"Die einzigen Gewinner sind wir. Die Spieler haben keine Chance."
Las Vegas ist im Jahr 1973 eine Stadt der Kasinos und der Spieler. Aber hinter den Kulissen der Kasinos herrscht ein Räderwerk aus Macht und Korruption. Die Inhaber manipulieren die Gewinne, verteilen Schmiergelder in politischen und polizeilichen Positionen und spinnen ein Geflecht, dass der Mafia gleichkommt.
Sam "Ace" Rothstein (Robert De Niro) hat sich auf der Leiter hochgearbeitet und übernimmt die Leitung des Kasinos Tangiers. Um Schwierigkeiten mit den Behörden wegen seiner Vorstrafen zu vermeiden, gibt er falsche Angaben auf seiner Lizenz an. Zu seiner Seite steht ihm der langjährige Freund Nicky Santoro (Joe Pesci), der mit unbarmherziger Härte gegen Eindringlinge vorgeht und selbst einen Anteil fordert aus den Abschöpfungen der Kasinos fordert. Da er aber nicht berücksichtigt wird, verfällt er immer mehr der Kriminalität.
Für Rothstein läuft das Geschäft Dank seiner buchhalterischen Fähigkeiten gut. Er lässt sich sogar auf die Prostituierte Ginger (Sharon Stone) ein und heiratet sie. Aber mit den Jahren kommt der Fall, im geschäftlichen wie auch dem privaten Bereich.
Regisseur Martin Scorsese ("Gangs of New York", "The Wolf of Wall Street") setzte mit "Casino" den Roman von Nicholas Pileggi, der wiederum auf wahren Begebenheiten basiert, in ein knapp 3-stündiges, monumentales Werk um. Das Krimi-Drama wird häufig als Nachfolger von "Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia" gehandelt, hat allerdings keinerlei Bezüge zu diesem.
Knapp eine Stunde verbringt "Casino" mit einem ausschweifenden Prolog, der die Methoden der Geldabzweigung und die Reichweite der Mafia in Las Vegas schildert. In dieser Zeit fallen einige maßgebliche Eigenarten auf: Die sehr poppige Musikuntermalung, die plötzlichen Gewaltspitzen und der Hang zur überschwänglichen Erzählweise.
Die Informationsflut kann schon sehr an der Konzentration und Geduld des Publikums zerren. Schnelle Sprünge von einem Thema zum nächsten sind nicht selten und die Komplexität der Abläufe im Kasino geraten anstrengend. Dennoch erweist sich dieser Teil des Films mit seinen sehr durchdachten Dia- und Monologen als der beste.
Nach seinem überlangen Einstieg befasst sich "Casino" mit seinen Figuren. Den Aufstieg und Fall seiner Protagonisten beschreibt das Krimi-Drama nur nebenbei. Im Fokus steht eher die Dynamik zwischen ihnen und den kontroversen Umständen. Dank einer überwiegenden Erzählweise durch eine Erzählstimme, sind die Charaktere sehr nachvollziehbar aber auch emotional unterkühlt. Daher fällt es schwierig, eine Sympathiefigur auszumachen.
Durch einen dokumentarischen Charakter mangelt es "Casino" häufig an Dramatik. Die durchkomponierten Bilder und die überwiegend rasante Erzählweise machen diesen Mangel beim Sehen zwar weniger auffällig, im Anschluss fällt aber doch auf, dass neben der thematischen Komplexität kaum Handlung existiert.
Die blutigen Schießereien sowie die angewandten Folterungen unterstreichen den rauen Alltag. Bis auf wenige Ausnahmen erhalten diese einen comichaften Charakter, was die Ernsthaftigkeit etwas auflöst.
Keinen Gefallen tut sich das Krimi-Drama mit seinem überhasteten Abschluss, der nach der ausführlichen Exposition in nur wenigen Minuten sämtliche Erzählstränge beendet und den Abspann sehr plötzlich laufen lässt.
Mit Robert De Niro ("The Untouchables - Die Unbestechlichen", "Heat"), Joe Pesci ("Lethal Weapon"-Reihe) sowie Sharon Stone ("Basic Instinct"-Reihe, "Die totale Erinnerung - Total Recall") ist "Casino" gut besetzt. Alle spielen ihre sehr unterschiedlichen Rollen angemessen und glaubwürdig. Auch in den zahlreichen Nebenrollen agieren die Darsteller sehr nachvollziehbar, was der Authentizität gut tut.
Es sei erwähnt, dass die Thematik dem Rezensent nur bedingt zusagt, ihm der erzählerische Stil von Scorsese schon immer befremdlich war und er mit den Darstellern selten warm wurde. Die eigentlichen Mängel sind also die nüchterne Erzählweise und der geringe Spannungsaufbau. Die Darsteller sind gut und die Authentizität gegeben. Auch technisch besticht "Casino" durch sehenswerte Bilder und eine bodenständige Kameraführung. Ein zu recht gehandeltes Meisterwerk, dass allerdings auch Kritik zulässt.
6 / 10