Review
von Leimbacher-Mario
Rebellion der Ramones
Die Ramones sind 'ne coole Band, lässige und legendäre Punkrock-Götter. Jaja, i know. Und „Rock 'n' Roll Highschool“ ist ein absoluter Kultfilm seiner Zeit, eine bizarre, rockige Mischung aus „Grease“, „Animal House“ und „A Hard Days Night“. Ich sehe, warum Leute, die damals im richtigen Alter und in der richtigen Stimmung waren, den feiern und ewig hochhalten werden. Er hat auch Wege geebnet, für „Fast Times At Ridgemont High“, „Dazed & Confused“, „School of Rock“ und wie sie alle heißen, die Liste ist wahnsinnig lang. Nur jetzt kommt mein ganz persönliches fettes Aber. ABER er hat mich jetzt, heute, hier einfach nicht abholen können. Tut mir leid die Party crashen zu müssen, aber er ist einfach nichts für mich, egal wie einflussreich und keinen Fick gebend er wohl immer dastehen wird. Manchmal macht es eben nicht Klick.
Um „Rock 'n' Roll Highschool“ zu mögen, muss man nicht Ramones-Fan sein. Aber es hilft natürlich enorm. Und das bin ich nicht. Das ist das Eine, was bei einer Highschool-Komödie, die in eine Art Konzertfilm oder Musikvideo-Collage verläuft, natürlich nicht gerade zur Sympathie beiträgt. Ich mag die Musik und kann auch gut mal ein Album durchhören, die Riffs gehen massiv nach vorne und die lässig-dreckige Attitüde ist wohl noch immer nahezu unerreicht. Aber ich hatte hier einfach viel mehr Schul-Action statt Musikfilm erwartet. Die spottbillige Roger Corman-Produktion gibt nie vor der nächste „Casablanca“ zu sein und weiß, was er will und was er (nicht) kann - aber für mich war das dann doch zu zäh, alle Figuren blieben unfassbar flach, alles tritt auf der Stelle und dreht sich schnell nur noch um die Songs der rotzigen Rocker und diese selbst. Hinzu kommt, dass ich der snobbigen P.J. Soles zu keiner Sekunde deren No. 1-Fan abkaufe, sich die Musik doch arg ähnelt und abnutzt und die Jungs wenig Charisma geschweige denn Schauspieltalent haben. Gerade in Sachen Letzterem knacken sie fast schon das Fass ohne Boden, das geht gar nicht und man versteht sofort, warum nahezu jede Dialogszene von ihnen rausgeschnitten wurde. Weitere Minuspunkte bei mir: zu wenig Nacktheit, das PG-Rating ist Enttäuschung pur; zu wenig Songs anderer Interpreten (obwohl der Soundtrack natürlich insgesamt schon DAS Highlight ist); die „Geschichte“ will ich kaum so nennen; viel zu wenig Witze ziehen bei mir; zu wenig Clint Howard; weder richtig 70er noch schon 80er, was man aber natürlich auch wieder positiv auslegen und als interessante Chimäre deuten kann. Viele dieser Dinge werden Fans nicht gerne hören und kaum nachvollziehen können - doch für mich überwiegt hier leider das Achselzucken bis Kopfschütteln.
Fazit: kultig, rebellisch, punkig, rockig und sicher auch wegweisend, stilprägenden, vorbildlich plemplem - aber im Endeffekt dann doch nur eine sich schnell ausleiernde Dauerwerbesendung für die Ramones und leider ohne wirklichen Zugang für mich. Ich sehe zwar, was die Fans daran lieben. Aber ich selbst kann es (noch?) nicht fühlen. Sind eben nicht alle Kultvehikel für jeden... Sonst wär's ja kein Kult. Und hier müsst ihr ohne mich auskommen. Obwohl er Partyqualitäten hat und man den Schweiß unter den Lederjacken quasi riechen kann, ohne Frage.