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Harte Copfilme hatten ihren Zenit in den späten 60iger und den 70iger Jahren. Viele große Namen waren vertreten, allen voran sicherlich Clint Eastwood, der durch seine Performance in den „Dirty Harry“ Filmen das Subgenre maßgeblich geprägt hat. Doch schon drei Jahre vor dem ersten Teil der „Dirty Harry“ Filme, hat Don Siegel bewiesen, dass er bei dieser Art von Filmen anscheinend ein glückliches Händchen besitzt:

Bei einer routinemäßigen Festnahme werden die beiden Polizisten Madigan (Richard Widmark) und Bonaro (Harry Guardino) von dem Verdächtigen Benesch überrumpelt und um ihre Revolver erleichtert. Etwa zur gleichen Zeit erfährt Commissioner Russell (Henry Fonda), dass sein guter Freund und Chief Inspector Charles Kane in illegale Geschäfte verwickelt sei. Zu allem Überfluss flattert nun auch noch die Nachricht von der verpatzten Festnahme auf den Schreibtisch. Russell räumt den beiden Cops eine Frist von 72 Stunden ein, um den Flüchtigen zu verhaften. Madigan, der durch seine harte Vorgehensweise dem Commissioner schon früher aufgefallen ist und sich die Zwei deshalb nicht riechen können, beginnt sofort mit seinem Partner Extraschichten zu schieben. Dies stößt jedoch auf sehr starkes Mißfallen von Madigans Frau Julia, die mit ihrem Mann unbedingt auf einen Ball gehen möchte. Auch der Commissioner hat seine Probleme. Er weiß nicht, wie er seinem Freund entgegen zu treten hat und dann erfährt er auch noch von seiner Geliebten, dass deren Familie demnächst zurückkehren würde. Bei den Ermittlungen treten unsere Detectives mehr oder weniger auf der Stelle, bis sie schließlich einen Tipp von einem ehemaligen Komplizen Beneschs erhalten, wo dieser sich befindet. Schnell eilen sie zum vermeintlichen Versteck, wo auch schon der Commissioner und der Chief Inspector warten, um die Festnahme zu vollstrecken...

Wie man sicherlich bemerkt hat, bietet dieser Film im Grunde zwei Handlungsstränge, welche die meiste Zeit parallel zueinander verlaufen, sich nur selten kreuzen, um dann zum Ende hin ineinander überzugehen. Zum Einen verfolgt der Zuschauer den Alltag der beiden Detectives, sowohl auf dienstlicher, wie auch auf privater Ebene (fokussiert auf Madigan). Dies ist insofern interessant, da der Film nicht versucht die Polizisten zu glorifizieren und es wie eine heile Welt aussehen zu lassen. Es wird vielmehr gezeigt, welche Belastung die Arbeit für eine Beziehung darstellen kann und wie Menschen dadurch geprägt werden können. Auch die Geschichte rund um den Commissioner verfährt im Groben nach der selben Idee. Hier wird jedoch stärker auf die Komponente eingegangen, ob man strikt nach Vorschrift handeln muss oder ob man auf seine inneres Gefühl vertrauen soll. Ebenso gibt es hier wieder eine private Komponente, welche vielleicht die Menschlichkeit etwas hervorheben soll. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei den Film um einen Krimi, welche nur dann funktionieren, wenn sie eine solide Grundspannung haben, welche dann im Verlauf des Films kontinuierlich aufgebaut wird, bis es dann zum Ende hin sehr oft zum „Überlaufen“ kommt. Im Großen und Ganzen bietet dieser Film die angesprochene Spannung, verliert diese jedoch teilweise bei den Umschnitten auf den Commissioner, sodass der Film wieder Fahrt aufnehmen muss. Auch im Mittelteil verspürt man meiner Ansicht nach einen gewissen Durchhänger, da man sich hier etwas zu sehr in die Polizeiarbeit vertieft hat. Hier wäre es sicherlich sinnvoll gewesen, einen kleinen Aufschrecker einzubauen, der die Spannungskurve erhöht, das Publikum wach macht und dann wieder abfällt, damit es sich beruhigen kann und die „normale“ Arbeit weitergeht.
Wie es sich für einen ordentlichen Genrevertreter verhält, spielt der Film natürlich in einer Großstadt und erhält durch die Kameraarbeit schon fast einen dokumentarischen Touch. Man sieht Menschen geschäftig die Straße auf – und ablaufen, typische Straßenkreuzer, die mehr verbrauchen als sie PS haben, vorbei fahren, Geschäfte usw. Der Film versprüht dadurch eine gewisse Authentizität und der Zuschauer könnte dadurch teilweise den Eindruck haben, dass so dies die Realität sei, wobei es dann wieder Szenen gibt, die dagegen sprechen.
Musikalisch ist der Film keine Offenbarung. Siegel benutzt eigentlich nur ein Musikstück, welches er immer wieder verwendet. Zwar bietet es durchaus eine gewisse Dynamik und auch melodisch ist es nicht schlecht, doch mit der Zeit wird es einem einfach zu monoton, hier hätte man mit einer größeren Auswahl sicherlich punkten können.

Pluspunkte kann der Film auch bei den Schauspielern sammeln. Besonders Richard Widmarks Leistung als rauher, facettenreicher Cop kann überzeugen. Dazu gehört nicht nur seine kaltschnäuzige Art jemandem einen Spruch hinein zu drücken, sondern seine komplette Gestik und Mimik. Er schafft es geschickt dem Charakter eine gewisse Mystik zu geben, nicht im übersinnlichen Sinn, sondern mehr auf der zwischenmenschlichen Ebene. Man weiß genau, dass in seinem Inneren etwas sehr Zerbrechliches haust, was jedoch durch diese harte Schale kaschiert wird und genau diese Darstellung ist das Überzeugende.
Gegen diese Performance kommt auch nicht Henry Fonda an, der hier zwar eine gewohnt routinierte Leistung liefert, man jedoch immer den Eindruck hat, es könnte besser gehen. Der innere Konflikt, der den Charakter quält, wurde nicht deutlich genug hervorgehoben, sodass man nicht immer hundertprozentig überzeugt ist.


Das Fazit fällt dementsprechend größtenteils positiv aus, denn „Nur noch 72 Stunden“ ist ein überdurchschnittlich guter Copfilm, der leider im Mittelteil Punkte liegen lässt. 7.5/10

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