Nur Afrika ist größer als Meryl Streep
Große Hollywood-Epen - auch wenn man manchmal das Gefühl hat "They don't make 'em like this anymore!" - es gab, gibt & wird sie immer geben. Und "Out of Africa" ist eines der größten Epen, die Geschichte einer dänischen Frau aus der Oberschicht, die nach Afrika auswandert & dort ein abenteuerliches Leben in einer fremden Welt durchlebt. Ihr Weg ist gepflastert von Eingewöhnung, Krankheit, einer Scheinehe & der echten Liebe, zu einem romantischen Macho.
"Jenseits von Afrika" - da braucht man Sitzfleisch, einen großen Hang zu Romantik & sicher auch Kitsch, man sollte mit der sperrigen Mery Streep umgehen können, Afrika lieben & nicht allzu viel Action erwarten. Ein Liebesdrama, das ich stark respektiere, das ich aber nicht lieb gewonnen habe. Zu lang, zu dick aufgetragen, zum Teil voller Vorurteile & selbst Streep finde ich beeindruckend, aber selten sympathisch. Ihr Charakter gewinnt durch die ehrliche Darstellung inkl. Schwächen an Tiefe & es ist eine ihrer besten Leistungen in einer der größten Karrieren aller Zeiten - aber mit vielen Zügen ihrer Figur ging ich einfach nicht konform. Auch wenn man es durchaus verbohrt & etwas macho nennen kann, wenn ich mich hier auf die Seite von Redfords Charakter schlage. Dessen Tod war dann leider aber absehbar, wie so Vieles in dieser überlangen Werbung für Romantik & Afrika.
Richtig beeindruckt haben mich die vor Ort gefilmten Aufnahmen in Afrika, wo der Film zu 95% seiner Zeit spielt. Nur in Dokus sah man den Kontinent bisher beeindruckender, an großen Bildern mangelt es der Geschichte nicht, an großen Gefühlen auch nicht. Wenn man aber keinen Zugang findet, findet man ihn eben nicht. Und ich bin der Letzte, der etwas gegen Romantik & Kitsch hat, mochte ich doch erst neulich "Die Brücken am Fluss" sehr gerne, auch zufälligerweise mit Frau Streep. Ich weiß aber jetzt schon: wenn ich in 2 Jahren an den Film denke, dann nicht an die Geschichte oder die seltenen spannenden Punkte dieser, sondern ausschließlich an den schwarzen Kontinent & einer erhabenen Natur. Da ändern auch die vielen Trophäen nichts. Sicher ist der Film einer dieser Exemplare, die fast wie gemacht für z.B. die Oscar Academy erscheinen, fast zu geplant & etwas langweilig. Bildtechnisch & historisch interessant bis atemberaubend - der Rest ließ mich erschreckend kühl.
Fazit: Afrika war in einem Spielfilm selten schöner, Streep spielt die starke Frauenrolle in die Perfektion. Die Geschichte ist eher überraschend lang(weilig) als kitschig, fesselte mich leider nicht die komplette Laufzeit. Aber Redford ist ein cooler Freigeist!