Review

Zwar historisch ziemlich ungenau, ist "Moulin Rouge" doch ein Hollywood-Prachtschinken erster Güte. Mehr nach einem populären Roman und weniger nach dem tatsächlichen Leben des Malers Toulouse-Lautrec ausgerichtet, entfaltet Regisseur John Huston hier die ganze Pracht und den ganzen Dreck des Amüsierviertels von Paris im auslaufenden 19.Jahrhunderts.

Dabei spielt das titelgebende "Moulin Rouge" eigentlich mehr eine Nebenrolle, bleibt ein Handlungsort, an dem Ferrer eben tätig ist und das er dank seiner gemalten Werbeplakate ein berühmter Mann wird. Ansonsten konzentriert sich der Film sehr auf das Drama, die Tragödie und die Irrtümer eines verbitterten Mannes, verblendet ob seiner körperlichen Mißbildungen.
Das alles wirkt wie eine traurige Achterbahnfahrt in den Abgrund, Lautrec als intelligenter, aber gnadenloser Kritiker der Malerei, der sich in scheinbare Armut zurückzieht, als Protest und Rache an seinen Eltern (die als Verwandte ersten Grades eventuell für seine inzestuös-schwächliche Konstitution verantwortlich sind), als Trinker und zynischer Spötter, der schließlich einer ungebildeten, unbeständigen Hure verfällt. Das Scheitern dieser Beziehung nimmt einen Großteil des Films ein, ehe die Kunst Lautrecs wieder in den Vordergrund tritt.

Das letzte Drittel gehört dann seiner zweiten Affäre, bzw. möglichen Affäre, die er sich in Verblendung selbst kaputtmacht, um sein Leben und seine Gesundheit anschließend selbst zu ruinieren.

Ferrer gibt sein Bestes, allein die Darstellung des kurzbeinigen Krüppels ist eine Besonderheit, während die sonst reichlich unbekannten (französischen) Darsteller durch die Bank spielen, als ginge es darum, als erster ins Ziel zu kommen. In Nebenrollen übrigens Peter Cushing und Christopher Lee, eine verfrühte Zusammenarbeit, mögen sie auch nicht gemeinsam auftreten. Huston pumpt alle Pracht und allen Verve herein, den die Amüsierlegende hergibt, mag sie auch manchmal stark stilisiert oder verklärt sein. Dafür geht er jedoch gleichfalls in die tiefsten Niederungen und das macht den visuellen Einfallsreichtum noch viel größer, denn die typische "Orpheus in der Unterwelt"-Tanznummer im Moulin Rouge (gleich zu Beginn) ist relativ bieder, selbst für damalige Verhältnisse. Aber die Typen reißen alles wieder raus, die Ausstattung ist prachtvoll, die Bauten beeindruckend, das Licht einmalig.
Über all dem liegt der gewisse Hauch der Unausweichlichkeit von Lautrecs Schicksal, auch wenn man es sich anders wünschen mag.

So bleibt ein prachtvolles Drama zum Drinschwelgen, zwar keine Taschentücherstory, aber grimmig genug, um Akzente zu setzen. Und wesentlich besser als das sogenannte Remake. (7/10)

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