Review

Ok, es musste schon eine enorm ausgefranste Kopie her, damit ich an Hammers goldenen „The Abominable Snowman“ herankommen konnte, ohne mein eh knapp bemessenes Weihnachtsgeld komplett auf ebay für eine DVD zu investieren, aber letztendlich bin ich jetzt auch ganz froh, dass ich für kleines Geld nicht zugegriffen habe.

Was nicht heißt, dass es das Filmerlebnis nicht wert gewesen wäre, aber beim Vergleich mit den ähnlich gelagerten Quatermass-Filmen, die ebenfalls auf einem BBC-Serial oder einem TV-Film basierten, schneidet der Himalaya von Hammer dann doch deutlich schwächer ab.

Aber ein Vergleich ist auch schwer zu ziehen, denn im Gegensatz zum Q-Professor, dessen TV-Vorlagen zumindest teilweise noch existieren, ist der BBC-Film „The Creature“ leider der Welt nicht erhalten geblieben. Erschaffen in einer Zeit, in der noch „live“ gespielt und gesendet wurde (wer wissen möchte, wie anstrengend das war, möge in Peter Cushings Biographie nachlesen), wurde nur selten etwas parallel auf Film oder Video aufgenommen und klassische Home-Recording-Möglichkeiten gab es auch kaum.

Die Kino-Bearbeitung des Stoffes hält sich aber im Wesentlichen an die ursprüngliche Story, bei der eine Expedition im hohen Himalaya herumforscht und nur sehr unzureichend vor dem dortigen Lama verbergen kann, dass sie eigentlich am Yeti interessiert sind. Während Cushings Rollasson da noch einen Forschungsansatz mitbringt, poltiert Forrest Tuckers „Tom Friend“ wie als Verhöhnung des Namens als eine Art bedrohlicher Schulhofschläger durch die Szenerie, die er mit Einschüchterungsversuchen auffüllt.

Nach allerlei eher drögen Vorbereitungen, ob man oder ob man nicht eine spezielle Expedition durchführen sollte, bei denen in einem seltenen Fall auch mal eine (Ehe-)Frau mit an Bord ist, bricht dann eine Handvoll Männer in die eisige Höhe auf, um größtenteils nicht zurückzukehren.

Die Schneemenschen – kein großes Wunder – entpuppen sich auch hier als fortschrittliche, wenn nicht sogar überlegene Wesen, die der Telepathie mächtig sind und sich leider so auch prima den Wissenschaftlern und den Zuschauern entziehen können. Also muss man sich über weite Strecken mit einer durch den Zeltrand greifenden und ziellos herumsuchen großen Hand zufrieden geben, denn wegen des gewünschten Überraschungseffekts hält man das Äußere der Yetis sogar noch zurück, als die Expedition schon einen davon erschossen hat.
Vielleicht war das auch besser so, denn wo bei „Schock“ eine photographisch vergrößerte Hand in einem beklebten Gummihandschuh noch Monströses als Protoplasma-Blob leistete, sind die Masken bei der finalen Enthüllung der Yetis dann doch eher ernüchternd, Ähnliches hat man schon in lustigen Märchenfilmen der 60er und 70er gesehen, ohne dass es überzeugend gewesen wäre.

Vielleicht hätten sich die Macher besser nicht nur auf die ausnehmend gelungene Studio-Bergkulisse konzentriert, sondern mehr auf die gefährlichen und sirenenartigen Stimmentäuschungen, mit denen die Forscher immer wieder aufs Glatteis geführt werden und die viel besser einen gewissen Gruseleffekt hätten hervorrufen können. Zeitweise funktioniert die ausweglose Isolation in der Schnee-Einöde ganz prima (manchmal mutet es sogar wie in Carpenters „Thing“ an), aber der Film ist schwergängig und hat Probleme, sich wirklich für einen der Protagonisten zu entscheiden, für den man dann auch Partei ergreifen möchte- Cushing spielt vergeistigten Studi und Tucker ist einfach nur ein unberechenbares Monstrum.

Das Ende reproduziert den Anfang des Films auf ambivalenter Ebene, doch die narrative Holprigkeit bremst den möglichen Drive leider immer wieder aus. Insofern ein schöner, aber unebener Suspenser im Schnee, der aber eben nicht genügend „liefert“, was er zu Beginn verspricht. (6/10)

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