Nancy Meyers gilt ja als das Sprachrohr für weibliche Empfindungen im amerikanischen Film und hat sich inzwischen den Ruf verdient, dabei auch unterhaltend und entsprechend erfolgreich zu sein. So erstaunt es auch nicht, daß sie wieder eine umfangreiche Riege bekannter und erfolgreicher Schauspieler um sich scharren konnte und rechtzeitig zu Weihnachten ihr neuestes Werk an den Kino-Start brachte.
Während sie sich in „Was das Herz begehrt“ mit der reifen Generation beschäftigte, konzentriert sie sich hier auf die Herzensangelegenheiten der „Thirty-Somethings“, jung genug um noch für frische Optik zu sorgen, alt genug um schon von diversen schlechten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gebeutelt worden zu sein. Und genau richtig um ein möglichst breites Publikum anzusprechen, denn hier können Jung und Alt mitreden...
Doch bei der Jagd nach der „Riesen-Zielgruppe“ sind ihr leider auch ein paar Ecken und Kanten abhanden gekommen, die ihren letzten Film auszeichneten, genial verkörpert von den gut aufgelegten Diana Keaton und Jack Nicholson. Cameron Diaz, Kate Winslet, Jude Law und Jack Black versprechen zwar auch Einiges, ihre Charaktere werden aber völlig verschenkt und gerade ihre sonst herausstechendsten Merkmale nicht genutzt.
Cameron Diaz spielt hier als Amanda eine Filmtrailerproduzentin, deren Fähigkeiten hoffentlich größer sind als Derjenigen, die den Trailer zu „Liebe braucht keine Ferien“ verbrochen haben.Es kommt ja regelmäßig vor, daß die besten Witze schon im Trailer verbraten werden, aber hier wird der Eindruck einer witzigen Komödie hinterlassen durch die einzigen Szenen, die überhaupt so etwas wie Komik verbreiten. Tatsächlich beschäftigt sich der Film fast die komplette Spielzeit voller Ernsthaftigkeit mit dem Thema Liebe in verschiedensten Schattierungen.
Was Nancy Meyers dabei wichtig ist, ist schnell zu erkennen und sicherlich aller Ehren wert. Ihr Film ist sehr gesprächslastig und versucht fast minutiös die Gefühle der Protagonisten auszuloten. Schon der Streit zwischen Amanda und ihrem Noch-Freund, der zur endgültigen Trennung führt, ist sehr ausführlich, genauso wie die Szenen in der Londoner Zeitungsredaktion, die zur Bekanntmachung der Verlobung von Iris' (Kate Winslet) angebetetem Kollegen (Rufus Sewell) und einer jungen Konkurrentin führt.
Voller Frust beschließen die beiden Frauen spontan ihre Häuser zu tauschen, um einem Weihnachtsfest in Einsamkeit und Liebeskummer zu entkommen. Iris fliegt nach Los Angeles, mitten in das Herz Hollywoods, um dort in einer Riesenvilla mit Swimmingpool und allerlei modernem Schnick-Schnack zu landen – Amanda kommt in ein verwunschenes kleines Cottage, umrahmt von Wiesen und Schafen ,im englischen Süden.
Diese Szenen sind dann auch die unterhaltendsten im gesamten Film. Beim Anblick der Locations müßte jedem Gestaltungsprofi das Herz aufgehen, angesichts der Perfektion mit der die Häuser auf gemütlich (in England) und modern großzügig (in Amerika) getrimmt sind. Hier sieht alles wie aus dem Katalog aus, genauso wie man es sich vorstellt und erträumt – Individualität, nein danke.
Und genau hier liegt die Schwäche des Films, die die teilweise sehr langen Dialoge fast zur Qual werden lassen und die ordentliche Länge des Films noch deutlich länger wirken läßt. Sämtliche hier angesprochenen Probleme wirken ebenso wie aus dem Katalog für Liebesangelegenheiten entnommen- Rosamunde Pilcher läßt grüßen.
So scheinen sämtliche Protagonisten sonst über keinerlei Probleme zu verfügen. Gut aussehend, wohlhabend mit schönen Jobs, tollen Autos und perfekten Wohnungen, fehlt es ihnen nur an Mr.oder Mrs.Right – schön wenn man sich ausschließlich darauf konzentrieren kann...
Besonders wenn alle dabei noch über so einwandfreie Charaktere verfügen. Außer Amandas kurzen Handgreiflichkeiten zu Beginn, vergreift sich danach niemand mehr im Ton, reagieren alle immer angemessen bis souverän ,ohne natürlich ihre wahren Gefühle zu verleugnen.
Dadurch verkommen die meisten Dialoge zu hingezogenem Geschwafel. Ich habe ein Faible für lange Dialoge, aber sie sollten auch einen Hintergrund haben – Nancy Meyers dagegen zelebriert die Genauigkeit bei einer Problematik, die so oberflächlich ist, daß dadurch nur ihre Hohlheit ersichtlich wird. Und man zweifelt auch an der Intelligenz der vier Hauptdarsteller, die trotz ihrer ständig nach außen gezeigten Kultur und hervorragenden Ausbildung ewig um die selbe Sache kreisen, um dann in letzter Sekunde doch noch den Dreh zu kriegen.
Da stimmt dann auch das Timing nicht, wenn die persönlichen Schwierigkeiten zwei Stunden lang breit getreten werden, um dann in letzter Sekunde plötzlich die große Eingebung zu bekommen. Für Jack Blacks Erkenntnis nimmt sich Nancy Meyers dann auch überhaupt keine Zeit mehr...
Fazit : Schön anzusehender Film mit bezaubernden Locations und attraktiven Hauptdarstellern. Der Film hat ein ruhiges Tempo und ist sehr dialoglastig, nur selten von komischen Momenten unterbrochen. Leider bleibt „Liebe braucht keine Ferien“sehr oberflächlich in seiner Thematik und will zu sehr ein großes Publikum erreichen und bloß nicht vor den Kopf stoßen.
So können wir vier Gutmenschen dabei beobachten, wie sie ihre kleinen Probleme lösen ,um dann doch das große Glück zu finden – sicherlich nicht ohne Unterhaltungswert und für kurze Zeit ablenkend, aber eher für schlichte Gemüter geeignet, völlig unabhängig von ihrem Geschlecht.
Bei genauerem Hinsehen wird gerade Nancy Meyers Stilwillen, uns detailreich mit der Problematik vertraut zu machen, dem Film zum Verhängnis, denn so offenbart sich sehr deutlich deren fehlender Tiefgang und damit eine völlige Voraussehbarkeit der Ereignisse(5/10).