Für Katzen hab ich ja einen speziellen Platz in meinem Herzen und das gilt sicher auch für Horrorfilme, auch wenn die darstellerische Unkontrollierbarkeit der Felinen natürlich recht begrenzt ist, wie z.B. „Grüne Augen in der Nacht" zeigte oder noch schlimmer „Strays“.
Zu den fast vergessenen Beiträgen katzenhafter Tödlichkeit zählt – neben dem guten alten Edgar Allan Poe und seinem rachsüchtigen schwarzen Kuschler – noch der 1961er Hammer-Co-Produktion „Shadow of the Cat“, in dem ebenfalls ein Rächer auf vier Pfoten die Handlung bestimmt, in schönstem Schwarz-Weiß und mit all der Fin-de-Siecle-Patina, die so ein alter Brite am Start haben kann.
Im Kern rächt sich auch hier mal wieder der Fluch der bösen Tat – gleich zu Beginn wird eine ältere Hausbesitzerin gemeuchelt, auch noch von ihrem Butler, nachdem sie dazu angeleitet worden war, einen neuen letzten Willen zugunsten ihres Ehemanns zu unterschreiben. Doch die Katze war Zeuge und ist offenbar abstrakten kriminalistischen Denkens fähig. Alsbald sucht sie die Erbenverschwörung heim, sowohl den abergläubischen Ehemann wie auch Butler und Maid. Natürlich gibt es auch in dieser Familie eine Katzenliebhaberin reinen Herzens, die Lieblingsnichte Ella (Barbara Shelley), die fortan nicht recht verstehen kann, warum die Mörderschar zunehmend hysterisch reagiert, wenn die Katze über den Gang huscht (zugegeben, die Schlussfolgerung, es mit einer Rachekatze zu tun zu haben, funktionierte wohl nur bei schlechtem Gewissen und so anno 1900).
Als Gatte Walter schon von einer ersten Herzattacke geprügelt sich im seiner Kemenate verbarrikadiert, werden weitere Übeltäter ins Haus bestellt: der fiese Neffe Jacob, dessen nicht minder fieser Vater Edgar und Jacobs holdes Eheweib, die auch auf Moneten steht.
Doch Kätzchen „Tabby“ (Tabitha) macht einfach mit ihrer Verunsicherungstaktik weiter und die Sachen regeln sich zugunsten der Guten: der Butler endet bei der Verfolgung im Moor, die Maid fällt treppab und dann greift Walter in den Besteckkasten, tatkräftig vernachlässigt durch seine gierige Verwandtschaft. Und es ist noch nicht vorbei…
Ganz ehrlich: selbst mit netto 75 Minuten Spielzeit ist der fertige Film viel zu lang für seinen schmalen Plot, aber die wunderbar total überzogenen Charaktere machen das alles wieder wett, denn Tabby hat sie alle im Visier (gewisse Szenen sind aus Katzenperspektive gezeigt). Dass die Bösen nicht die Schlauen sind, zeigt allein schon, dass sie die Katze zwar fangen, aber dann nicht sofort ermorden (wie hier immer wieder derb gefordert wird), sondern sie in einem Sack ertränken wollen – was sogleich nach hinten losgeht, wenn man die Sackqualitäten von 1900 als Maßstab nimmt.
Zwischendurch wird immer mal wieder verständnislos oder hysterisch diskutiert und so etwas wie eine Love Story halb etabliert (Lieblingsnichte und Journalist natürlich) und die Polizei kann nichts machen, weil ja alle Tode Unfälle waren.
Natürlich müssen sich die verbliebenen Schurken schon enorm dämlich anstellen, um sich am Ende in die nächste Welt zu befördern, aber alle sind so hinreißend comichaft böse, dass das eben dazu gehört, auch wenn der Plot auch in eine 45-Minuten-Episode einer Serie gepasst hätte.
Wer also den Schnurren dieser Sippe zuschauen will, muss ein wenig im Internet Archive stöbern, aber dann hat man durchaus seinen gemütlichen Spaß. (6,5/10)