Betrachtung des Films nicht die Notwendigkeit, warum gerade zwei Drehbuch-Autoren vonnöten waren. Hedden und Wiper verzichten auf jegliche Charakterzeichnung und plündern etliche Schemata x-beliebiger Actionfilme. Geklaut werden Thematiken aus dem gesamten Genre-Fundus (Flucht aus Absolom, Running Man etc.). Dialoge sind enthalten, jedoch in ihrer Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Austin darf dabei noch wortkarger seine Figur mimen als Action-Hero Schwarzenegger in "Terminator". Besonders lustig ist Austins in höchster Gefahr gehaltenes Telefonat mit seiner Freundin. Diese, zehn Nummer zierlicher als der amerikanische Bulle, vermisst ihn gar so stark und erzwingt eine Stellungnahme warum er denn plötzlich verschwunden sei – schmacht! Währenddessen postieren sich schon einmal die Feindes-Schergen um den Wachturm. Diese Szene als Beispiel bremst nicht nur die komplette Action-Handlung sondern ist in ihrer Debilität nicht zu überbieten. Da lobt man sich doch die Action-Werke von Walter Hill. Dieser verzichtete häufig auf Frauen, da Männer, wie hier geschehen, stets zu Weicheiern mutieren. Unzählige weitere Logiklöcher ersticken dann zunehmend das Interesse an dem wirklich übersichtlich gehaltenen Handlungsfaden. Weitere gefällig: Austin stampft durch den Dschungel, entgeht aber allen Kameras und erreicht unbeobachtet das Camp; Weggefährten des irren Show-Produzenten erkennen die Unmenschlichkeit des Dargestellten und ein plagendes Gewissen meldet sich; Liebesszenen des Gefangenen-Pärchens mitten im Dschungel – natürlich sofort bestraft … die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Man sollte doch meinen, dass auch Actionliebhaber ein etwas plausibleres Handeln der Charaktere erwarten dürfen.

Gewürdigt werden darf das hölzerne Schauspiel der weiteren Darsteller-Barde. Die hübsch anmutenden Mädels über verschiedene Gesichtsausdrücke: Madeleine West (entsetzt), Victoria Mussett (traurig, schockiert) und Sam Healy (biestig). Vinnie Jones spielt mal wieder einen durchgeknallten Engländer und sollte damit wahrscheinlich den Kino-Markt auf der Insel absichern – fehlgeschlagen. Robert Mammone als fieser Medienmogul bleibt blasser als blass, darf aber ein paar Sätze Medienkritik herausposaunen und tritt dann doch recht unspektakulär ab.

Alles das wäre verschmerzbar, wenn nicht das ständige zappeln der Kamera eine Verfolgung des Geschehens auf Dauer unzumutbar machen würde. Ross Emery, sonst als Second Unit Director sein Brot verdienend, musste wahrscheinlich das Fehlen eines Kampfchoreographen kaschieren. Die Kamera rückt den Protagonisten, insbesondere bei den Kämpfen, leiblich so nahe, dass ein auseinander halten dieser kaum noch möglich ist. Auf die Dauer wirkt das ehemals innovative Stilmittel sehr ermüdend. Man sehnt sich die 80er Jahre herbei, bei denen die Kamera nur als Beobachter fungierte und nicht ständig als Aktiver in das Geschehen eingriff – das Zusammenspiel von Schnitt, Choreographie und Kameraposition sollte eigentlich für Action sorgen.

Jetzt haben fast alle ihr Fett abbekommen. Fehlt noch Regisseur Wiper. Mit diesem inszenatorischen Debakel wird wahrscheinlich seine angestrebte Karriere eine Auszeit nehmen. Wieder einmal sei hiermit bewiesen: Ein Millionen-Budget versaut jeden innovativen Regisseur. Mit einem Bruchteil des Budgets war Wipers "A Better Way To Die" einst frisches, modernes und brutales Actionkino mit handwerklichen Finessen. Davon ist bei "Die Todeskandidaten" nichts zu sehen. Chance verpasst – Scotti!

Fazit: Action-Debakel ohne Sinn für Spannung, Schnitt und Optik – aber für die Popcorn schmatzende Weithosen- und Stirnband-Proll-Fraktion ein gefundenes Fressen. In Anbetracht der Anzahl neben mir verweilter Hirnakrobaten, die gebannt dem Schauspiel bewegter Bilder gefolgt sind, von mir 3 von 10 möglichen Mucki-Punkten.

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