Für die Weihnachtszeit öffnet Hollywood immer gern die ganz alte Kiste mit dem Festtagsschmuck, der schon die ganzen anderen Jahre über schön war, schließlich soll es ja bunt, fröhlich und besinnlich zugehen. Also inszenieren jedes Jahr aufs Neue ein paar Regisseure ihre Version von "lustige" oder "romantische" Weihnachten, in der Hoffnung, daß allein der Anlaß die Zuschauer dazu bringt, sich den Festtagsstress so schön zu schauen.
"The Holiday", wie "Liebe braucht keine Ferien" so schön einfach im Original heißt, liegt irgendwo zwischen diesen Polen - und genau da liegt dann auch das Problem. Denn entweder kann die cineastische Weihnachtsattacke extrem albern, ungemein flach oder ausgesprochen suppig-süßlich ausfallen, mehr Extreme sind zumeist nicht drin.
"The Holiday" ist aber die genaue Schnittmenge zwischen den Extremen, denn obwohl Nancy Meyers dafür bekannt ist, den gehobenen bis erlesenen Mittelstand bis zur kulturell ausgereiften Oberklasse in extraschickes Amusement zu kleiden - jenseits jeglichen Hauchs von Realismus - vermeidet sie hier den größten Teil der Sülze, schafft es gleichzeitig aber leider nicht zur vollsten Zufriedenheit aus dieser Situation wirklichen Witz oder unterhaltsame Handlungsstränge herauszupressen.
Sicherlich, wer ohnehin Melodramen hoffnungslos verfallen ist, kriegt auch hier einen Beutel Taschentücher voll, aber dieses Bäumchen-wechsel-dich-Spiel überkreuz, bei dem eine Engländerin und eine Amerikanerin in Beziehungssorgen die Häuser für zwei Weihnachtswochen tauschen, um dann jeweils am anderen Ende der (westlichen) Welt das private Glück zu finden, kommt dann doch ein wenig zu unaufgeregt daher.
Während Kate Winslets "Iris" aus ihrer unerfüllten Affäre/Beziehung/Ausnutzungsabhängigkeit mit einem Verflossenen nicht herausfindet, ist Cameron Diaz' "Amanda" gerade mit einer ausgekühlten Beziehung fertig. Allerdings sieht man der Grundkonstellation die Absicht hinter dem Projekt leider mehr als an. Während die eher dramatisch-schwergewichtige Winslet also auf die emotionale Tube drückt, ist die typische Comedy-Amerikanerin Diaz meistens damit beschäftigt, ihre typischen Grimassen und Zappeleien aufzuköcheln, wenn sie im britischen Schnee links fahren muß und sich durchs Leben hibbelt, um ihrer Gedankenstimme zu entkommen, die ihre Lebensaussichten als Filmtrailer ankündigt - ihr sie ständig verfolgender Job.
Natürlich fehlt für den nötigen Schubs nur der nötige Typ und so läuft Amanda in England in Iris' Bruder Graham hinein (Jude Law gibt einen fokussierteren Hugh-Grant-Verschnitt als charmanter Süffel, der sich als zweifacher Vater und Witwer entpuppt, wie süüüüß...) und Iris begegnet dem Hollywood-Komponisten Miles (Grimassenzuppel Jack Black bemüht sich sichtlich um Reduzierung seiner Comedy-Ticks, kann aber eigentlich nur mittels Filmreferenzen seinen Leprechaun-Charme kultivieren). Weil die beiden ungefähr so gut zueinander passen wie Eisberge und Lava, darf Iris sich auch noch um den gebrechlichen bis greisen Tinseltown-Drehbuchautor Arthur (hier gibt Altstar Eli Wallach eine würdevolle Nebenrolle zum Allerbesten) kümmern, dem sie neuen Lebensmut verleiht.
Während dieser Handlungszweig jedoch mehr oder minder eine charmante Belanglosigkeit darstellt, die eher die gute alte Zeit Hollywoods abfeiert (oder selbstbeweihräuchert, je nachdem), liegt der Fokus meistens stärker auf Amanda und Graham. Das ist wenig hilfreich, denn weil es Cameron Diaz zwar nicht an Ausstrahlung, aber doch emotionaler Wärme für so eine intime-berührende Beziehung mangelt, wird die gesamte Lebenssituation mit allen Folgen und Möglichkeiten einer Fernbeziehung nach Urlaubsablauf endlos durchdiskutiert, um schließlich nur bei dem alten "hollywood ending" zu landen, daß sich einer schon auf dem Weg zum Flughafen noch umentscheidet und heulend zurückfährt.
Wortreich und theoretisierend gerät "The Holiday" manchmal charmant, aber meistens zu dröge und schwerfällig, um wirklich den Funken überspringen zu lassen. Da die weiblichen Stars auf "fish-out-of-water" machen, kippt der ganze Film, denn Diaz kann den Part nicht wirklich stemmen und Winslet ist sträflich unterfordert, auch wenn zwischendurch immer wieder was zum Lächeln und Schmunzeln dabei ist. Die Herren bekleckern sich ebenfalls nicht mit Ruhm, halten sich aber immerhin etwas zurück (Black) oder arbeiten den Part auf Autopilot ab (Law). Edward Burns, Rufus Sewell und Shannyn Sossamon jedoch als Beziehungsübeltäter in Bit Parts zu verschwenden, haben alle drei leider nicht verdient.
Wir stellen also fest, daß "Liebe" DIESE Ferien nicht braucht, auch wenn einem beim Zuschauen nicht eben Schmerzen zugefügt werden, aber das Gefühl eines netten, aber vergessenswerten Konfektionsproduktes (wenn hingegen nicht ganz so aufdringlich wie andere) kann man nie abschütteln, was durch die extrem lange Laufzeit von über zwei Stunden noch unterfüttert wird - und weit und breit kein Jack Nicholson in Sicht, der Meyers "Was das Herz begehrt" noch allein tragen konnte.
Man sollte nicht nur extrem gute Darsteller für seinen Film haben - man braucht einfach die Richtigen. (5,5/10)