Review

Scott Wiper? Hm, nie gehört, den Regisseur. Nach Anblick dieses Machwerkes ist diese Wissenslücke wohl auch nicht so schlimm gewesen. Ich habe auch erst im Nachgang erfahren, dass zumindest der Hauptdarsteller Steve Austin ein Star der Wrestlingszene ist oder auch war. Vom schauspielerischen Talent jedenfalls hätte man auf so was tippen können, denn außer einem aufgebretzelten Muskelberg bringt Herr Austin nix mit auf die Insel, auf der zehn zum Tode Verurteilten um ihr Leben kämpfen müssen, der Sieger kommt dann nicht nur mit dem Leben davon, sondern kassiert sogar noch eine Siegprämie. Alle anderen werden aufgrund einer explodierenden Fußfessel ins Jenseits befördert, wo sie ja sowieso schon längst hingehören...

Ausgedacht hat sich den ganzen Scheiß der Multimillionär Breckel, der über Internetstream den Kampf in die weite Welt überträgt, damit lässt sich nun mal gut Geld verdienen.

Der Sinn des Filmes? Jawoll, natürlich ist es die Medienkritik, die hier gezeigt werden soll, aber am Ende gewinnt man doch eher den schalen Eindruck, dass Wiper sich nur selbst an den Pranger stellt, denn was er uns zeigt, ist unterste Schublade. Die Kritik, wenn sie denn überhaupt beabsichtigt war, verhallt in dem selbstgefälligen, unreflektiertem Gemetzel, zerbricht an der Plakativität der Darsteller auf beiden Seiten und der Seichtheit der Mittel, die Wiper wählt. Breckels Crew, anfangs begeistert von der Idee, wird aufgrund der brutalen Bilder auf den Monitoren auf einmal zu Moralaposteln, eine Mitarbeiterin sagt, offenbar von einem Moment auf den nächsten geläutert: „Brich es ab!". Auch ein zweiter verweigert sich plötzlich, um dann aber doch weiterzumachen. Ja, Leute, was habt ihr denn erwartet bei eurer Arbeit? Ringelpietz mit Anfassen?

Über die Wettkampfteilnehmer - ich werd' jetzt auch mal zynisch - wird auch kaum ein Wort verloren, ein Teil ist eh nur als Statist vor Ort, also sparen wir uns lange Geschichten. Einer von vielen Gründen, warum man in den Fights nicht mitfiebern möchte, abgesehen davon, dass die meisten eh nur Fieslinge sind. Doch „The Condemned" ist nicht nur vom ideologischen Unterbau flach wie der Sixpack-Bauch von Austin bzw. seinem alter ego Jack Conrad, sondern auch ungemein widerlich im Ausgang der Story. Jack, der einzig halbwegs Gute unter den Bösen, gewinnt den Wettkampf, killt den Hauptverantwortlichen und fällt seiner Familie in die Arme. Muss er ja wohl auch, er war ja der einzige Amerikaner in dieser Bande.

Fazit: Peinlich, spannungsarm, menschenverachtend, viele Attribute umschreiben dieses Produkt und ich bin weiß Gott nicht zimperlich. Eine hohle Niete im Actionbereich, da ich ihm trotz durchaus vorhandener handwerklicher Solidität einen Unterhaltungswert abspreche. Dann schon lieber so ein Vehikel wie „Running Man" gucken, da ist der Zynismus zwar auch nicht echt, aber Arnie nimmt sich wie so oft nicht ganz so ernst, das ist ein feiner Unterschied.

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