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Seit einigen Jahren versucht WWE-Besitzer Vince McMahon auch in der Filmbranche Fuß zu fassen. Dazu kommandiert er regelmäßig Leute aus den eigenen Reihen ab. Sei es nun aktuell Mr. Kennedy im dritten "Behind Enemy Lines"-Streifen, Kane in "See No Evil" oder John Cena in "The Marine". Allesamt mäßige bis ordentliche Filme, doch keiner verschaffte seinem Hauptdarsteller zu Starruhm wie das bei The Rock der Fall gewesen war. Darum wurde dessen einstiger Erzrivale im Ring, Stone Cold Steve Austin (Spiel ohne Regeln) ins Feld geschickt, um daran anzuknüpfen. Das gelang freilich nicht, dennoch ist "The Condemned" ein ganz passables Filmchen geworden.

Wrestler in Filmen ist ohnehin eine Sache für sich. Viele (Hogan, Roddy Piper, Goldberg, Kevin Nash) haben es versucht, scheiterten aber an ihrer eigenen Unfähigkeit, während The Rock die breite Masse davon überzeugen konnte, dass eben nicht alle Wrestler nur mit Steroide aufgepumpte Gestalten sind, sondern sogar auch einen Hang zu Humor und Selbstironie haben können. Doch das hält einige sich gern in pseudo-intellektueller Hochnäsigkeit sonnende und selbsternannte "Film-Experten" nicht davon ab, Wrestler und ihre Fans als IQ-reduzierte Mitmenschen einzuordnen. Über Filme und deren Darsteller abwertende Kritiken zu schreiben ist eine Sache, sich aber über eine Fan-Gemeinde zu muckieren, die schließlich auch nur einem Hobby nachgeht, ist wieder was anderes. Es sind eben nicht nur Wrestling-Fans, die sich Filme am liebsten in Reichweite des ihr Bier klimatisierenden Kühlschranks auf der heimischen Couch anschauen. Doch, ehe ich weiter abschweife kommen wir zum Film...

In einem südamerikansichen Gefängnis wartet Joe Conrad (Steve Austin) auf die Todesstrafe als er unerwartet von einem TV-Produzenten (Robert Mammone) freigekauft und auf eine einsame Pazifik-Insel geschafft wird, wo er gegen neun andere verurteilte Knackis antreten muss. Nur der beste Todeskandidat, der es schafft, alle anderen zu töten, kann danach als freier Mensch in sein altes Leben zurückkehren. Seinem brutalen Mitstreiter McStarley (Vinnie Jones) werden bei diesem Todes-Wettkampf die besten Chancen eingeräumt. Dabei möchte Joe eigentlich nur nach Hause zu seiner Liebsten. Doch zuvor muss er nicht nur gegen die anderen Todeskandidaten kämpfen, sondern auch die Organisation des sadistischen Spektakels, das per Live-Stream weltweit online mitverfolgt werden kann, zur Rechenschaft ziehen.

In Sachen Mimik hat Steve Austin die Ausstrahlung eines Ziegelsteines, aber so was hatte auch einst einen Steven Seagal nicht davon abgehalten sich als Actionstar zu versuchen. Da hat Austin dann doch noch mehr Charisma als Herr Seagal. Insgesamt gibt Austin eine eher mäßige Darstellung ab, ist aber als Action-Haudrauf dennoch zu gebrauchen. Besser macht es da schon Vinnie Jones (Submerged) als durchgeknallter Euro-Freak mit sadistischen Anlagen. Jones versteht es einen guten Schurken abzugeben, den man einfach hassen muss. Das ist auch noch nicht jedem gelungen. Der Nebencast aus Rick Hoffman (Hostel), Robert Mammone (Street Fighter), Victoria Mussett (Matrix Reloaded) und Ex-Wrestler Nathan Jones (Troja) sind hingegen nur normaler Durchschnitt.

Heftiger als in The Marine geht es hier schon zu, aber im Cena-Streifen war die Action wesentlich besser umgesetzt worden und machte auch mehr Spaß. Denn nichts anderes sollen solche Filme machen, weshalb man auch keine hohen Ansprüche vorheucheln braucht, wenn man sich Filme dieser Art anschaut. Steve Austin, der schließlich der zupackende Rambo sein soll, hält sich jedoch größtenteil brav zurück und lässt die übrige Meute erstmal machen. Denn meucheln tut er ausschließlich nur die wirklich bösen Buben. Da war Schwarzenegger seinerzeit weniger zimperlich und auch John Cena sowie The Rock haben es schon besser gemacht. Und kreativ ist der Film auch nicht besonders, wenn es um das Ableben der Killer-Kandidaten geht. Meistens werden sie durch Auslösen der Sprengsätze am Bein ins Jenseits befördert oder einfach halbherzig durch Einsatz von Feuer- und Stichwaffen beseitigt. Immerhin wird so für ein paar schöne Explosions-Sequenzen gesorgt. Das Finale enttäuscht dann aber. Statt eines weiteren Zweikampfes zwischen Austin und Jones, bekommt man nur eine kurze Exekution und einen explodierenden Hubschrauber geboten. Auch hier ist The Marine eindeutig der bessere Streifen.

Bezüglich der Handlung macht The Condemned keinen großen Hehl daraus, dass Regisseur und Drehbuchautor Scott Wiper (Sterben - Aber richtig!) hier einfach Zutaten aus bekannten Vorbildern wie The Running Man, Battle Royale oder Surviving The Game in den Mixer geworfen und sich seine eigene Mischung zusammen gewürfelt hat. Darum ist die Handlung im Prinzip auch nur Mittel zum Zweck für die an sich aneinander reihenden Action-Szenen. Natürlich ist Conrad dann auch nicht wirklich böse und war nur durch Pech in der Todeszelle und ist ein Elite-Irgendwas aus echtem Schrot und Korn. Und daheim im Ami-Land hat er auch ein Frauchen, dass gemeinsam mit Conrads besten Kumpels dem Szenario via Internet wie eine grölende Fußball-Fangemeinde beiwohnt. Zum Schluss wird dann noch ein wenig Medien-Kritik geheuchelt, da zuvor McStarley und seine Nippon-Connection nach aller Herzenslust gemeuchelt und vergewaltigt haben, was der profitgeile TV-Produzent freilich noch unterstützt. Da muss er sich auch nicht wundern, wenn zwei aus seiner Crew Skrupell bekommen. Doch wer nicht gerade ein nettes Blondchen ist darf auch hier ins Gras beißen und der Rest, der eifrig mitgemacht hat, wird mal gerade eben vom Bad Guy weggeballert. Denn Conrad darf so was anscheinend nicht, da diese Figuren nicht zu den absolut bösesten Halunken gehörten, die sich auf der Insel rumtreiben.

Alles in allem präsentiert The Condemned kurzweilige Actionunterhaltung, die aber irgendwie nur auf Sparflamme serviert wird, da hier noch einiges fehlt, um wirklich Spaß zu machen wie The Marine oder The Scorpion King. Steve Austin darf gerne weiter Action-Rollen spielen, aber dann bitte auch welche, die etwas mehr zupacken als gerade nötig wäre.

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