Review

„Ich will sehen, wie du von innen aussiehst.“

„Casey Becker? Die sitzt in Englisch neben mir!“
„Jetzt nicht mehr.“

„Aber ist doch immer wieder dasselbe. Ein dämlicher Killer lauert einem Mädchen mit prallen Titten auf, die immer die Treppe rauf statt zur Haustür raus läuft und miserabel spielt, das ist hirnrissig!“

„Beweg’ deinen fetten Schwabbelarsch, und zwar gleich!“

„Ihr seid krank, ihr habt zu viele Filme gesehen.“
„Nein, Sid, schieb es nicht auf die Filme. Niemand wird durch sie wahnsinnig, aber Wahnsinnige werden durch sie kreativer!“

Erst ein wenig Telefonterror mit einer Stimme, die mich unwillkürlich an Borderlands’ Handsome Jack denken ließ, und plötzlich gleich zwei brutale Kills samt Ausweidung im Off. Ja, so leitet man einen Film ein. Ein lustiges Detail ist die klar angedeutete Halloween-Musik im HIntergrund, wenn die Dame dem Verrücken am kabellosen Telefon von ihrem Lieblingshorrorfilm erzählt. Eigentlich handelt es sich jedoch um eine sehr selbstreferenzielle Beinahe-Persiflage bekannter Horror-Klischees, wobei trotz all der lockeren Sprüche die Gewalthandlungen keinesfalls harmlos erscheinen. Einmal wird sogar mit der Messerspitze geradewegs an der vierten Wand gekratzt.

Die dynamische Kamera, die mir schon in „Nightmare – Mörderische Träume“ (1984) desselben Regisseurs gefallen hat, kehrt hier zurück. Zwar darf man in der Hinsicht keine Experimente erwarten, ich bin aber von einigen kreativen Kamerawinkeln hier recht angetan. Etwa, wenn sich in extremer Augen-Großaufnahme die Killer-Maske spiegelt oder die Kamera in Schräglage das zweite Opfer auf dem Rücken im Gras liegend und zum Zuschauer blickend einfängt. Die handwerklich vorzügliche Farbkorrektur gefällt mir hier ebenso gut wie im genannten Film.

Overacting ist so ziemlich das einzige Problem einiger Schauspieler, womit ich jetzt explizit nicht die Szenen am Ende meine, wo das charakterlich gerechtfertigt ist – das war wirklich eine geniale und völlig unerwartete Aneinanderreihung von verrückten Wendungen am Schluss. Denn man fragt sich ja die ganze Zeit, wer denn eigentlich hinter der Maske steckt und von wem die Anrufe stammen. Die Darsteller passen allesamt sehr gut zu ihren Charakteren, besonders die blonde Rose McGowan mit ihren durchgeknallten Gesichtsausdrücken und die braunhaarige Pferdeschwanzträgerin Neve Campbell in der Hauptrolle haben es mir angetan.

Mit ein bisschen fresher Mucke und dem guten Surround-Mix auf den Ohren, setzt durchaus immer wieder schöne Spannung ein. Die lange Gesamtlaufzeit zieht die Handlung allerdings ein wenig unnötig in die Länge, was aufgrund der regelmäßigen Gewaltszenen jetzt aber nicht unbedingt für Langeweile bei Blutfreunden sorgt.

Gesehene Fassung: Uncut 4K UHD HDR Blu-ray mit deutscher Synchro
Meine Screenshots: https://berny23.de/scream-schrei-1996/

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