Review

Einen typischeren Teenie-Slasher hätte man kaum kreieren können, denn er enthält alle bewährten Zutaten eines solchen, mit ordentlichen Morden, viel nackter Haut und einer pöterfreundlichen Kamera. Wer also noch nie einen gesehen hat, könnte sich hier mal schlau machen, wie das üblicherweise abläuft. Die Genrefans können sich indes beruhigt abwenden, da hier nichts Außergewöhnliches geboten wird.
Ich für meinen Teil verbuche diesen Streifen unter Comedy, da es kaum zu glauben ist, dass dermaßen viele Klischees so gnadenlos deutlich nacheinander abgespult werden.

Story kurz: Schulklasse macht Ausflug zu einer abgelegenen Waldhütte, Killer taucht auf und mordet reihum.

Rein inhaltlich wechseln sich nur zwei Vorgänge miteinander ab: Die ruhigen und total langweiligen Szenen, in denen Teens Beziehungsdiskussionen führen oder sich gegenseitig an die Wäsche gehen und die eher temporeichen Szenen, in denen der Killer zuschlägt.
Dies geschieht phasenweise, so dass man über weite Teile gar nicht hinsehen muss, wenn sich ein Paar zofft, ein weiteres zum Zimmergolf übergeht, während die übrigen darüber inhaltslos diskutieren. Wie so oft, sehen die Trusen allesamt recht hübsch aus, die Heldin natürlich noch ein bisschen besser, aber schauspielern kann von denen niemand so recht.

So ist es auch gar nicht notwendig, den Figuren einen Charakter zu verleihen, bei dem unerwartet hohen Bodycount auch kaum möglich. Denn, ich habe mal aus Jux eine Strichliste geführt und bin am Ende auf 15 Opfer des Tunichtgutes gekommen, das ist ordentlich.
Während er zu Beginn eher blitzartig zuschlägt und innerhalb der ersten Viertelstunde bereits sechs Opfer zu verzeichnen sind, lässt man sich im letzten Drittel ein wenig Zeit für Konfrontationen, da gibt es Schusswechsel, kleine Kloppereien und das übliche Weglaufen.

Dass der Streifen sich nicht sonderlich ernst nimmt, kristallisiert sich ebenfalls zum Ende hin immer mehr heraus, denn da fallen selbstironische Abschiedssätze wie „Ich wusste, dass du es schaffst!“ (in Bezug auf die Vorhersehbarkeit, wer überleben wird). Aber auch Klassiker wie „Ohne mich kommst du viel schneller voran, ich bin doch nur eine Last“ lassen den Genrefreund zumindest für einen kurzen Moment die Sektkorken knallen. Wenn dann am Ende des Gemetzels nur noch zwei Überlebende unterwegs sind und geäußert wird „ich glaube, wir werden die anderen nicht mehr wieder sehen“, kann man frohen Mutes anstoßen.

Aber auch an anderen Stellen ist mitunter Heiterkeit angesagt, sei es gewollt oder durch entstehende Logiklöcher. Da finden einige eine Brustwarze im Schnee, die Leichenreste sind kaum mehr zu sehen, weil eine frische Schneeschicht darüber liegt, obwohl es gar nicht geschneit hat. Die Heldin hat von vornherein eine Schusswaffe dabei und findet passend zum Showdown ein Snowmobil, das die ganze Zeit zuvor nicht zu sehen war. Und bevor die Teens überhaupt in der abgelegenen Waldhütte ankommen, warnt der Einheimische davor, dass wahrscheinlich kein Handy funktionieren wird, - so treibt man Klischees auf die Spitze oder nimmt sie vorweg.

Auch der Killer ist ein einziges, wandelndes Klischee. Man sieht zu keiner Zeit sein Gesicht, weil er sich die Kapuze seiner Winterjacke sehr weit über den Kopf gezogen hat und nachdem man ihn scheinbar mehrfach erledigt hat, steht er vier bis fünf mal wieder unversehrt auf.
Dass auch dieser nicht sonderlich ernst zu nehmen ist, zeigt sich spätestens in einer Szene, als er seelenruhig und unbedarft durch den Wald schlendert und er seine Körperhaltung schlagartig ändert, da er ein potentielles Opfer erspäht.

Demgegenüber ist nicht nur die Anzahl seiner tödlich endenden Taten sehr hoch, auch die Form ist an einigen Stellen etwas derber, wenn Äxte in Schädel fliegen, ein Augapfel herausgezogen oder einfach mal auf ein Gesicht getreten wird. Die Effekte können sich durchaus sehen lassen, seien es die Aktionen als solche oder die verstümmelten Opfer, die man teilweise erst Minuten später serviert bekommt.

Was bei alledem am Ende etwas stört, ist die Auflösung der Chose. Nach dem Showdown wird die Handlung unnötigerweise noch einige Zeit fortgeführt und die Erklärung für das Vorangegangene erscheint komplett unglaubwürdig und unbeholfen konstruiert.

Letztlich werden viele Zuschauer zu dem Fazit gelangen, dass dieser Streifen mit dem austauschbaren Titel inhaltlich ebenso austauschbar abläuft und hier rein gar nichts Neues geboten wird. Das lässt sich gewiss nicht abstreiten und das ganze Teeniegetue nervt über weite Teile auch tierisch an. Aber vielleicht wird dem einen oder anderen Genrefreund das ironische Augenzwinkern entgegenkommen, mit dem dieser Slasher teilweise daherkommt.
Wenn man ansonsten keine Innovationen erwartet und wirklich nur das Übliche sehen möchte, kann man sich „Silent Scream“ also ohne Bedenken mal geben.
5 von 10

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