Winchester '73 (1950, s/w) von Anthony Mann
...4. Juli 1876: Gut eine Woche nach General Custers vernichtender Niederlage am Little Bighorn, bereitet sich das junge Städtchen Dodge City (Kansas) auf die 100 Jahrfeier zum amerikanischen Unabhängigkeitstag vor. Der hiesige Sheriff Wyatt Earp (Will Geer) lässt dazu einen Schießwettbewerb veranstalten, bei dem es die neue Winchester Modell 1873 zu gewinnen gibt. Es ist aber nicht irgendeine Winchester '73, sondern eine von Tausend, weil jene mit besonderer Sorgfalt hergestellt wurde! Diese begehrte Siegerprämie könnte auch einen gewissen Dutch Henry Brown (Stephen McNally) in den Ort locken - das denkt sich zumindest Lin McAdam (James Stewart), der gerade mit seinem Freund Frankie "High-Spade" Wilson (Millard Mitchell) in Dodge City eingetroffen ist. Es scheint, als würden sich McAdam und Brown durch ein negatives Ereignis in der Vergangenheit kennen. Aus dem spannenden Wettschießen geht McAdam schließlich als Sieger hervor, doch der knapp unterlegene Brown gönnt ihm die besondere Trophäe nicht! Nachdem McAdam einen Verkauf an Brown abgelehnt hat, wird McAdam kurze Zeit später von Brown und einem seiner Kumpane überrumpelt und das gewonnene Repetiergewehr geklaut - noch ehe auf dessen Kolben der Name des Siegers eingraviert werden konnte! Für Lin McAdam ein Grund mehr Dutch Henry Brown zu hassen und ihn mit High-Spade gnadenlos zu verfolgen...
Herzlich willkommen zu einer ganz besonderen Westernperle, die die meisten von euch aber bestimmt schon (mehrmals) im TV gesehen haben!
Ich möchte neben meiner, auf den Anfang beschränkten Inhaltsangabe eigentlich gar nicht mehr zu diesem Film verraten und es ihn lieber alles selber darstellen lassen. Aber in einem Review genügt nunmal nicht der Hinweis sich den Film anzuschauen.
Warum ist "Winchester '73" also ein ganz besonderer Western???
Diesmal treibt einem nicht ein schwach bewachter Geldtransport Dollarzeichen in die Augen und es dreht sich auch nicht um ein Busenwunder, das einem schlaflose Nächte bereitet. Der Star ist hier eine Winchester, die in ihrem Ruf andere Repetiergewehre von Henry und Spencer übertrifft. Eine Handvoll Schützen, ausgestattet mit solch präzisen und mehrschüssigen Gewehren, hätte etwa die Feuerkraft einer ganzen Kompanie, die seinerzeit meist aus 20-30 (max. 50) Mann bestand (wohlgemerkt mit einschüssigen Flinten).
Diese Waffe rückte also in Anthony Manns erstem Western in den Mittelpunkt und gleichzeitig bildete dieser Genrebeitrag zusammen mit anderen guten Titeln den Auftakt in die westerngeprägten 1950er Jahre. Wie sich auch später noch bestätigen sollte, funkionierte das Gespann Mann-Stewart hervorragend und gleicht schon fast einer Traumhochzeit, wie auch bei Ford-Wayne oder Leone-Eastwood.
Das tolle und markante an diesem Film ist aber, dass jedes Kapitel eine eigene, kleine Geschichte darstellt, die dann mit den übrigen perfekt zu einer großen verschmilzt und mit hochkarätiger Besetzung und üppiger Ausstattung auch professionell umgesetzt ist.
Sicher zählen ein intensives Gefecht ziwschen Indianer, Soldaten und Zivilisten, eine Felsenschießerei und ein Häuserkampf zu den actionreichen Highlights - also sehr bleihaltig und zudem mit viel Einsatz von Repetiergewehren.
Aber dieser Film glänzt ebenso mit Höhepunkten und Raffinessen in der Story. So hat Dutch Henry Brown nicht lange Freude an dieser auserwählten Winchester. Und auch die fast genauso attraktive und begehrte Lola Manners (Shelley Winters) wechselt ihren "Besitzer". Dazu kommt noch der Auftritt von Dan Duryea, in dem er mit "Waco Johnny Dean" wieder mal exzellent einen überaus gehässigen Charakter spielt! ;)
Zum Amüsieren gibt es auch was, aber nicht in Form von Blödeleien, sondern situationsbedingter Komik, bspw. die 3 Lausbuben, die altklug dazwischenquatschen, während der große Wyatt Earp seine Rede schwingt. Oder als Duryea einen Mann zur "Küchenfee" macht oder einer seiner Männer bei einer Schießerei sagt "...an Dem kann ich gar nicht vorbeischießen..." :) Es gibt aber auch ein paar dreiste Momente, die zum (gemeinen) Lachen verlocken.
Ja, obwohl ich die herrlichen Landschaftsaufnahmen gerne in Farbe gesehen hätte, ist dieser Western in schwarz-weiß doch auf seine Weise kunterbunt.
Wer übrigens genau hinsieht, erkennt zudem bei mehreren Männern Bartstoppeln - also einen 3-Tage-Bart, was zwar für Italo-Western völlig normal ist, nicht aber für einem US-Western der alten Generation! ^^
Nach meinem Geschmack liegt "Winchester '73" in vielen Top- und Bestenlisten zu recht immer ganz weit vorne - ohne lange zu überlegen 10+ !
Diejenigen, genauer gesagt die wenigen unter euch, die diesen US-Klassiker noch nicht kennen, sollten dringend was dagegen tun. Andere, die mal wieder unentschlossen zuhause vor ihrem Westernregal den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, möchte ich zu einem erneuten Anschauen dieses Titels inspirieren! ;)
Und wenn man ihn erst vor ein paar Tagen gesehen hat??? Tja, dann gibt es ja noch die anderen Pferdeopern von Anthony Mann oder andere, ebenbürdige US-Western von...
Howard Hawks, Henry Hathaway, Andrew V. McLaglen, John Sturges, Gordon Douglas, Burt Kennedy, John Ford, R.G. Springsteen, Lesley Selander...
Viel Spaß und gute Unterhaltung bei "Winchester '73"! ;)