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Wenn eine Klarinette im Hintergrund das nahende Grauen ankündigt, ein abgelegenes Anwesen gegen Ende des 18. Jahrhundert als Hauptschauplatz dient und nach kurzer Zeit Peter Cushing auftaucht, wähnt man sich sogleich in einem typischen Streifen der Hammer Studios. Doch weit gefehlt, denn die wesentlich kleinere Schmiede Tigon Productions ist für das Werk verantwortlich, dem die typischen Stärken eines Hammer-Films nahezu fehlen.

Erneut wird eine blutleere Leiche eines Studenten gefunden. Inspektor Quennell (Cushing) steht vor einem Rätsel und befragt Dr. Mallinger (Robert Flemyng), ein Spezialist auf dem Gebiet der Insekten zu den entsprechenden Wunden. Dabei verschweigt der Forscher, woran er soeben experimentiert und was es mit seiner Tochter Clare (Wanda Ventham) auf sich hat…

Während es bei Hammer oftmals um klassische Monster wie Vampire, Werwölfe, Frankenstein oder Mumien ging, geht es hier ein wenig trashiger zu. Bei dem Titelgebenden handelt es sich um eine überdimensionale Vampirmotte, die wahlweise Menschengestalt annehmen kann. Lange Zeit ist von der Mutation nichts zu sehen, doch als es schließlich gegen Finale etwas deutlicher in Erscheinung tritt, werden billige Tricks mit großen Tüchern offensichtlich. Das leblose männliche Pendant schaut immerhin recht witzig aus: Den grauen Latexkörper ziert eine strubbelige Punkfrisur, dazu zwei große rote Klüsen. Im Vergleich zu „Die Fliege“, der bereits neun Jahre zuvor erschien, ein recht durchschaubarer Budenzauber.

Was jedoch erzählerisch früh auffällt, ist die sprunghafte Erzählweise, die in regelmäßigen Abständen den Fokus aus den Augen verliert und sich um völlig belanglose Sachen wie eine Theateraufführung, einen Angler oder einen Fliegenfänger kümmert. Eine Bedrohung ist quasi nicht präsent, es gibt zwar hin und wieder Leichenfunde und dazwischen einen recherchierenden Inspektor, der das Treiben in Form eines routiniert aufspielenden Cushing bei Laune hält, aber von ausgereifter Dramaturgie ist die Angelegenheit oft weit entfernt.

Für etwas Abwechslung sorgt indes ein Pathologe (Roy Hudd), der mit einigen flapsigen Sprüchen um die Ecke kommt und manche Situationskomik geht ebenfalls ins leicht Morbide über. Atmosphärische Momente sind hingegen rar gesät, etwa bei einer Suche in einem staubigen Gewölbe oder beim Gang einer Hypnotisierten. Auch die Spannung hält sich in Grenzen, zumal Konfrontationen weitgehend ausgeklammert werden und das Tempo erst in den finalen Minuten ein wenig anzieht.

Cushing, der über den Film sagte, er zähle zu den schwächsten, in denen er je mitwirkte, wertet das Treiben ebenso auf wie Flemyng, wogegen speziell die Damen oftmals ein wenig unbedarft zu Werke gehen und unglaubwürdig performen. Der Score orientiert sich stark an denen der Hammer Studios, er vermag jedoch kaum Akzente zu setzen. Gleiches gilt für die Kulissen, die allenfalls ansatzweise stimmungsvoll eingefangen werden.

Mal abgesehen von ein paar blutigen Hälsen sind keine Gräueltaten zu sehen und während die Tricktechnik recht sparsam eingesetzt wird, wohnt man dem Treiben eher teilnahmslos bei, zumal das Titelgebende im Verlauf arg in den Hintergrund gerät und erst zum Showdown in Erscheinung tritt, was mit eklatanten Logikfehlern einhergeht.
Wer auf britischen Gothic-Grusel steht, findet zumindest eine passable Grundlage, darüber hinaus enttäuscht der Monsterfilm in vielen Belangen.
Knapp
5 von 10

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