Gute Filme für wenig Geld. Das hat bisher bei World Wrestling Entertainment ganz gut funktioniert. Zuerst spielte Kane einen Killer in "See No Evil", dann jagte John Cena den durchgeknallten Robert Patrick in "The Marine".
Auch Stone Cold Steve Austin reiht sich nun in die Liste der Wrestling-Stars ein, die sich im Filmgeschäft versuchen. Die schauspielerischen Fähigkeiten sind dabei absolut nebensächlich. Was zählt ist die physische Eignung fürs Actiongenre und da kommen bei Austins Körperbau keinerlei Zweifel auf.
So gestaltet sich "The Condemned" als reines Kraftspektakel mit medienkritischen Ansätzen.
Zehn Schwerverbrecher werden auf einer menschenleeren Insel ausgesetzt, um dem zahlenden Online-Publikum von TV-Produzent Breckel eine möglichst profitable Show zu liefern. Die Regeln der Show sind einfach: Jeder kämpft gegen Jeden, bis nur noch einer am Leben ist. Unter den "Todeskandidaten" (dt. Titel) befindet sich auch der Ex-Elite-Soldat Conrad (Steve Austin) ...
Die Story ist ein Abklatsch vom japanischen Kinohit "Battle Royale", die Medienkritik ist angelehnt an "The Running Man". Und genau wie "Running Man" bedient Scott Wipers "The Condemned" das, was er anprangert; nämlich den Voyeurismus des Publikums und die Geld-geht-über-alles-Menatlität. Denn wer würde sich diese Art Film anschauen, wenn es darin nicht genügend Gewalttaten zu bestaunen gäbe?
"The Condemned" wirkt in der heutigen Blockbuster-Zeit nämlich fast so verloren wie "John Rambo". Die Action ist aufgrund des niedrigen Budgets nicht unbedingt aufwändig, allerdings spektakulär und knüppelhart. B-Movie-Star Richard Norton ("China O'Brien") war für die Kämpfe zuständig und choreografierte die zahlreichen Fights als aufregende Höhepunkte im Testosteron-geschwängerten Spektakel. Hier bekommt der Fan genau das geboten, was er in einem solchen Streifen sehen will: muskulöse Kerle, die sich die Köppe einhauen.
Das absolute Highlight dabei ist und bleibt die Besetzung von Vinnie Jones als Austins Gegenspieler. Jones ist mit Abstand der begabteste Schauspieler des gesamten Casts und stellt dies voll motiviert unter Beweis. Seine überdrehte Schurkennummer lässt sogar den Helden blass aussehen!
Was "The Condemned" vollends positiv vom beispielhaft erwähnten "John Rambo" abhebt ist die Tatsache, dass die Geschichte zu jeder Zeit spannend bleibt und die Action nicht zur willkürlichen, logiklosen Parodie verkommt. Die plakative Botschaft wirkt dabei zwar aufgesetzt, regt aber trotzdem zum Nachdenken an; gerade weil man sich selbst dabei ertappt, das Gesehene genossen zu haben.
"The Condemned" ist ein Old-School-Klopper wie ich ihn liebe: dialogarm, kampfstark, von gesunder Härte, mit einer Prise Humor gewürzt und dabei auch noch spannend bis zum Schluss. Macht 8/10 Punkten.