Review

Dieser Film bewirkt einen Zeitsprung in die eigene Kindheit. Plötzlich fällt mir wieder ein, wie ich als „Silas“ mit meinem Fahrrad durch die Wälder auf und ab ritt und später als „Jack Holborn“ mit einem Seil über die Gräben schwang.
Dieses Seil dient auch dem Sprung in die Fantasiewelt Terabithia, in die sich unsere jungen Protagonisten flüchten. Jedoch nicht, wie der Trailer irreführend Glauben machen will, in ein voll gestopft buntes Fantasyreich, sondern ein recht irdisches, der Imagination zweier Außenseiter entsprungen.

Denn Jess (Josh Hutcherson) hat an seiner Schule keine Freunde, flüchtet sich in Zeichnungen und kann lediglich bei Wettrennen überzeugen. Dies ändert sich jedoch, als Leslie (AnnaSophia Robb) in seiner Schule auftaucht, ihn bei einem Wettlauf gar überholt und sich auch noch als neue Nachbarin entpuppt. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten entdecken die beiden ihre gemeinsamen Ängste und Probleme. Fortan begeben sie sich in den Wald und schwingen sich mit einem Seil über den Bach, hinter dem ihr eigenes Königreich Terabithia liegt. Doch die Flucht vor dem Alltag wird durch ein einschneidendes Erlebnis überschattet…

Der Film wirkt ein wenig wie der Traum eines Kindes. Die Kreaturen in Terabithia sind nicht wirklich furchteinflössend, es sind keine blutrünstigen Monster. Wenn sich eine gefährliche Situation ergibt, wird diese in letzter Sekunde vereitelt, etwa, wie ein tiefer Sturz durch die große Hand eines Trolls. Und stirbt ein nahe stehender Mensch, erlebt man das nie hautnah, sondern es wird uns von Dritten berichtet.
Oftmals endet an dieser Stelle ein Kindertraum, doch Terabithia geht darüber hinaus und findet einen einfühlsamen Weg, um mit der Trauer umzugehen.

Überhaupt, und das erweist sich als eigentliche Stärke des Streifens, befasst man sich sehr einfühlsam mit dem Innenleben vorpubertärer Kinder. Da spielt es gar keine Rolle, wo das Ganze überhaupt spielt, und auch nicht, zu welcher Zeit. Nur dadurch, dass einmal der Begriff Internet fällt, ist er der nahen Gegenwart zuzuordnen. Er könnte sich aber genauso gut in den 80ern abspielen, das Besondere ist das Zeitlose, das jeden Zuschauer, egal welcher Altersklasse, in die eigene Kindheit zurückversetzen lässt und sich dabei voll auf die Welt der beiden Hauptfiguren konzentriert.

Die Probleme erscheinen geradezu alltäglich: Eltern unter Zeitdruck, zudem das Gefühl. missverstanden zu werden. In der Schule ähnlich: Nur die aus der achten Klasse dürfen in der hinteren Bank des Schulbusses sitzen, zudem wird von den Fieslingen eine Toilettengebühr verlangt und Bodychecks sind an der Tagesordnung. So findet man als Außenseiter schnell zueinander und baut sich seine eigene Fantasiewelt auf, in der man vor Trollen, Rieseneichhörnchen und bösen Raubvögeln flüchten muss. Sich allerdings auch als Held(in) hervortun kann, um neues Selbstbewusstsein zu erlangen, was dieser Erzählung eine wunderbar ausgeglichene Emotionalität verleiht.

Nur selten fallen Klischees oder Überzeichnungen auf, wie die glatt verlaufende Wandlung der fiesen Mitschülerin (auch innerhalb der Fantasiewelt), oder wenn das Gutmenschsyndrom der jungen Helden in Form vom Tragehilfe bei der Lehrerin etwas zu sehr in den Vordergrund gerückt wird, - aber all das fügt sich wiederum lückenlos in die Traumwelt eines Kindes. Da kommt der Faustschlag gegen einen schäbig lästernden Mitschüler schon eher überraschend, auch wenn der Stoff ansonsten sehr kindgerecht und einfühlsam auf Augenhöhe der Protagonisten erzählt wird.

Jess und Leslie sind einem sofort sympathisch, da die beiden sehr natürlich agieren und schon gar nicht mit Overacting nerven. Josh Hutcherson ist schon richtig gut, noch besser und präsenter erscheint allerdings AnnaSophia Robb, die mit ihrem natürlichen Charme einer Dakota Fanning sicher sehr bald den Rang ablaufen könnte.
Eine besondere Rolle nimmt hier Bailee Madison ein, die als kleine Schwester Jesses fungiert.
Dieser quirlig niedliche Sonnenschein wirft nicht nur jede Menge Heiterkeit in die Runde, sondern erweist sich im Verlauf noch als wichtiger Bestandteil, um eine betrübliche Situation umzukehren.

Vielleicht hat man im Vorfeld ein wenig mehr Fantasy erwartet, die der Film dann in maximal 10 Minuten Laufzeit liefert, doch das enttäuscht keineswegs. Im Gegenteil, pure Effekthascherei wäre hier deplatziert gewesen, stattdessen konzentriert man sich voll auf die beiden Hauptfiguren, mit denen man sich gerne länger beschäftigt hätte. Da erscheinen mir die knapp 95 Minuten Laufzeit noch zu gering, um sich den Charakteren mit voller Intensität zu widmen, - vor allem nach dem überraschenden Bruch im letzten Drittel.

Doch es bleibt ein sensibler Film über die Verbindung zweier Kinder, die einem angenehm vertraut sind, nicht zuletzt, weil man sich möglicherweise selbst in ihnen wieder findet.
Und genauso angenehm, wie der Film emotional abläuft, so ergeht es dem Betrachter noch einige Zeit danach. Eine Wohltat für Geist und Seele,
9 von 10

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