Review

Der Foltergarten des Dr. Diabolo

In der Zirkus-Sideshow des Dr. Diabolo (BURGESS MEREDITH, noch sehr in seiner PINGUIN Rolle aus der coolen Pop Art BATMAN Serie verhaftet) bekommen zahlende Gäste, nach einem abschreckenden Blick auf eine lässige Grand Guignol Show, die Möglichkeit, in der Schere einer Wahrsagerpuppe ihre Zukunft zu erkennen. Natürlich heißt der gute Doktor nicht bloß so. Aus dieser Rahmenhandlung führt uns der Film unter anderem in die noch stattfindenden Erlebnisse einer aufstrebenden Jungschauspielerin unter der Führungsschicht der heißen Hölle Hollywood und ans Ende der verdammungswürdigen Verhaltensweisen eines degoutanten Rollkragendandys, der sein gewaltsam erzwungenes Erbe vom reichen Onkel mit einer Poe’schen schwarzen Katze aus dem regnerischen Reich des schlechten Gewissens teilen muss. Einsam leuchtender Höhepunkt des Films ist allerdings die letzte Episode, in der die Schauspieladmiräle PETER CUSHING und JACK PALANCE als konkurrierende Pfeifenraucher und Hardcore-Sammler von Edgar Allan Poe Handschriften dem RE-ANIMATOR vorgreifen. Ach, JACK PALANCE ! Ob als jaulender Drogenbumsmöch auf der Jagd nach ROMINA POWERS zartem Popo in JESS FRANCOS JUSTINE (1968) oder als perverser Schlangenforscher, die Nadel des eingebauten Intimbereichsknochenkompasses immer tüchtig in Richtung LAURA GEMSER ausschlagend, in NACKTE EVA (Joe D’Amato, 1970er), der ehemalige Bergarbeiter und Granatsplitterfang aus Pennsylvania ist seit eh und ja ein Gewinn für jeden Millimeter Zelluloid. Prost auch.
Bei Omnibus, bzw. Anthologienfilmen hatten Milton Rosenberg und Max J. Subotsky von den britischen AMICUS STUDIOS immer das glücklichste Händchen. DR. DIABOLO erinnert phasenweise stark an damaligen Fernsehstoff wie die mächtige TWILIGHT ZONE oder die frühen OUTER LIMITS, aber das liegt am Drehbuchautor. Das trägt nämlich keinen geringeren Namen in der Verfasserzeile als ROBERT BLOCH, seines Zeichens Autor von PSYCHO, der seine Proto-Hippie Sozialkritik auch hier wieder routiniert, besonders in der vorletzten Episode (Hollywood), durchschimmern lässt. Im Jahr 2005 ist das zwar nur noch rührend, passt aber zu jedem Moment ins hervorragende Gesamtbild des Films, der von HAMMER Veteran FREDDIE FRANCIS (DRACULAS RÜCKKEHR, FRANKENSTEINS UNGEHEUER) ebenso unspektakulär wie makellos inszeniert worden ist.

Details
Ähnliche Filme